1986 in Amherst, Massachusetts, gegründet, standen mit ihrem Sound und Songwriting stellvertretend für die Neunziger. Sie spannten einen weiten Bogen von Hardcoreinspiriertem Prä-Grunge zu Americana und Lo-fi-Rock. Mit erstaunlicher Kontinuität gelang es der Band, in unveränderter Besetzung über sechs Alben ihr Gespür für den perfekten Rock- bzw. Pop-Song zu verfeinern und stets Ansätze für eine künstlerische Steigerung zu finden.

Kreativer Kopf der Gruppe ist der Gitarrist und Sänger Bill Janovitz. Er traf sich mit Chris Colbourn und Tom Maginnis an der Massachusetts University, wo sie sich dem Zeitgeist folgend als typische College Band durch die Rock-Geschichte coverten. Ihren Band-Namen hatten sie einer Comic-Figur entlehnt. Zunächst spielten alle drei elektrische Gitarre. Der erste Auftritt fand auf einer Party von J. Mascis, dem Chef von Dinosaur Jr., statt, der für diesen und andere Gigs im Vorprogramm seiner eigenen Band für Buffalo Tom trommelte. Als Janovitz zur Umsetzung erster eigener Songs nach einer festen Besetzung suchte, entschied sich Colbourn für den Baß und Maginnis für das Schlagzeug. Mascis war es auch, der die Band an sein Label SST empfahl.

Ihr erstes Album Sunflower Suit (1989), in Großbritannien nur Buffalo Tom betitelt, wurde von Mascis produziert und wies deutliche stilistische Parallelen zu Dinosaur Jr. auf, was ihnen den Spitznamen “Dinosaur Jr. Jr.” einbrachte. Kein Geringerer als Hüsker-Dü-Drummer Grant Hart verkündete, daß er das Album für das beste der achtziger Jahre halte. Auch der Nachfolger Birdbrain (1990) entstand noch unter der Regie von Mascis, doch er hatte schon wesentlich eigenständigere Züge. Vor stahlhartem Gitarren-Stakkato erzählte Janovitz bizarre und düster-existentialistische Geschichten. Buffalo Tom waren inzwischen nach Boston umgezogen und zu Lieblingskindern der lokalen Szene avanciert.

“Viele Leute dachten, wir hätten unseren Erfolg nur Mascis’ Namen zu verdanken. Vielleicht ist das auch gar nicht falsch. Vor unserem dritten Album waren wir uns einig, daß wir nun genug Erfahrungen gesammelt hätten und es an der Zeit wäre, uns von ihm zu lösen”, kommentierte Chris Cobourn die Zäsur in der Band-Biographie. Let Me Come Over (1992) stand ganz im Zeichen der Emanzipation von ihrem Mentor. Obgleich sie auch leisere Töne anschlugen, positionierten sich Janovitz und Co. in der Nähe des Grunge und festigten ihren Ruf als exzellente Songschreiber. Nicht wenige Kritiker stellten sie auf eine Stufe mit Nirvana. Die ungeheuer produktive Band konnte aus einem reichen Fundus schöpfen, da das Repertoire jedes Albums nur die Quintessenz von etwa fünfzig neuen Songs war. [Big Red Letter Day] (1993) schlug in dieselbe Kerbe wie das Vorgänger-Album, ließ aber auch schon das Pop-Potential der Gruppe ahnen.

Nach ausgedehnten Tourneen gönnte sich die Band eine zweijährige Auszeit. Janowitz nahm in Tucson, Arizona, mit den Mitgliedern von Giant Sand das vielgelobte Solo-Album Lonesome Billy auf. Der Lo-fi- und Folk-Charakter dieser Produktion sollte später auch die Arbeit von Buffalo Tom beeinflussen. Chris Colbourn widmete sich unterdessen der Musik für Theater-Produktionen wie John Steinbecks “Of Mice and Men” oder Ken Keseys “One Flew Over the Cuckoo’s Nest”. Erst 1995 kehrten sie mit Sleepy Eyed, “ihrem bis dahin besten Album” (“Rough Guide”), zurück zu einer ausgewogenen Mixtur von treffsicherem Rock und einfühlsamem Pop.

In einer zum Studio umgebauten katholischen Kirche aufgenommen, klang das Album wie ein Befreiungsschlag aus der muffigen amerikanischen Provinz-Atmosphäre, offen bezog die Band Stellung gegen Katholizismus und Puritanismus. Drei weitere Jahre vergingen – die Band heuerte den ehemaligen Belly-Keyboarder Tom Gorman an, der nach kurzer Zeit von Phil Aiken ersetzt wurde -, bis das Album Smitten (1998) folgte. Außer dem Keyboarder wurde auch eine Streicher-Sektion hinzugezogen, die den BT-Sound weicher, einfühlsamer, zugleich aber reduzierter und ausladender machte. Auf dem Gipfel des Erfolges unterschrieben Buffalo Tom einen Vertrag bei PolyGram und standen angesichts der Fusion des Majors mit Universal wie viele andere Bands plötzlich ohne Label da. Die drei Freunde beteiligten sich noch an einer Jam-Tribute-Compilation und beschlossen, für eine Weile getrennte Wege zu gehen. Im Herbst 2000 erschien ein Sampler mit Singles und Raritäten, der die Band im Gespräch hielt.

Buffalo Tom sind:
Bill Janovitz
Chris Colbourn
Tom Maginnis