Vor genau zwei Jahren ertönte aus Berlin ein lautes “schicket Auto, schicket Auto, Alta”, und die halbe Republik fragte sich fortan “Wovon lebt eigentlich Peter?”. Die Antwort ist uns Winson zwar immer noch schuldig, dafür bietet uns der gebürtige Hesse mit ‘Frag Die Richtigen Leute’ sein zweites Album an.

Manchmal kann es für einen Musiker ziemlich schwer sein, immerfort mit einem einzigen Song in Verbindung gebracht zu werden, Winson hat damit zum Glück kein Problem. Im Gegenteil, er mag das “Peter”-Lied immer noch sehr gerne, wie er im Interview zugibt: “Erstaunlich gerne, denn eigentlich ist es so ein simples Lied, mit einem fast schon dummen Text und die Komposition ist auch nicht virtuos.” Passte aber zum Grundschema der erste Platte ‘So Sah Die Zukunft Aus’, die ziemlich schräg und experimentell daher kam, und es fast den Anschein hatte, dass manch einer damit etwas überfordert war. Richtig gut verkauft hat sich das Debüt nämlich nicht. Egal, manche Dinge brauchen ihre Zeit, und das neue Album offenbart sich als ein Produkt deutschsprachiger Pop-Musik, die momentan ihresgleichen sucht. ‘Frag Die Richtigen Leute’ wirkt in sich stimmiger, runder als der Vorgänger, was zum einen damit zusammenhängt, dass sich Winson von dem “Computerding” distanziert hat und diesmal seine Live-Band mit ins Studio holte. Somit hatten auch die Jungs, die ihn sonst nur auf Tour begleiten, großen Einfluss auf die Songs. Des weiteren ist es auch das Resultat einer täglichen Arbeit an Musik gewesen, die das Album laut Winson so doll anders klingen lässt: “Ich glaube, es gibt viele Leute, die können einfach Songs machen, die mehr nach Pop klingen. Ich nicht. Ich bin in meinen musikalischen Mitteln eigentlich so beschränkt, dass ich total froh bin, wenn mal was poppig und melodiös klingt. So habe ich mich einfach auf eine Art und Weise weiter entwickelt, wodurch Songs wie ‘Liebespielsalon’ entstanden sind, auf die ich auch total stolz bin.” Zu Recht, denn es sind diesmal vor allem auch die Texte, die dem ganzen Album den nötigen Schliff geben. Sei es die schmissige erste Singlauskopplung ’45 Mal/Minute’, die vom “bösen” Musikgeschäft handelt oder die anderen Songs, in denen es um traurige Drogendealer oder nicht zustande gekommene Beziehungen geht. Und auch wenn man als Hörer gerne geneigt ist, den Inhalt der Texte dem Künstler biografisch anzuhängen, ist in diesem Fall Abstand geboten, denn nach Winson ist “es immer ein lyrisches Ich, was erzählt. Natürlich haben die Songs in den meisten Fällen eine reelle Begebenheit als Basis. ‘Liebesspielsalon’, das eigentlich von einem Extasy-Dealer gesungen wird, hätte ich nicht machen können, wenn ich nicht als 17jähriger in Frankfurt/Main mal ‘ne relativ heftige Drogenphase gehabt hätte, wo wir einfach mal alles ausprobiert haben, was so zu kriegen war. Da habe ich auch Exctasy-Dealer kennen gelernt – eine Droge, die so überhaupt nicht zu empfehlen ist.”

Zwar werden wir mit dem zweiten Album von Winson erneut mit einer Frage alleine gelassen – wer denn die richtigen Leute seien, außer, dass er es nicht ist, war nicht aus ihm heraus zu bekommen – aber das ist in anbetracht des Hörgenusses auch überhaupt nicht schlimm.

Text: Marion Pinkpank