Ein wenig verspätet gibt es auch in dieser Woche wieder das Neuste aus der Welt der heimischen Kinos. Unpünktlich deshalb, weil Umzugsstress gerade die Gedanken weg von der Leinwand und hin zu viel zu vielen (und zu schweren) Kartons gezogen hat – und weil man natürlich nicht von jedem Telekommunikationskonzern erwarten kann, Internet- und andere Anschlüsse termingerecht umzuschalten.

Aber Pünktlichkeit ist dieser Tage ohnehin ein gering geschätztes Gut, auch und gerade im Kino. Und damit meine ich nicht die Sitznachbarn, die sich die Werbung sparen wollen und dann so spät kommen, dass sie sich 10 Minuten nach Filmbeginn durch die Reihen zwängen und sämtliche Dickärsche zum Aufstehen nötigen. Auch die Filme selbst halten sich nicht mehr an Termine. Früher war immer klar: Donnerstags starten die neuen Filme in den deutschen Kinos. Doch immer mehr Marketingstrategen brechen mit dieser Regel und setzen auf eine Extrawurst.

„Transformers“ ist gerade beispielsweise schon am Mittwoch angelaufen, angeblich wegen der großen Nachfrage. Anders als in den USA kann ich mir zwar nicht vorstellen, dass hierzulande jemand das Warten auf noch ein High Tech-Spektakel nicht noch einen Tag länger ausgehalten hätte, aber bitte. Gelohnt hat es sich ohnehin nicht, denn von einigen durchaus überzeugenden Spezialeffekten ist der Film eine ziemliche Gurke. Wie immer hat Regisseur Michael Bay die Action einigermaßen im Griff (auch wenn sich das Finale viel zu lange hinzieht), kommt mit dem Zwischenmenschlichen gar nicht klar. Deswegen gibt’s das Übliche: einen naiven Helden, ein tief dekolletiertes Frauchen in Porno-Outfit und viel Militärpathos vor Sonnenuntergängen. Immerhin spielt der niedliche Shia LaBeouf die Hauptrolle, den man sich dringend merken sollte. Spätestens wenn er im nächsten Jahr den Sohn von Indiana Jones spielt, dürfte seinem Weg zum Superstar nichts mehr im Weg stehen.

Pünktlich am Donnerstag dann der Start von „Von Frau zu Frau“, doch auch in diesem Fall war Eile eigentlich nicht von Nöten. Denn anders als bei den gepimpten Plastikspielzeugen aus den Achtzigern wollte das weibliche Gegenprogramm schon in Amerika niemand sehen. In der biederen Dramödie kreischt und zappelt Diane Keaton als hätte sie vergessen, dass sie eigentlich eine der besten Komödiantinnen der Welt ist, und nervt damit nicht nur Mandy Moore und ihre anderen Töchter, sondern vor allem die Zuschauer. Welches Deckelchen am Ende auf welches Töpfchen passt, ist von Anfang an klar, und zu dieser Überraschungsarmut gesellt sich leider auch völlige Humorfreiheit.

Schwierigkeiten mit dem Humorpegel hat auch „Der Date-Profi“, das bei dieser Komödie aber immerhin in den unteren – also derben – Regionen gelegentlich stark ausschlägt. Jon Heder, seit „Napoleon Dynamite“ Hollywoods liebster neuer Loser-Nerd, spielt ein armes Würstchen, dass einem Lebenshilfe-Guru viel Geld bezahlt, um sich künftig souverän gegen fiese Arschlöcher durchzusetzen. Dieser Lehrer wird von Billy Bob Thornton gespielt und erweist sich nicht nur deswegen natürlich schnell als fiesestes Arschloch von allen. Frauen spielen im Männlichkeitswahn dieser beiden Herren irgendwann natürlich auch eine Rolle, aber längst keine so große, wie der deutsche Titel vermuten lässt.

Sehr viel aussagekräftiger ist der Titel im Falle von „Der rote Elvis“. Als eben solcher wurde Dean Reed nämlich in der DDR gefeiert: der US-Cowboy des Kommunismus, mit Pop- und Filmkarriere und beinahe so viel Charisma wie der King of Rock’n’Roll im Westen. Eine filmreife Biografie, nicht nur wegen des tragischen und nicht völlig geklärten abrupten Endes, die lange Zeit Tom Hanks zu einem Spielfilm verwursten wollte. Dazu ist es bis jetzt zwar noch nicht gekommen, aber umso erhellender und spannender ist die Dokumentation, die ein paar Monate nach ihrer Berlinale-Premiere nun in die Kinos kommt.

Und dann ist da noch „Schwarze Schafe“: eine Berlin-Komödie vom Schweizer Oliver Rihs, nie ganz so anarchisch und provozierend wie sie gerne wäre. Ausgesprochen lustig, albern und deftig ist es trotzdem mit anzusehen, wie Jule Böwe als Tourguide auf der Spree sich mit neureichen Münchnern anlegt, Robert Stadlober und Tom Schilling möglichst billig und bekifft durchs Leben kommen wollen und der Bursche aus „Alle lieben Jimmy“ in Sachen Nacktszenen weiter geht als sich die meisten seiner Schauspielkollegen je trauen würden. Ob der hübsch schwarzweiß gehaltene Film nun allerdings zu früh oder zu spät kommt, lässt sich schwer sagen. In Berlin und ein paar anderen Großstädten ist er jetzt schon zu sehen, anderswo frühestens ab Ende des Monats. Marketinggründe stecken hinter dieser Verzögerungstaktik allerdings nicht. Die Produzenten konnten bloß aus Kostengründen nicht genug Filmkopien herstellen lassen, um die gesamte Republik auf einmal mit ihrem Werk zu beliefern!

Text: Patrick Heidmann