Der Herr Felsenheimer, der Graf oder einfach nur Bela B. – das ist zum einen einer der charismatischsten Rockstars, die dieses Land hervorgebracht hat. Als Schlagzeuger, Sänger und Songschreiber ist er seit rund zwei Jahrzehnten für den Erfolg seiner Band die ärzte mitverantwortlich. Hits wie „Die klügsten Männer der Welt“ und „Manchmal haben Frauen …“ entstammen seiner Feder. Seit ein paar Jahren forciert er aber auch seine Interessen auf anderen Gebieten, arbeitet erfolgreich als Schauspieler und Hörbuchsprecher, publiziert mit seinem Verlag Extrem Erfolgreich Enterprises (EEE) reihenweise Perlen des Horrorcomic-Genres.

Bela B. wurde als Dirk Felsenheimer am 14. Dezember 1962 in Berlin-Spandau geboren und lebt heute in Hamburg. 1979 gründete er seine erste Band „Soilent Grün“, benannt nach dem Sci-Fi-Epos „Soylent Green“ (dt. Titel „Jahr 2022 … die überleben wollen“) von Oscar-Preisträger Richard Fleischer. Bis zu ihrer Auflösung 1982 erspielten sich „Soilent Grün“, zu denen später auch Belas ärzte-Kompagnon Farin Urlaub gehörte, in der Berliner Punk-Szene einen legendären Ruf und veröffentlichten eine E.P. Kurze Zeit später begann der unaufhaltsame und bis heute andauernde Aufstieg von die ärzte, nur unterbrochen von einer kleinen Auflösung zwischen 1988 und 1993, die Bela für diverse Projekte und seine kurzzeitige Band Depp Jones nutzte.
Darüber hinaus ist Bela aber auch gelegentlich als Gast-Sänger und -Songschreiber aktiv, hat bisher z. B. mit der Berliner Sängerin Lula das wunderschöne „Leave“ zum „Kaliber Deluxe“-Soundtrack aufgenommen oder an der Seite von Fettes Brot mit „Tanzverbot (Schill To Hell)“ auf die Wahl jenes rechtskonservativen Hamburger Senators reagiert.

Belas Schauspielkarriere begann indes auch schon in den 1980er Jahren, als er in mehreren Filmen von Splatter-Kultregisseur Jörg Buttgereit (u. a. „Manne – the muvie“, „Captain Berlin“ und „Der Todesking“) mitwirkte. In den 1990er Jahren entschloss sich Bela, jener Schauspiel-Passion auch ein professionelles Fundament zu geben, absolvierte den Hollywood Acting Workshop in Los Angeles und wurde von der renommierten Schauspiellehrerin Mira Amari auf die kommenden Aufgaben vor der Kamera vorbereitet. Inzwischen wir er als Schauspieler von der Agentur Charade vertreten.

1998 gab Bela dann in dem Independent-Streifen „Over the Rainbow“ von Jan Peter quasi sein professionelles Schauspiel-Debüt in der Rolle des Psychopathen „Spin“, dessen darstellerische Umsetzung u. a. der Kulturspiegel später als „sehenswert“ bewertete. Sein Hang zum Psycho- und Horrorgenre manifestierte sich auch noch in späteren Filmarbeiten, wie z. B. in „Garden of Love“ (Regie: Olaf Ittenbach), „Killerbarbies vs. Dracula“ (Regie: Jess Franco) oder „Nikos the Impaler“ (Regie: Andreas Schnaas).
Allerdings konnte Bela auch in anderen Rollen überzeugen. Im unlängst vollendeten Drama „Edelweißpiraten“ von Niko und Kiki von Glasow über den Widerstand von Kindern und Jugendlichen in der NS-Zeit, spielt er die zentrale Rolle des KZ-Flüchtlings Hans Steinbrück, um den sich die jungen Edelweißpiraten scharen. Für Mika Kaurismäkis aktuelles Roadmovie „Honey Baby“ drehte Bela an der Seite von Helmut Berger und Henry George. Zurzeit steht er im niederländischen Friesland für „Sportsman Of The Century“, den neuen Film von Regie-Shootingstar Mischa Alexander, vor der Kamera.

Dass der Herr Felsenheimer aber nicht nur auf Zelluloid Geschichten mit Leben füllen kann, beweist seine Tätigkeit im Hörbuch- und Hörspiel-Metier. Der deutschen Adaption von William Goldmans Klassiker „Die Brautprinzessin“ hat er an der Seite von Jochen Malmsheimer seine Stimme geliehen. Beim Hörspiel „Die Nixe – The Mermaid“ von Christa Fast gibt er quasi das Pendant von Peter Gabriel, der in der englischen Fassung den männlichen Part gelesen hat. Einen wahren sprachlichen Schlagabtausch liefern sich Bela B. und Thomas D von den Fantastischen Vier in „Faust vs. Mephisto“, einer zeitgenössischen Hörspiel-Verarbeitung des Goethe-Stoffes.

Last but not least betreibt Bela zusammen mit Zeichner Schwarwel seit 1996 auch seinen eigenen Comicverlag, die Extrem Erfolgreich Enterprises (EEE). Das in Leipzig ansässige Unternehmen hat sich mit zahlreichen Eigenveröffentlichungen („Schweinevogel“, „Extrem“, „Kreuzfeld & Jacob“), aber auch mit deutschen Ausgaben amerikanischer Klassiker (u. a. „Hellboy“) einen Namen gemacht. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt dabei auf intelligenten und atmosphärisch sehr dichten Grusel- und Horrorstorys, einer wahren Passion von Bela. Neben Schwarwel veröffentlichen hier auch Künstler wie Simon Bisley, Kelley Jones, Pat Mills, David Quinn und Christian von Aster, die allemal zur Crème des Genres zu zählen sind.

In Christian von Asters „Liber Vampirorum“-Anthologie konnte Bela zudem mehrfach beweisen, dass er auch ein Herr des geschriebenen Wortes ist. Seine Kurzgeschichte „Jahrestag“, in der die beiden Protagonisten nach einem Vampierbiss auf sehr unterschiedliche Weise mit dem gar wenig romatischen Dasein eines Untoten hadern, gehört beispielsweise zu einem Highlight des zweiten Bandes dieser Reihe.

Mehr Informationen zum Verlag: www.big-f-manor.de