Männerverschlingend, genderbesessen, oralfixiert und dem analen Textfluss nicht abgeneigt. Ja, ein bisschen Schiss hatte ich vor Peaches – “I don’t give a shit about my reputation” (Peaches über Peaches) – schon. Doch dann kam alles ganz anders; erschlungen hat sie mich nicht, dafür aber lag ich ihr zu Füßen.

Geladen hatte die gebürtige Kanadierin und eingefleischte Wahlberlinerin Merril Beth Nisker zum Interview in den Berliner Münzsalon. Im Stress sei sie, verrät Peaches: zu viele Termine, anstehende Konzerte und ach ja, die Platte samt Antworten zu den gestellten Fragen muss der neugierigen Journaille ja auch serviert werden. Mit gelungenem Griff schenkt sie sich erst einmal aus der angebrochenen Schampus-Magnumflasche ein. Ob Peaches fucking naturcool ist oder zu diesem Zeitpunkt schon gehörig vom Schampus genascht hat, lässt sich mir nicht erschließen. Ich tippe auf ersteres, Peaches ist einfach eine verdammt coole Sau.

Den Ruf als solche hat sich Peaches nun ja auch schon über die beiden Alben “The Peaches Of Teaches” (2000) und “Fatherfucker” (2003) erarbeiten können – wenn auch mit ein bisschen Hilfe des angewandten Namedropping. Denn von Madonna bis Britney war man sich einig, dass Peaches’ pure Weisheiten – Fuck the pain away – und ihre treibenden Ansagen – Shake yer dix – herzlich gut auf die musikalische Grundcoolnees irgendwo zwischen Elektro und Rock, Hi-Fi-Geprotze und Lo-Fi-Gerotze passen. Das Interesse an Peaches’ nunmehr drittem Album, “Impeach My Bush”, ist dementsprechend groß, auch wenn man angesichts des Titels erst einmal stutzt. Ist Peaches nun im politisch-überaktiven Lager? Warum will sie 2006 noch mit Anti-Bush ankommen? Ich weiß nicht so Recht!

Bevor ich loslegen und Peaches dazu befragen kann, sprudelt es aus ihr aber auch schon selbst heraus. “Weißt du, alle kommen und fragen mich danach. Natürlich habe ich kein Fuck-Bush-Album aufgenommen. So einfach mache ich es dann doch nicht. Ich habe eigentlich nie versucht, sonderlich die politische Botschaft in meinen Songs unterzubringen, da ich das, was ich tue, ohnehin als politisch verstehe. Ich dachte außerdem, ich müsse nicht explizit darauf hinweisen, dass der Typ (=George Bush) ein Vollidiot ist. Das weiß man. In meinem Song “Fuck Or Kill” fordere ich am Ende mit der Textzeile “Impeach Bush”, dass Bush des Amtes enthoben wird, aber das ist dann auch die einzige explizit politische Ansage.”

Puh, durchatmen. Peaches bleibt sich auf “Impeach My Bush” weitestgehend ihrem Stil treu. Wortspielereien (“Make a woman a man and a man can can”; in “Hit It Hard”), popkulturelle Verweisen (“Pat My Benatar”; in “Stick It”), sexuelle Offenherzigkeit (“Slippery Dick”) in ihren Texten treffen auf illustre Gastmusiker wie Joan Jett oder Josh Homme. Mit dem Queens Of The Stone Age-Mann hat sie denn auch verdammt gerne gejammt. Nicht, weil sie von ihm etwa noch hätte lernen können, wie dreckiger Rock so funktioniert, sondern weil sie ihm ihre komponierten Riffs zeigte, die er dann, ganz Lehrjunge, nachspielte. Peaches also die gepimpte Version einer Klavierlehrerin? Nein, vielmehr macht die Frau Ernst (wenn auch auf höchst unterhaltsame Art und Weise) mit dem, was sie so propagiert. “Im Rock-Business – wie überall – gibt es immer noch diese alten Machtvorstellungen. […] Nun, worum es mir immer ging – und das ist auch auf dem neuen Album so – ist auf Machtstrukturen in der Sexualität hinzuweisen. Dieser ganze Macho-Scheiß, schau dir HipHop-Videos oder Rock-Posen an, da ist das ja immer noch angesagt und findet pausenlos statt. Ich nehme mir die Freiheit zu sagen, so wie da Frauen ausgebeutet werden, so will ich auch heterosexuelle Männer ausbeuten”, erklärt Peaches. Ich will gerade nachfragen, ob sie also auch Josh Homme ausgebeutet hat, da gießt sich Peaches wieder Schampus nach und lässt dabei den Plastikverschluss des Mikrofons auf den Boden fallen, der prompt unter eine Couch kullert. Da steht sie nun, die beschwippst wirkende Peaches, und da knie ich nun, der überarbeitete Redakteur. Im Hintergrund das leise Gemurmel des schlecht gelaunten Personals, das endlich nach Hause möchte. Wie was das noch mal mit der Ausbeutung heterosexueller Männer?