Noch so jung, aber schon so weise. Blondelle aus London schicken sich an, mit ihrem lebhaften ‘Rock’n’Indie-Roll’ die Musikwelt zu erobern. Und hierbei wissen die vier Freunde mittlerweile ziemlich gut, wie man sich auf diesem Parkett fortbewegen sollte, um zahlreiche Fans auf seine Seite zu ziehen, gesundheitliche Gefahren aber effektiv beiseite zu schieben.

Wenn man Rory, Mike, Sam und Will so aus der Nähe betrachtet, ist es schwer, ihr wahres Alter zu erraten. Was sie selbst als 19/20 bezeichnen, sieht für den erstaunten Augenzeugen mindestens fünf Jahre jünger aus. Das Kindchenschema in all seiner Perfektion und im Falle von Sänger Wills rotem Haarschopf auch noch in ungemein britischer Ausführung. Doch “jung sein” ist wohl auch das zentrale Motiv bei Blondelle. So scheint der Titel ihres Debüt-Werkes ‘Started When You Were Young’ auf die eigene frühreife Einstellung zur professionellen Musikerlaufbahn hinzudeuten, die die Freunde bereits in ihren ersten Teenagerjahren an den Tag legten.

Auf die Frage, was Blondelle von all den anderen Bands da draußen unterscheidet, weiß Sänger Will eine klare Antwort zu geben: “Unsere Freundschaft, die uns schon lange vor dem Musiker-Dasein verbunden hat.” Gitarren-Sternchen Rory und Bassist Sam sind Cousins, und auf Wills großen Auftritt mussten die Jungs auch nur läppische acht Lebensjahre warten. “Irgendwann saß er mal auf unserer Gartenmauer. Er muss irgendwie durch den Stacheldraht geklettert sein. Aber mit acht ist man ja noch unerschrocken”, weiß Sam lebhaft lachend zu berichten. “Vier Jahre später haben wir dann per Zeitungsannonce einen Drummer gesucht und von den fünf, die damals aufgetaucht sind, war Mike der einzige, der ganz passabel wirkte. Wir haben dann immer bei mir zu Hause geprobt, bis uns mit 16 klar wurde, dass wir die Sache professioneller angehen möchten.” Den ersten gemeinsamen Gig gab es allerdings schon früher. Ganze zehn Zuschauer versammelten sich vor den 13-jährigen Jungspunden in einer südenglischen Schulturnhalle und lauschten mehr oder weniger interessiert, wie sich die vier Freunde von einem Deftones-Cover zum nächsten retteten.

Heute können sich Blondelle schon über ein breiteres musikalisches Repertoire und weitaus mehr mädchenhafte Begeisterung freuen. Ganz so, wie es sich für angehende Rock-Stars gehört. “In Japan werden wir tatsächlich bereits auf der Straße erkannt. Und mittlerweile haben dort etliche Mädchen ihre eigene Blondelle-Fan-Seite im Netz.” Während Will zwischenzeitlich die aufgeregt hüpfende Gestik der begeisterten Japanerinnen imitiert, übernimmt wie so oft sein Band-Kollege Sam das hart umkämpfte Sprach-Steuer. “Eines Morgens standen sie sogar mit selbst gebackenem Kuchen vor unserem Hotel. Doch den essen wir nicht! Ich bin mit Herbert Grönemeyers Sohn zu Schule gegangen und der hat erzählt, dass sein Vater einen Fan-Kuchen mal vorsichtshalber testen ließ und prompt wurden Spuren von Rattengift entdeckt.”

Man konzentriert sich ohnehin lieber auf sich selbst und seine Musik. Mittlerweile haben die Jungs sogar schon 15 neue Songs in der Rohversion zusammengestellt und alle sind sich einig, diese Sachen sind brillant. “Ich habe sicher 300 gute Bands auf meinem iPod, doch nie schaffe ich es, an ‘B’ vorbeizukommen.” Und natürlich stimmen Sam seine Begleiter hier ohne weiteres zu. Trotzdem, so sagen die vier, ist ihnen ihre Freundschaft um Längen wichtiger, als eine millionenschwere Rock-Star-Karriere mit der Aussicht, irgendwann auch mal bei Kate Moss landen zu können.

Text: Christine Stiller

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