Angefangen hat alles 1987, als Markus Reinhardt und Pompejo Ricciardi eine Band gründeten und sich fortan Wolfsheim nannten. Der Bandname entstand nicht nach dem gleichnamigen Ort in Rheinland-Pfalz, sondern bezieht sich auf eine Romanfigur von Scott Fitzgeralds „Der große Gatsby“ und „vereint heimisch Vertrautes mit der Faszination stiller Sehnsucht nach der unbekannten, wilden Schönheit einer noch unberührten fremdartigen Welt” (Scott F. Fitzegerald/ „Der große Gatsby“). Das Duo wurde durch Markus Bruder Oliver Reinhardt kurzzeitig zum Trio aufgestockt. Als Gründungsmitglied und Sänger Pompejo nach drei Monaten und einem Tape aus der Band ausstieg, schlug er Peter Heppner als seinen Nachfolger vor, der seinerseits ein ziemlicher Fan der ersten Kompositionen war und der die Band deshalb bereits gut kannte, weil sie alle im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg aufgewachsen waren und zu einem Freundeskreis gehörten. Markus und Peter gingen auch auf das gleiche Gymnasium, lernten sich aber erst im gemeinsamen Kunstkurs richtig kennen. Nach dieser kurzen Phase stieg Oliver Reinhardt wieder aus und so entstand das bis heute bestehende, endgültige Wolfsheim-Line-Up aus Peter Heppner (Stimme) und Markus Reinhardt (Elektronik). Zuerst wurden noch die Texte des ehemaligen Sängers benutzt, was sich aber bald zugunsten von Reinhardt/Heppner-Kompositionen änderte. Peter, der vorher bereits im Kirchen- und Schulchor gesungen hatte und eigentlich Maler oder Schriftsteller werden wollte, schrieb ab jetzt immer die Texte zu den von Markus stammenden Kompositionen. Der erste öffentliche Wolfsheim Auftritt fand in der Hamburger „Werkstatt 3“ statt.

1988-1991

Mit zwei weiteren Tapes bewarb man sich bei verschiedenen Plattenfirmen, wobei man allerdings ausschließlich Absagen erntete. Erst Lothar Gärtner, der seinerzeit das Label Strange Ways Records noch als Ein-Mann-Unternehmen betrieb, wurde nach dem Hören einiger Tracks auf Wolfsheim aufmerksam. So erschien 1991 dann die Debüt-Maxi The Sparrows And The Nightingales auf Strange Ways, dem Label, dem Wolfsheim bis heute treu geblieben sind. Sparrows entwickelte sich aus dem Stand und ohne größere Promotion zu einem fetten Clubhit. Heute gilt der Titel als Klassiker und fehlt auf keinem DJ-Event und auf keiner Compilation, die sich ernsthaft mit der elektronischen Musik der 80er Jahre „auseinandersetzt“.


1992-1995

Die zweite Maxi It’s Not Too Late (Don’t Sorrow), sowie das Debütalbum No Happy View, an dem Wolfsheim bis dahin schon etwa zwei bis drei Jahre gearbeitet hatten, und das man in zwei Studiowochen einspielte, folgten 1992. Vom Album gingen bis Ende 2001 ungefähr 65.000 Tonträger über den Ladentisch, die Band wurde damals in vielen Printmedien zum „Newcomer des Jahres“ gewählt. Wenig später folgten die Maxis Now I Fall und Thunderheart als Vorboten eines neuen Albums. Auf Popkiller (September 1993) konnten aufgrund aufwendigerer Technik und einer längeren Produktionszeit wesentlich mehr klassische Einflüsse eingebracht werden. Weiterhin erkennt man in den Songs die typische Wolfsheim-Eigenart wieder, daß man beim Anhören der Musik ersteinmal Tristesse, Melancholie oder ähnliche Gefühle verspürt, beim Lesen der Texte oder beim Nachdenken über die verschiedenen Refrains jedoch seinen Optimismus wiederfindet. Die vielen unterschiedlich anmutenden Songs entstehen vor allem auch dadurch, daß bei Wolfsheim nur das gemacht wird, was beiden Musikern gefällt. Wolfsheim ist also eine Art kreative Schnittstelle, wo sich die verschiedenen Eigenarten und die unterschiedlichen und vielschichtigen musikalischen Einflüsse von Peter und Markus treffen. Peters Texte entstehen meistens derart, daß das Stück selbst und die Stimmung, die es vermittelt, auch schon den Inhalt vorgibt, das Stück ihn also in bestimmte Stimmungen versetzt, die ihm wiederum bestimmte Anknüpfungspunkte erschließen (Erinnerungen, Gefühle und dergleichen). „Die Songs entwickeln sich ganz langsam, wir gewöhnen uns über die Zeit daran und erst, wenn sie uns nach zwei oder drei Monaten noch gefallen, werden sie zu echten Wolfsheim-Liedern”, sagte Peter, der damals zwischendurch auch schon mal als Gastsänger bei den Girls Under Glass und Umbra Et Imago tätig war, in einem Interview.

1995-1997

Im Februar 1995 erschien die Compilation 55578 mit vielen Tracks der bekannten und erfolgreichen Maxisingles, einigen unveröffentlichten und bis dahin nur auf Samplern erschienenen Titeln, wobei die limitierte Erstauflage eine Live-CD enthält, auf der Aufnahmen der Strange Ways Festival Tour 1994 zu hören sind. Außer bei dieser Tour hatte man Wolfsheim bis dahin zum Beispiel auf dem Zillo Festival 1992 und der Strange Ways Festival Tour 1993 live erleben können. Als Vorabsingle dieser Compilation, die sich übrigens fünf Wochen lang in den Media Control Charts halten konnte, wurde die Maxi Elias veröffentlicht, auf der nochmals diverse Remixe des Vorgängeralbums zu hören sind. Im November 1995 erschien die nächste Maxi Closer Still, und im Februar 1996 wurde das dritte Album namens Dreaming Apes veröffentlicht, an dem man drei Monate mit Produzent Jose Alvarez (der auch schon das Debütalbum No Happy View produzierte) gearbeitet hatte. Auf Dreaming Apes sind übrigens zwei Songs mit deutschsprachigen Texten zu hören. Weiter fallen die vier „Instrumentalkurzstücke“ auf, die wie Überleitungen zwischen den Songs wirken. Kurz vor dem Tourneestart im Mai 1996, auf der Wolfsheim zum ersten Mal allein auftraten, wurde die siebte Maxisingle A New Starsystem Has Been Explored ausgekoppelt, für die auch ein Video – wie schon für Sparrows und Now I Fall – gedreht wurde.

1997-1999

Am 20.10.1997 gab es dann endlich das erste Livealbum des Hamburger Duos mit dem Titel Hamburg Rom Wolfsheim. Der über siebzigminütige Longplayer enthält Aufnahmen der 1996er Dreaming Apes-Tour aus Halle, Hildesheim, Hamburg, Potsdam, Bremen und Dortmund. Als Solist landete Peter Heppner in Kollaboration mit Joachim Witt wohl den Hit des Jahres 1998, nämlich das im Duett gesungene Die Flut, das wochenlang die Topposition der Media Control Single Charts belegte und Peters Stimme (und damit auch Wolfsheim) nun endgültig einer riesigen Öffentlichkeit zugänglich machte. Im Oktober 1998 war es endlich soweit: Das neue Album Spectators kündigte sich mit der achten Singleauskopplung Once In A Lifetime und dem dazugehörigen Video an.

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