‘So Jealous’ nennt sich die bereits dritte Veröffentlichung der ungleichen und doch so wunderbar miteinander harmonierenden kanadischen Zwillingsschwestern. Und neidisch dürften sie damit in der Tat so manch weiblichen wie auch männlichen Künstler machen, denn eine dermaßen feine Ansammlung melodischer Gitarren-Pop-Songs mit dezentem Wave-Einschlag findet sich nur selten.

Wären da nicht diese bittersüßen, nachdenklichen und selbstreflexiven Texte, könnte man soviel tonale Glückseligkeit schwerlich ohne schlechtes Gewissen ertragen.

“Wir schreiben beide gleichviel düstere Sachen, obwohl Saras Material auf diesem Album vielleicht noch depressiver rüberkommt als meins, weil ich zu den nicht ganz so fröhlichen Texten immer so poppige Melodien schreibe”, erklärt Tegan und widerlegt in gleichem Atemzug die Vorstellung, sie und ihre Schwester seien ausschließlich miesepetrige Pessimistinnen. “Auch wenn wir beide relativ finster drauf sind, geht es immer auch um Veränderungen und den Blick nach vorne, das ist der optimistische Teil unserer Musik. Aber man kann sich nicht nach vorne bewegen wenn man nicht zurückschaut. Und genau das verarbeiten wir in den Songs.”

Auch wenn die beiden mittlerweile in unterschiedlichen Städten leben, ist ‘So Jealous’ doch das bis dato rundeste und homogenste Werk der Quin-Schwestern geworden. Distanz schafft also doch mehr Nähe? “Das lustige ist, dass ich diese Platte auch für unsere kohärenteste und in sich geschlossenste ist, obwohl wir beide hier am wenigsten zusammen gearbeitet haben. Das erstaunliche dabei ist aber, dass es zeigt, wie ähnlich wir uns sind und wie kollaborativ unsere beiden Köpfe und Seelen arbeiten.” Insofern kam es ihnen persönlich wohl nur zu Gute, dass familiäre Band ein wenig zu lockern. “Als Zwillinge waren wir immer so sozialisiert, dass man ständig zusammen war und als eine Einheit auftrat, obwohl wir doch sehr unterschiedliche Menschen mit eben solchen Zielen und Vorstellungen sind. Es war also gut, sich wenigstens physisch von einander zu trennen und unabhängig voneinander zu sein. Es ist schon was anderes, wenn du auf alleine Leute triffst, anstatt ständig im Doppelpack.”

So entstand das Gros des Liedguts im jeweiligen Schlafzimmer von Tegan und Sara, kurzerhand zum Privatstudio umgebaut, woher dann auch der Titel dieser Vorabversionen rührt: ‘Bedroom Demos’. “Das war eine gute Arbeitsweise für uns beide, um die Basis für die Songs auszuarbeiten. In einer Live-Atmosphäre kannst du einen Song schnell manipulieren und er klingt auf einmal vollkommen anders als du es dir vorgestellt hast. So haben wir auch darauf bestanden, dass in der späteren Studio-Umsetzung alles sehr nah an diesen Originalaufnahmen bleibt. Viele Songs auf der Platte haben noch die Effekte, die wir zu Hause benutzt haben drin, nur mit einem besseren Sound aufgenommen. Wir wollten, dass sich diese Lo-Fi-Seite von uns auch im fertigen Album widerspiegelt.”

Dass das Endergebnis trotzdem noch “üppig” und ohrschmeichelnd gefällig klingt, ist dann wohl auch Teil des Tegan & Sara-eigenen Divergenzkonzepts. Gegensätze ziehen sich eben an.

Text: Frank Thießies