In deutschen Landen sind 36 Crazyfists längst keine Unbekannten mehr, betourten sie doch mit der 2002er Roadrunner Roadrage Tour ganz Europa und kickten mit ihren Labelkollegen Killswitch Engage und Five Pointe O gewaltig den Staub aus so manchen Venues…

Wohnen die Mannen um Sänger Brock Lindow mittlerweile auch in Portland, Oregon, so ist der Albumtitel doch eine Hommage an ihre Heimat Alaska, welche für Lindow trotz des Umzugs keineswegs an Faszination verloren hat: “The whole record is also about the love we have for Alaska,” so der Frontmann. “We want to always remember where we are from. It’s good to be in love with your surroundings.”

Dieses unerwartete Zuneigungsbekenntnis verwundert weniger, wenn man die sonstigen Texte des Albums betrachtet, denn deren inhaltliches Spektrum widmet sich wesentlich positiveren Gedanken, als es noch auf dem jugendlich-wütenden Vorgänger „Bitterness The Star“ der Fall war. “The last record had more depressing subject matter. It was about dwelling on bad relationships and negative things. As we toured and played these songs all the time, we realized that we needed to write more positive material. There will always be things that depress everyone, but “A Snow Capped Romance” is about getting past that stuff and focusing on the good things that have happened in your life,” erklärt Lindow diese Wandlung.
Auch stellte sich die Problematik, die jedem Musiker auf seinem zweiten Album entgegenspringt: die Gefahr sich selbst zu kopieren, sich zu wiederholen. 36 Crazyfists sind glücklicherweise nicht in dieses Loch gefallen, da die bandinterne Zielsetzung doch zu deutlich war: “I didn’t want to write about the same things again, because my life is so different from when I wrote the “Bitterness…“ record”, so Lindow.

So habe zum Beispiel der Song “Cure Eclipse”, der als einer der ersten eingespielt wurde, das Album massgeblich geprägt: “It helped me get past situations I was in prior to writing the record. There is even a lyric that says, ‘This year cure me’ and that’s an overall theme. It is much harder to find alternate ways to express yourself, lyrically. Looking back on the last record, the cursing just didn’t sound right to me. I tried to avoid it this time.”
Der erste Track aus dem neuen Album, welcher das Licht der Welt erblicken sollte, war denn aber doch nicht “Cure Eclipse”, sondern “At The End Of August”, welches auf dem “MTV 2 Headbangers Ball Soundtrack“ zu finden ist. “It’s one of my favorite songs – it’s about friendship. It’s very aggressive, and it’s a great rock jam,” so Brock.

Nicht nur die Musik auf dem aktuellen Album „A Snow Capped Romance“ zeugt von einem wesentlich reiferen und fokussierteren Kompositionsstil, auch Brock´s Stimme wandelt nur noch an bewusst akzentuierten Stellen in die altbekannten Höhen, so dass seine Scream-Parts sich punktueller von der neugefundenen Stimmlage im angenehmen unteren Bereich abheben. Begann der Siegeszug der 36 Crazyfists mit ihrem Debüt noch als eine der ernstzunehmendsten Talente der Screamo/Post-Hardcore-Bewegung, so dürfte das neue Werk unzweifelhaft ihren Status als Könner ihres Genres festigen.

Das richtige Team zum Mischen des perfekt abgerundeten Cocktails durfte dabei aber natürlich auch nicht fehlen, und so fand sich James Wisner (u.a. Dashboard Confessional, Further Seems Forever) an den Tonstudio-Reglern ein, um “A Snow Capped Romance” zu produzieren. „We chose James Wisner specifically to achieve some natural sounds he is good with harmonies and worked really well with Brock,” so Gitarrist Steve Holt.
Den ordentlichen Schuß Wodka setzte daraufhin Misch-Master Andy Sneap (u.a. Killswitch Engage, Arch Enemy) hinzu, der als Veteran des Heavy Music Biz wie kein anderer die Kunst des wuchtigen Sounds beherrscht.

Drum auf, einen Barhocker geschnappt und mit Genüßlichkeit diesen schmackhaften Cocktail reingezogen. Und das letzte Standbild, bevor euer Gesicht von einem glückseligen Lächeln überzogen sein wird, dürfte die auf dem Boden (und somit auf Augenhöhe mit euch) liegende Olive sein. Bon Appetit…