Der Backstagebereich im Magnet Club ist geräumig, Lebkuchen und Bier sind sattsam vorhanden – gute Voraussetzungen für ein nettes Gespräch mit Krayg Burton, seines Zeichens Sänger bei Film School. Genau, just der Combo, der man in England dieser Tage das lang ersehnte Shoegazing-Revival überantworten möchte. Dabei hätte man niemanden auswählen können, der damit weniger einverstanden wäre als Burton.

“Wir wollen auf keinen Fall als die Speerspitze einer neuen Shoegazing-Welle gelten! Ein wichtiger Grund, aus dem wir uns entschlossen haben, genau die Musik zu machen, die man nun von Film School hören kann, war eben, dass wir gerade nicht das gleiche machen wollten wie andere – wir wollten gerade nicht Teil irgendeiner Bewegung sein!”

Nichtsdestotrotz schreibt Burton seine musikalische Sozialisation gern dem UK-Indie der frühen Neunziger zu und damit solchen Platten wie dem My Bloody Valentine-Debüt ‘Isn’t Anything’ oder ‘Polyfusia’ von Seefeel. Mit dem derzeit noch aktuellen Indie-Sound der Stunde kann Burton indes nicht sonderlich viel anfangen.

“Natürlich ist es eine gute Sache, dass junge Bands derzeit eher die Möglichkeit bekommen, ihre Musik zu veröffentlichen, als dies vor einigen Jahren noch der Fall war. Und das sind sicher alles prima Typen, aber die meisten dieser Bands, ich nenne sie gern ‘Fashion Rock Bands’, scheinen mir dennoch einfach nur für den Verkauf abgepackt worden zu sein. Deswegen bin ich auch froh, dass wir bei einem Label sind, das uns nicht vorschreibt, neun von zwölf Songs als Hits für 14-jährige Mädchen zu schreiben.”

Was freilich nicht heißen soll, dass man auf den Erfolg pfeift. Eine gewisse freudige Anspannung angesichts der ersten Europatournee ist deutlich spürbar, und Material für den Nachfolger des selbstbetitelten aktuellen Albums sammelt sich fast wie von selbst.

“Ich denke, wir werden auf der nächsten Platte aggressiver klingen, gerade auch die Texte. Da hat sich in letzter Zeit eine Menge Negatives in Zusammenhang mit der Musikindustrie bei mir angestaut, das rausgelassen werden will.”

Der Blick nach vorn könnte im Fall von Film School also durchaus spannender sein als der permanente Blick zurück.

Text: Friedrich Reip