„Der Mensch lebt nicht von Brot allein

Manchmal muss es auch ein bisschen Luft und Liebe sein

Grüße aus der Flut – Max Prosa

Manche Dinge nimmt man als solch fundamentale Selbstverständlichkeit wahr, dass erst wenn sie bedroht sind, man ihren Wert erkennt. Kultur ist eine dieser Dinge. Demokratie eine andere.

Während die Kulturszene nach dem vergangenen Jahr langsam wieder auf gute Zeiten hofft und Künstler*innen nicht müde werden, die Zeit mit dem Beginn der Goldenen Zwanziger zu vergleichen, so lässt sich leider auch die politische Situation mit eben dieser Zeit vergleichen. Im Wahlkampf trägt die Kulturpolitik meist eine untergeordnete Rolle, dabei setzt Kultur grundlegende Maßstäbe für die Gesellschaft und formt diese.

Musikalische Gedichte und Politik

So wurden im amerikanischen Bürgerkrieg vertonte Gedichte jeder Truppe mitgegeben, damit sie beim gemeinsam singen ihren Zusammenhalt bestärken. Die politische Kraft von Gedichten wurde dem 21. Jahrhundert spätestens im Januar 2021 wieder sichtbar als die 21 jährige Amanda Gorman ihr Gedicht „The Hill We Climb“ bei der Inauguration von Joe Biden präsentierte.

Von der Schönheit der Worte

Das die demokratische Stärke des Gedichts, jedoch auch subtiler daherkommen kann, beweist der Künstler Max Prosa in seinem vor kurzem im Trabanten Verlag erschienen Gedichtband „Flügel aus Beton“.

„Tragt nur euer Leben in die totgesagte Welt,

wir haben uns lang genug verstellt.

Warm sind die Paläste, doch wir bleiben

Lieber hier, tanzen barfuß vor der Tür.”

Totgesagt Welt – Max Prosa


In alter Liedermacher Qualität verbindet Max Prosa bekannte Bilder mit neuen Emotionen, spielt mit den Innen und Außen der Welt und hinterfragt die eigene Position.

Eines der beeindruckendsten Gedichte aus dem Band ist „Apokalypse“, in dem der Nachbar erstmal Videos vom Untergang macht, und Max Prosa nach dem Überstehen der Apokalypse meint:

„ein Tag bleibt frei, aber dann beginnt

Die Arbeit/ auf das die Wirtschaft

wieder anzieht/ die meisten Tiere ver-

schwanden von der Erde/ und die Wälder,

das Brot und der Wein / nur wir und

ein paar Fliegen blieben übrig /War

das mit der Hölle gemeint? War das mit

der Hölle gemeint?

Apokalypse – Max Prosa

Max Prosa schafft es immer wieder die Essenz des Alltags in schnörkellose Worte zu pressen und dadurch Menschen zum Denken anzuregen – und nichts anderes ist die Stärke von Kunst in einer Demokratie.

Diesen Monat wollen wir bei motor.de die vielen verschiedenen Formen zwischen Musik und Demokratie hören. Es wird um die queere Community in der Musikindustrie gehen und um Musik als Schulung des Sozialverhaltens für die Demokratie. Bis dahin lohnt es sich Max Prosas Gedichtband hier zu kaufen!


Ihr könnt Max Prosa hier auf Instagram folgen.

Der Gedichtband wurde uns freundlicherweise vom Trabanten Verlag als Rezensionsexemplar zu geschickt.