Na, Lieblingsband schon gefunden? Es kracht ja zurzeit mal wieder ganz mächtig im Gebälk der deutschen Pop- und Rockmusik, und wem Madsen zu schrammelig, Wir Sind Helden zu studentisch sind, oder wer sich für Juli zu alt fühlt und Silbermond doof findet, der, ja der (oder die) sollte es vielleicht mal mit El*ke probieren. Denn die Exil-Emsländer, soviel steht fest, rocken wie nichts Gutes!

Über El*ke hatten wir ja schon vor einigen Wochen berichtet. Das waren die seit Kindheitstagen untrennbar miteinander verbundenen mit der mit der tollen Bandgeschichte, die nach einem Portugal-Urlaub merkten, dass ihre Heimatstadt Meppen zu eng für sie geworden war. Jetzt sitzen Peter Bolmer (Gesang, Gitarre, Bass), Martin Krüssel (Gitarre, Bass) und Schlagzeuger Hubert Deters in ihrer neuen Berliner Homebase. Eine klassische Jungs-WG ist das, mit unzähligen Postern an den Wänden, Sperrmüll-Mobiliar und zu trinken gibt’s “Kaffee oder Leitungswasser”. Na toll! Es geht um das Ding mit der deutschen Sprache. “Als unser alter Sänger ausgestiegen ist und ich das Mikro übernahm”, setzt Bolmer an, “da war eigentlich sofort klar, dass ich, wenn ich schon singe, dies nur auf Deutsch tun könne. Englisch kann ich nicht so gut und Deutsch ist nun einmal die Sprache in der ich denke, fühle und mich folglich am Besten ausdrücken kann. Einfach war es aber trotzdem nicht, wir hatten schließlich nie deutschsprachige Musik gehört und folglich gab es kaum brauchbare Vorbilder. Das Einzige, was mir damals gefallen hat, war Selig.”

Dass es nach einiger Anlaufzeit doch noch klappte mit den Texten in der Muttersprache, dafür ist nicht zuletzt ein Mann mitverantwortlich, den man an dieser Stelle eher weniger erwartet hätte: “Ralf Goldkind (Ex-Lucilectric, arbeitet jetzt als Produzent, Anm. d. Autors.) hat uns am Anfang eine Menge geholfen – auch was das Knüpfen von Kontakten in Berlin betraf.” Für die Produktion des nun erschienene Debüt-Albums ‘Wilder Westen’ verzichtete man jedoch auf die Dienste des eher im Pop beheimateten Goldkind und vertraute Erfolgsproduzent Olaf Opal (Notwist, Die Sterne, Slut).

Und mit diesem verlegte man nun den Wilden Westen für einige Wochen in ein Bochumer Studio, wo “wir eine Menge Spaß hatten, viel Scheiße laberten aber natürlich auch Musik gemacht haben”. Das dabei entstandene Album zeigt endgültig das ganze Klangspektrum der Band auf, nachdem die Vorab-EP ‘Adrenalin’ noch den Schwerpunkt auf wuchtige Riff-Hammer gelegt hatte. “Zum Ende hin wird die Platte etwas romantischer”, erklärt Peter. “Es war uns wichtig, auch die ruhigeren Songs mit auf dem Album zu haben, da wir schon so lange zusammen spielen und das eine wichtige Seite von uns ist. So was haben wir früher, als wir noch den Bauernhof in Meppen hatten, abends oft am Lagerfeuer gespielt.”

Eindeutige Kernkompetenz von El*ke bleiben aber nichtsdestotrotz die kraftvollen Rocker wie ‘Adrenalin’ oder der Titelsong des Albums, in denen Peter mit an Rio Reiser erinnernder Röhre wütend faucht und der Rest der Bande die kollektiv erfahrene Grunge- Stoner- und Punk-Sozialisation mehr als nur erahnen lässt. Hiermit leisten El*ke, im Gegensatz zu den durchaus auch vertretenen konventionellen Deutschrock-Nummern im hinteren Teil des Albums, einen mehr als brauchbaren Beitrag zur aktuellen Deutschpop-Welle, und empfehlen sich tatsächlich als des ein oder anderen Lieblingsband von Morgen.

Text: Torsten Groß