Ob überall auf der Welt abgehalfterte Achtziger Jahre-Stars sitzen und darauf warten, dass sie einen Song für leicht bekleidete Teenie-Stars schreiben dürfen? Wenn man „Mitten ins Herz“ sieht könnte man jedenfalls auf die Idee kommen, die Jungs von Duran Duran würden sich die Finger danach lecken, Britney Spears bei ihrem Comeback helfen zu dürfen.
Hugh Grant spielt einen solchen Musiker, der vor 20 Jahren mal Teil einer erfolgreichen Band war, doch nun nur noch auf Klassentreffen und in Vergnügungsparks auftritt – bis er eben die Möglichkeit bekommt, ein Liedchen für die erfolgreichste Blondine der Welt zu schreiben. Als er ins Stocken gerät mit dem Text läuft ihm just die wie immer höchst charmante Drew Barrymore über den Weg, die nicht nur die Worte fließen lässt, sondern auch die Liebe mit ins Spiel bringt. Weil Grant und Barrymore auf der Leinwand wirklich bestens harmonieren und sich auf ein flottes Drehbuch verlassen können, macht „Mitten ins Herz“ tatsächlich richtig viel Spaß – nicht zuletzt wegen der Eröffnungsszene mit dem herrlichsten Musikvideo der Achtziger, das gar nicht von damals ist. Voraussetzung für einen gelungenen Kinoabend ist aber natürlich, dass man sich erfreuen kann an der nervösen Hibbeligkeit und dem treuen Hundeblick des Briten, denn Grant verlässt sich voll auf seine alte Masche.

Ebenfalls auf Altbekanntes setzt Eddie Murphy, dessen ernsthafter Schauspielversuch in „Dreamgirls“ wohl doch eher eine Ausnahme gewesen ist. Leider, denn was wir dort zu sehen bekamen, war weltklassenbesser als sein Auftritt in „Norbit“. Wie schon in vergangenen Krawallkomödien hat Murphy auch dieses mal wieder mehrere Rollen übernommen, darunter die der fiesen Rasputia. Man sollte zu diesem Anlass mal ernsthaft drüber nachdenken, ob man es Komikern nicht verbieten kann, sich nicht nur in den Fatsuit, sondern gleichzeitig auch in Frauenkleider zu werfen. Gags über dicke schwarze Frauen waren jedenfalls schon in „Big Mamas Haus“ unerträglich, und Murphy überschreitet die unwitzige Schmerzgrenze nun noch häufiger.

Mehr zu lachen gibt es da schon in „Pathfinder“ – was vor allem daran liegt, dass Ralf Möller, der deutsche B-Liga-Bodybuilder und Möchtegern-Hollywoodstar, mitspielt und grimmig unter einem Wikingerhelm hervorguckt. Ansonsten ist das blutrünstige Spektakeln natürlich keine Komödie, sondern eine Geschichte irgendwo zwischen „Herr der Ringe“ und „Pocahontas“. 600 Jahre vor Kolumbus ziehen die Wikinger eine Spur der Verwüstung entlang der amerikanischen Küste und lassen einen kleinen Jungen zurück, der von den Indianern als ihr eigener Sohn aufgezogen wird. Jahre später bekommt er die Möglichkeit zur Rache, als die brutalen Krieger aus Europa noch einmal zurückkehren.
In Windeseile stapeln sich hier die Leichen, und weil der deutsche Regisseur Marcus Nispel das im rasanten Graphic Novel-Stil inszeniert hat, verwundert es nicht, dass es auch einen schicken Comic zum Film gibt.

In den USA ist der schon ausverkauft, aber wir haben noch ein paar Fanpakete, wo ihr neben den schickem Büchlein, Filmplaket auch 2 Kinokarten und ein Shirt findet, die ihr selbstverständlich hier gewinnen könnt.

Keine Spur von Ralf Möller, sondern jede Menge wirklicher Stars bietet derweil „Bobby“, der in dieser Woche neben Popsternchen und rachsüchtigen Indianern für die ernsthafte Politik zuständig ist. Der Titel bezieht sich auf Bobby Kennedy, der als großer Hoffnungsträger der US-Politik galt und am 6.6.1968 in einem Hotel in Los Angeles erschossen wurde. Wer sich an diesem Tag noch in jenem Hotel aufhielt und welche Geschichten sich dort ereigneten, hat Emilio Estevez als fiktiven Ensemblefilm inszeniert, in dem natürlich nicht jede Episode gleich gelungen ist. Doch weil er mit Demi Moore, Sharon Stone, Ashton Kutcher, Anthony Hopkins, Helen Hunt, Harry Belafonte, Christian Slater, William H. Macy, Elijah Wood und Lindsay Lohan eine schier endlose Liste von gut aufgelegten Stars engagiert hat, sieht man sich gerne alle an.

Nicht ganz so einfach macht es einem „Strajk – Die Heldin von Danzig“. Auch hier wird schauspielerisch Ansehnliches abgeliefert, denn niemand spielt kleine, resolute Frauen so engagiert und überzeugend wie die kleine, resolute Katharina Thalbach. Aber die Inszenierung von Volker Schlöndorff, der lange vor dem Nervbeutel Donnersmarck ja auch schon mal einen Oscar bekommen hat, ist eher brav und phantasielos geraten. Das macht es einem als junger, moderner Kinogänger doch etwas schwierig, sich für eine Geschichte polnischer Hafenarbeiter der Siebziger Jahre zu begeistern.

Also vielleicht doch lieber eine kleines Drama über private Katastrophen? „Das wahre Leben“ beweist auf jeden Fall, dass auch das deutsche Kino sehr viel mit dem Thema der dsyfunktionalen Familie anfangen kann. Papa verliert den Job, Mama strampelt im Fitnessstudio, der eine Sohn ist schwul und beim Bund, der andere bastelt in seinem Zimmer an explosiven Bomben. Spätestens als nebenan neue Nachbarn samt hochbegabter, aber suizidaler Tochter (die großartige Hannah Herzsprung!) einziehen, droht die Blase von der heilen Welt endgültig zu zerplatzen. Und ich kann mit Freude berichten, dass Katja Riemann – anders als Hugh Grant – nicht immer das gleiche spielt, sondern richtig klasse sein kann. Also ab ins Kino!

Text: Patrick Heidmann