Dass ausgerechnet Frontfrau Chantal auf die Idee kommt, die Band nach einem englischen Ausdruck für ein morgendliches und rein männliches biologisches Phänomen zu taufen, spricht für den trashigen Humor, den die New Yorker auch in ihrem Verständnis von ekletischen Elektro-Hard-Rock-Disco-Pop unter Beweis stellen. Als würden Blondie, Kiss, die Ramones und die Dolls im CBGB’s ein rauschendes Dekadenfest feiern, bei dem sich abwechselnd die Pixies und die Pretenders am DJ-Pult versuchen. Oder so ähnlich.

Die Entstehungsgeschichte von Morningwood ist jedenfalls eine ähnliche typische New Yorker Geschichte. So lernten sich Chantal und Basser Pedro, sozusagen Mama und Papa des ersten gemeinsamen und selbstbetitelten Album-Babys, auf der Geburtstagsparty von Sean Lennon kennen, wo Chantal angeheitert bei einem kleinen Ständchen ihre erste öffentliche Gesangsdarbietung feiern konnte und nicht nur, aber vor allem auch Pedro damit so hellauf begeisterte, dass man in den Nachwehen des Abends beschloss, eine Band auf die Beine zu stellen.

Mit einer elitären und kunstbeflissenen Rock-Schnöseligkeit, durch die die Stadt der Städte musikalisch zuletzt verstärkt von sich hören ließ, wollen Morningwood allerdings von vorneherein nichts zu tun haben, was wohl auch ein Grund dafür ist, dass sie mit ihrem eigenwilligen, aber dabei stets äußerst unterhaltsamen und ordentlich abgehenden sexy Stilmix, zunächst allerorts vor verschlossenen Szene-Türen standen. Doch mit der Zeit fand sich im Big Apple-Schmelztiegel dann doch noch eine bunt gemischte Pastiche-Party-Rock-Fangemeinde. “Unser Publikum reicht mittlerweile vom fünffachen Großvater, dessen Frau uns nach der Show zum Essen nach Hause einladen will, bis hin zur Dreijährigen, deren Eltern während des Konzerts filmen, wie sie alle unserer Songs mitsingt. Wir nehmen alles! Das einzige, was diese ganzen Leute gemeinsam haben, ist, dass sie anscheinend auf unsere Musik stehen”, so Chantal.

Morningwood machen es einem damit ja auch nicht so schwer, beißen sich ihre Songs doch schön ins Ohr und versetzten auch sonst sämtliche Körperteile in ekstatische Zuckungszustände. Und das alles mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Trotz Spaßfaktor und Zitatwillen sieht man sich aber keineswegs als Produkt einer postmodernen Pop-Plagiatismus-Albernheit. Pedro: “Wir verstehen uns nicht als ironische Band oder versuchen dieses zu forcieren. ‘Nü Rock’, der Opener des Albums, macht ziemlich gut klar, worum es bei Morningwood geht: Wir borgen uns vieles aus, aber wir sind trotzdem echt. Oder anders: Wir nehmen uns selbst eigentlich nicht so ernst, auch wenn wir uns manchmal beim Gegenteil ertappen.” Ist im Grund genommen aber auch Latte, für eine kurzweilige Gute Zeit werden Morningwood jedenfalls immer gerngesehne Gäste bleiben – egal auf welcher Party.

Text: Frank Thießies