Mit ’Irgendjemand Muss Doch’ haben sich Kinderzimmer Productions quasi neu erfunden. Nach ihren Erfahrungen bei großen Plattenfirmen wie ’Sony’ und ’Virgin’ nehmen die zwei Ulmer nun wieder alles auf dem eigenem Label selbst in die Hand. Wichtigste Neuerung: Die einstigen Sample-Könige haben diesmal diverse Instrumente selbst eingespielt. Trotzdem bleibt vieles auch beim alten: Textor rappt oft schnodderig über die Musik, die ihm sein DJ Quasi Modo da zusammengefrickelt hat. Ausgetrampelte HipHop-Pfade liegen ihnen eben nicht. Aber wenn andere dadurch über etwas Neues stolpern, ist ihr Ziel erreicht!

Allein schon die Titel sind vielversprechend, wie z.B. ’Rrrhh Rrrhh’, ’Wo Ist Mein Kopf?’, ’Buttermilch’ und der Skit ’13’, der in der Tracklist an der 13. Stelle kommt und genau 13 Sekunden lang ist. Ja, was soll das denn? „Das ist nur Zahlenmystik! Wir sind eine Gruppe, die Proportionen schätzt. Wir hatten elf Songs plus ein ’Intro’ und ein ’Interlude’, wollten aber sieben Stücke auf jeder Plattenseite. Also brauchten wir noch eines und haben dafür ’13’ gemacht. Ende der Fahnenstange! Ich finde aber auch einfach Sachen schön, über die gestolpert wird.“

Ein anderer interessanter Stolperstein ist ein Satz in ’Styles Ohne Ende’, der extra im Presse-Info zitiert wird: „Alles gesagt, oder? Was war noch?/ Wenn dein Gott sagt, dass du töten musst, ist dein Gott ein Arschloch“. In Zeiten, in denen verstärkt islamistische auf christliche „Gotteskrieger“ treffen, kommt die Frage auf, wer damit angesprochen wird und was damit weiter ausgesagt werden soll. „Was meinst du, was noch gesagt werden müsste? Wenn du das hörst, an was denkst du? Was mich am Texte schreiben interessiert, ist es, wenn du was zum Funktionieren kriegst. Ich stolpere ab und zu über Sätze, die mehrere Bedeutungsebenen haben. Das macht mir großen Spaß. So kann ein Satz sowohl religiös, politisch oder einfach eine Haltung ausdrücken – oder auch nicht. Viele Diskussionen werden nur noch sehr dogmatisch geführt, d.h. die Leute knallen sich nur noch Stichwörter an den Kopf. Ich bin nicht an politischer Musik interessiert. Aber ich glaube auch, dass es die Musik nicht verdient hat, davon frei gehalten zu werden. In dem Zusammenhang habe ich auch das Bedürfnis, was zu sagen. Diese Zeile ist ein Beispiel dafür. Ich will sie aber nun auch nicht einengen. Wenn diese Zeile funktioniert und die Leute drüber stolpern, ist es hoffentlich auch eine, die was bewirkt.“

Text: Holger Köhler