Das war aber auch ein wenig kompliziert im Rocker-Aquarium mit all diesen Guapo-Bands, die sich da tummelten. Wer soll denn da noch den Überblick bewahren? Fragten sich auch die Mitglieder von El Guapo, Sektion Washington D.C., und warfen den alten Bandnamen über Bord. Und räumten auch sonst auf: Da gibt’s ein neues Label, ein neues Bandmitglied und einen neuen Sound.

Eine unvollständige Zählung: Da hätten wir Guapo aus England, die ihre Platten auf ‘Ipecac’ veröffentlichen, das El Guapo Stunt Team aus Belgien und dann noch eine Band aus Chicago, die ebenfalls El Guapo heißen. “Das war ein bisschen verwirrend, zumal wir jetzt auf einem Label aus Chicago sind, was zusätzlich für Verwechslungen gesorgt hätte”, erzählt Sänger Rafael Cohen. Ab sofort wollen die Jungs also Supersystem gerufen werden, was im Übrigen der Titel eines der alten Alben der Band ist. Auf ‘Dischord’ ist die Platte erschienen, das neue Label aus Chicago heißt ‘Touch And Go’. “Wir wollten einfach was Neues ausprobieren, ein besserer Vertrieb und mehr Promotion, was ‘Dischord’ einfach nicht tun”, begründet Rafael den Wechsel.

Bei all den Veränderungen bleiben stilistische Wechsel nicht aus – zumal die Band durch den neuen Schlagzeuger Josh Blair zum Quartett angewachsen ist. Lange vorbei sind die Tage, wo die Band schwer verkopften Freejazz machte, aber auch die elektronische Experimentierphase scheint Vergangenheit. “Wobei ich unsere seltsamen Sachen durchaus noch mag und nicht ausschließen will, dass wir irgendwann wieder in diese Richtung gehen”, betont Rafael. Zurzeit allerdings ist die Musik sehr homogen, fast schon harmonisch – tanzbare Elektronik trifft da auf Indie-Rock und orientalische Klänge. Fast wäre man versucht, Elektro-Punk zu schreiben, würde dieser Begriff nicht so irreführend sein. Mit falsch verstandener Achtziger-Jahre-Nostalgie oder einem Kniefall vor Indie-Heroen wie Gang Of Four, New Order oder The Cure hat das gar nichts zu tun. Die Coverversionen können mal schön andere besorgen. Supersystem sind hier und jetzt, aufregend und neu – und dementsprechend gut.

Text: Dietmar Stork

Wer Supersystem live erleben möchte, hat am 18.6. die Gelegenheit, wenn sie neben Husky Stash die Bühne des Motor-Clubs entern werden.

Wir sehen uns da.