Al Jourgensen ist ein vielbeschäftigter Mann. Gerade erst hat der Industrial-Metal-Pionier ein neues Revolting Cocks-Album auf den Markt geschmissen. Und schon kündigt sich die neue Ministry-Langrille ‘Rio Grande Blood’ an. Seine Arbeitswut hat einen Namen: Georg W. Bush. “Hauptsächlich kommt meine Motivation von der abgefuckten Regierung, die wir derzeit haben.”

Die hartnäckige Hetze gegen Bush ist beim Texaner nichts neues, haben sich die beiden Vorgänger-Alben doch schon mit dem US-Präsidenten auseinander gesetzt. Schlagwortartig kotzt sich Jourgensen aus: “3.000 Tote in Irak, Krieg auch in der Mittelklasse, die Abhängigkeit von Öl, Korruption und Arroganz der Administration.”

Der Sänger ist aber auch persönlich betroffen: “Ein Freund von mir wurde im Irak umgebracht”, berichtet er in bitterer Tonlage. Nach der Wiederwahl von Bush wollte der 46-Jährige eigentlich das Land verlassen, doch dann wurde ihm klar: “Egal, wohin man geht, es sind immer die gleichen Idioten an der Macht und die gleichen gierigen Kooperationen von Multikonzernen. Blood for profit”, stellt er trocken fest.

Auf ‘Rio Grande Blood’ – ein texanischer Slangausdruck für Öl – sind auch wieder Reden seines Lieblingsfeindes eingebaut. “Ich habe Hunderte von Stunden mir die Reden angehört, das war die schönste Arbeit am Album”, meint er ironisch und fügte hinzu: “Ich dachte meine Gehirnzellen fangen an zu schmilzen, je länger ich diesem Idioten zugehört habe. “

Das brachte Jourgensen schließlich dazu, ein knallhartes, kompromissloses Album zu schreiben, das in dreieinhalb Wochen eingespielt war. Ein bestimmtes politisches Klima bringt eben einen bestimmten Typ von Musik hervor. “Brutale Musik für brutale Zeiten”, bringt er es auf den Punkt. Diesen Blick auf das Weltgeschehen hatte der Mann aus El Paso nicht immer. “Als noch die Demokraten an der Macht waren, war ich leider absolut heroinabhängig und es war mir egal, was in der Welt abgeht. Für mich war wichtig, wann endlich mein Dealer vorbeikommt.”

Das ist Vergangenheit. “Ich fühle mich derzeit wie 15, spiele in einer Punk-Band und will alles zerstören”, beschreibt Jourgensen sein Innenleben. Die Mitstreiter auf dem neuen Langeisen sind Tommy Victor (Prong-Gitarrist) und Paul Raven (Killing Joke-Bassist). “Zwischen uns hat es echt geklickt, wir wollten schon lange zusammenarbeiten, doch es hat vorher nie geklappt.” Punk-Ikone Jello Biafra hatte bei ‘Rio Grande Blood’ auch seine kreativen Finger im Spiel. Zu diesem hat Jourgensen eine enge Verbindung und schlägt zum Ende des Gesprächs versöhnliche Töne an: “Jello kenne ich seit über 20 Jahren, wir verbringen jedes Jahr Weihnachten miteinander. Er ist mein bester Freund im Musikbusiness.”

Text: Matthias Bossaller