Dass man sich schon volle Kanne in der zweiten Jahreshälfte befindet, merkt man im Kino unter anderem daran, dass plötzlich überall Genrefilme zu sehen sind. Horror, Thriller, Science Fiction – schon lange vor Halloween tauchen sie auf und sind damit fast so etwas wie die Spekulatiuskekse des Kinos: eigentlich zu früh, aber man weiß, dass bald Weihnachten kommt.

Spätestens diese Woche ist es soweit, denn „28 Weeks Later“ löst eine Zombiewelle aus, die so schnell nicht abreißen wird. Regisseur Danny Boyle hat die Verantwortung dieses Mal an einen unbekannten Spanier abgegeben, der seine Sache sehr souverän und vor allem ganz im Sinne des ersten Teils erledigt. Einige Engländer haben den überlebt und dürfen schwer bewacht zurück in die Heimat, doch da ist noch immer einiges im Argen: leer gefegte Straßen in London und wütende Zombies, die um der Ecke auf neue Opfer warten. Dass auch die nicht so schnell loszuwerden sind, ist keine Frage. Wir warten schon mal auf „28 Months Later“ und sehen den Untoten in den kommenden Wochen auch in „Resident Evil: Extinction“ oder „Planet Terror“ weiter zu.

Ein merkwürdiger Freak ist auch der Protagonist in „Hallam Foe“: ein junger Kerl, der Mamas alte Kleider aufträgt, sich Lippenstift ins Gesicht schmiert und durch Baumhäuser und über Dächer hüpft, um anderen beim Sex zuzuschauen. Bald stellt man in diesem netten britischen Film mit dem tollen Soundtrack allerdings fest, dass er eben doch nur ein ganz normaler Teenager mit Problem beim Erwachsenwerden ist. Und zwar nicht nur Schauspieler Jamie Bell, der in unserem Interview einen vergleichsweise unfreakigen Eindruck machte. Sondern eben auch Hallam selbst, der im Laufe des Films seine Psychomacke einigermaßen in den Griff kriegt – auch wenn er dafür erst einmal mit den absolut falschen Frauen schlafen muss.

Wo wir gerade von falschen Frauen sprechen, böte sich eigentlich ein doofer Spruch an: es gibt keine falschen Frauen, nur falsche Filme. Hä? Na gut, macht nicht wirklich Sinn, aber es musste eine Überleitung her zu schlechten Kino-Machwerken, vor denen hier gewarnt sein soll. „Die letzte Legion“ ist so ein Beispiel, ein Sandalenfilm, der gerne so groß und prächtig wäre wie die ohnehin schon etwas langweiligen Vorbilder „Braveheart“ oder „Königreich der Himmel“. Hier sieht das alte Rom allerdings verdächtig nach Pappmaché und Spannplatten aus, die Schwertkämpfe sind miserabel choreografiert und die Dialoge bewegen sich auf dem Niveau einer schlechten Telenovela. Allerlei prominente Briten sowie Bollywood-Diva Aishwarya Rai bemühen sich, dem ganzen ein wenig Würde zu verleihen, aber sogar Ben Kingsley chargiert so fürchterlich, dass die Queen sich überlegen sollte, ihm den Titel des Sir wieder abzuerkennen. Und die Maske des Bösewichts sieht aus, als hätte er sie Sido geklaut.
Sehr unfreiwillig komisch also, aber dabei vermutlich immer noch witziger als „Lizenz zum Heiraten“.

Da spielt Robin Williams einen Pfarrer, der zur Vorbereitung der Hochzeit von Mandy Moore und ihrem Freund die beiden erst einmal auf Herz und Nieren testen möchte. Das Ganze soll ein wenig an „Mein Braut, ihr Vater und ich“ erinnern und tut das auch. Zumindest fällt uns wieder ein, dass sowohl Ben Stiller als auch Robin Williams sich endlich mal etwas mehr Mühe bei der Auswahl ihrer Drehbücher geben sollten.

Kommen wir damit auch zum schaurigsten Kinoerlebnis der Woche – ohne dass noch einmal von Gruselfilmen die Rede ist. Ich will ehrlich sein: ich habe „Kein Bund fürs Leben“ gar nicht gesehen. Zum einen, weil der Film der Presse gar nicht erst gezeigt wurde (kein gutes Zeichen!) und zum anderen vor allem, weil es selten einen Film gab, dem man schon von so weitem ansah, dass man ihn nicht sehen will. Hier ein paar gute Gründe: es handelt sich um eine Bundeswehr-Klamotte, was so ziemlich das peinlichste Filmgenre aller Zeiten sein dürfte; verantwortlich ist der Macher von „Harte Jungs“, was wirklich keine erfreuliche Referenz ist; und schließlich spielt eine der Hauptrollen ein gewisser Axel Stein – und wer den mal auf der Leinwand (oder auch nur im Fernsehen) erlebt hat, weiß, dass das etwas ist, was man nicht noch einmal braucht. Bleibt nur die Frage, was Florian Lukas und Jan Henrik Stahlberg mit diesem Elend zu tun haben. Aber herausfinden möchte ich es trotzdem nicht.

Für waghalsige Experimente gibt es im Kino diese Woche nämlich noch genug andere Gelegenheiten, die einiges mehr an Niveau versprechen. Da ist zum Beispiel das knallbunte Geisha-Drama „Sakuran“ aus Japan, inszeniert von der Fotografin Mika Ninagawa.

Oder das deutsche Drama „Karger“, ein fast dokumentarischer Blick auf Arbeitslosigkeit und Tristesse in Ostdeutschland. Besonders ans Herz gelegt sein soll allerdings vor allem „Thomas Harlan – Wandersplitter“. In der Dokumentation erzählt Herr Harlan von seinem Leben als Sohn des berüchtigten Nazi-Regisseurs Veit Harlan und seiner Kindheit in Hitlers Wohnzimmer. Dabei entpuppt er sich weder als Freak noch als Zombie, aber trotzdem als absolut faszinierende Persönlichkeit – und idealer Kinoheld.

Text: Patrick Heidmann