Welche kleine Indie-Band kann von sich schon behaupten, David Bowie im Publikum bei einer Liveshow gehabt zu haben? Reichlich wenige. Welche Band kann zudem noch auf der eigenen Bilanz ausweisen, 25.000 Einheiten der ersten CD ohne Plattenfirma oder Vertrieb an die Fans gebracht zu haben? Eben. Und welche Band bleibt bei all diesen Ereignissen so ruhig und gelassen wie ein Faultier, das gerade gemütlich am Baum hängt? Wahrscheinlich keine.

Außer Clap Your Hands Say Yeah. Aber bei der aus Brooklyn, New York, stammend Band scheint nichts wirklich normal zu sein. Gemäß dem Motto ‘do it yourself’ spielten die fünf Mitglieder Alec Ounsworth (Gesang/Gitarre), Tyler Sargent (Bass), Robbie Geurtin (Gitarre/Keyboard), Lee Sargent (Gitarre/Keyboard) und Sean Greenhalgh (Drums) ihr selbstbetiteltes Debüt ein und nehmen den Hörer auf eine fröhliche und obskure musikalische Reise mit. Clap Your Hands gelten als neue Kritiker- und Publikumslieblinge, trotz der bizarren Soundakrobatik. Titel wie ‘The Skin Of My Yellow Country Teeth’ klingen eigenwillig, und genau das macht diese Band aus.

Der Opener ‘Clap Your Hands!’ ist ein musikalischer Spaziergang auf einem Rummel. Ein Marktschreier brüllt unentwegt ‘Clap Your Hands’, während am anderen Ende des Rummels die ungeliebte hölzerne Achterbahn ihre letzte Runde dreht. Reichlich entgleist und melancholisch zugleich tritt der Trupp seine Reise. Man selbst reibt sich leicht benebelt die Augen und fragt sich, wer solch einen wirren Opener zu Band gebracht hat. Die Reise beginnt miet einer schiefen Stimme und wirren Keyboard-Sounds, die einen sanft durch das Geschehen tragen, das noch mehr Merkwürdigkeiten aufweisen wird.

Mastermind hinter all dem ist Alec Ounsworth. Markenzeichen seinerseits ist, dass dieser gesanglich knapp immer daneben liegt. Seine Stimme kippt öfter als Iggy Pops Stimmung, und wer dachte, dass Stephen Malkmus von Pavement nicht singen kann, der sei hiermit eines besseren belehrt. Alec Ounsworth toppt beide und schaut bei Liveauftritten sowas von gelangweilt in die Masse, dass man ihm sofort einen Button mit ‘Oberslacker Of The Year’ anheften möchte. Im Interview hingegen gibt er ein anderes Bild von sich ab.

Der goldene Herbst reicht in diesem Jahr bis in den November hinein. Alec Ounsworth sitzt im Fensterrahmen seines Berliner Hotels und frisst eine Zigarette nach der anderen. Kleine Geheimratsecken schimmern durch seine Frisur, während er das Bild eines reflektierten New Yorkers abgibt. Majorlabels traut er nicht über den Weg und hinterfragt ständig, ob die Leute es ehrlich mit ihm meinen. Obwohl er das nicht mehr müsste. Der Erfolg spricht für sich. Seit über einem halben Jahr füllt seine Band alle relevanten Blogs und Magazine. Fast über Nacht hat diese Band ohne jegliche Rückendeckung eine Platte in Alleinregie aufgenommen, die bis dato nur per Mailorder oder auf Konzerten erhältlich war. Ja, so etwas wie Mailorder gibt es heutzutage noch. Obwohl Alec eingesteht, dass die Organisation des Versands nicht die angenehmste Arbeit ist: “Wir wollten uns beinah einen Praktikanten dafür einstellen.”

Diese Idee wurde letztlich wieder verworfen. Ohne Promo oder Plattenfirma rollte der Ball stetig weiter und zieht illustre Gäste wie oben genannten David Bowie wie auch David Byrne von den Talking Heads zu ihren Konzerten. Womit wir bei den Davids wären, die für Clap Your Hands Say Yeah so etwas wie der rote Faden sind. David Bowie findet seine namentliche Erwähnung im Song ‘Over And Over Again (Lost And Found)’, wo hingegen David Byrne von den Talking Heads seinen Kopf für die Referenzen hinhalten muss. Woraufhin Alec Ounsworth in einem Interview nur folgendes erwiderte: “I’ve heard the Talking Heads before. That’s that band from the 80ies, right?” So viel dazu. Falsche Kategorisierungen sind nicht erwünscht und irgendwie fällt es einem unheimlich schwer, dieses kleine Indie-Monster in eine Schublade zu stecken. Dafür ist es einfach zu groß und zu aufregend. Die Zahlen sprechen für sich.

Text: Tanja Hellmig