Schon vor gut 20 Jahren paarten Aerosmith mit Run DMC bei ‘Walk This Way’ HipHop mit Rock. Bei ‘Judgement Night’ war 1994 diese Idee das ganze Konzept des Soundtracks, bei dem u.a. House Of Pain mit Helmet, Ice-T mit Slayer und Cypress Hill mit Pearl Jam jammten. Neu ist die Kombination von Schrammelmucke mit Sprechgesang also nicht. Neuestes Kind dieser Kollaborationsmethode ist nach Linkin Park und Jay-Z nun das deutsch-amerikanische Projekt 13 & God. Aber was The Notwist aus Deutschland da mit den themselves aus Amerika geschaffen haben, klingt definitiv anders.

Dass diese Mixtur aber gar nicht so abwegig ist, wie sie im ersten Moment scheinen mag, stellt Notwist-Frontmann Markus Acher klar. “Die themselves wie auch die meisten anderen Projekte vom ‘Anticon’-Label sind alles Leute, die sehr offen für alle mögliche Musik sind und sich sehr wenig um Genres oder Stile scheren. Sie haben zwar ihre Wurzeln im HipHop, aber in ihren Walkmen läuft eigentlich eher Robert Wyatt, this heat oder Can. Und deswegen kannten sie auch unsere Musik, und wir ihre. Es braucht keine Codes, um ihre Musik gut zu finden. Und da war es dann auch sehr einfach, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Wir haben gleich gemerkt, dass wir uns persönlich und musikalisch extrem gut verstehen.”

Das Cover von der nun schlicht ’13 & God’ betitelten Scheibe ziert ein geöffneter roter Vorhang. Etwas weniger einladend ist dagegen der Totenkopf auf der Single ‘Men Of Station’. Oder vielleicht doch? Immerhin ist er so designt, dass er quasi erst zusammengebastelt werden muss, also zum Mitmachen animiert. Passend zu 13 & God ist er allemal. “Das Artwork thematisiert beziehungsweise variiert, was auf der ganzen Platte und auch im Bandnamen immer wieder vorkommt: Religion – bei uns natürlich speziell das Christentum – und Mystik, alle möglichen Symbole, und wie das immer noch unser aufgeklärtes, modernes Leben durchdringt. Für die drei Amerikaner war es natürlich auch extrem faszinierend, durch München zu laufen und all die steinernen Engel, Teufel, Bischöfe und Heiligen zu sehen, die hier die ganze Innenstadt bevölkern, und uns gar nicht mehr so auffallen.”

‘Man Of Station’ ist dabei nicht unbedingt das repräsentativste Stück des Albums, da es durch Länge und Musik dicht am Pop-Song-Format dran ist. Da kann schon der Eindruck entstehen, dass es wie ein trojanisches Pferd Radiostationen entern und dann folgende Zeile verkünden soll: “We’re not as hell as you.” So beschränkt ist die Botschaft aber nicht gemeint, sondern soll durchaus allgemeingültig verstanden werden. “Das ist schon eher so politisch konkret gemeint, wie erschreckend es doch immer wieder ist, was für ein Ausmaß an Unmenschlichkeit und Unverfrorenheit Menschen in Machtpositionen erreichen können. Wir kennen uns ja selbst und unsere Schwächen. Es ist auch fern von dieser Schwarz-weiß-Malerei von wegen ‘die Mächtigen’ gegen uns ‘Volk’. Aber trotzdem: Diesen letzten Schritt hin zu totaler Menschenverachtung, den da viele Politiker, Industriebosse, Militärs, usw. immer wieder gehen, das erschreckt mich doch immer wieder. Mit Schorsch Kamerun gesprochen: ‘Monsters rule this world.’ Aber die Interpretation mit dem Radio finde ich auch sehr schön.”

Text: Holger Köhler