Würde beim Gesellschaftsspiel Tabu, der Begriff Children Of Bodom erklärt werden müssen, welche Wörter dürften wohl nicht fallen? See, Mordfall, Gitarre, Keyboard, Wildchild wären ein erster Vorschlag. Doch selbst ohne diese Begriffe, würden Metal-Fans auf der ganzen Welt, die finnischen Flitzefinger in Sekundenschnelle beschreiben können. Mit insgesamt sechs Alben haben sie ihren ureigenen Sound geschaffen – pfeilschnell, giftig und irgendwie anders. Die Gitarren vs. Keyboard-Duelle sind bereits jetzt schon legendär. Doch wie fing denn nun alles an?

Noch unter dem Namen Inearthed spielen 1994 der damals 14jährige Alexi Laiho (Gesang, Gitarre) und sein gleichaltriger Kumpel Jaska Raatikainen (Schlagzeug) die ersten Demos ein. Nach heutigen Kriterien würde man den Sound als melodischen Death Metal kategorisieren. Mit den Jahren komplettiert sich die Band mit Alexander Kuoppala (Gitarre), Jani Pirisjoki (Keyboard) und Henkka Seppäiä (Bass). Was fehlt? Genau! Den ersten Plattendeal kann die junge Band 1997 einstreichen. Mit Hilfe eines Freundes schafft man es, Spinefarm Records von sich zu begeistern. Auf Grund eines rechtlichen Problems, sieht man sich jedoch gezwungen, einen Namenswechsel zu vollziehen. Children Of Bodom waren geboren.

Zurück geht dieser Name auf einen für Aufsehen sorgenden Mord aus dem Jahre 1960. Am 20km von Helsinki entfernten See Bodominjärvi zelten vier Jugendliche, bevor sie von einem unbekannten Täter überfallen werden. Drei der Opfer kommen dabei ums Leben. Das vierte Opfer überlebt, wird aber 2004 unter Tatverdacht gestellt. Jedoch kann er das Gericht von seiner Unschuld überzeugen und wird im Jahr 2005 frei gesprochen. Auf Grund der ungeklärten Umstände der Morde, entwickelten sich früh Schauermärchen und Legenden rund um den See.

Doch zurück zur Musik. Keyboarder Jani Pirisjoki wird noch schnell durch Janne Wirman ersetzt, bevor 1997 mit „Something Wild“ das Debütalbum erscheint, das es sofort auf Platz 20 der heimischen Charts schafft. Nuclear Blast lassen sich das nicht zweimal sagen und können die Jungs für den Rest Europas unter Vertrag nehmen. Das Konzept kommt an und so geht es nicht viel später zurück ins Studio um die Single „Children Of Bodom“ einzuspielen. Diese bläst den Finnen mächtig Wind um die Ohren und kann sich für acht Wochen auf der Spitzenposition der Charts behaupten. Doch es sollen noch viele Nummer 1 Hits folgen. Nuclear Blast schickt die Jungs sofort um die Häuser, stellt ihnen Bands alla Kovenant und Hypocrisy an die Seite, um erste Tour-Erfahrungen sammeln zu können.

Während der Tourneen finden die Jungs dennoch die Ruhe und nötige Energie um die Songs für die zweite Scheibe zu schreiben. „Hatebreeder“ wird 1999 veröffentlicht – erreicht Platz 6 der finnischen Albumcharts und mit Rang 76 in Deutschland den ersten ausländischen Charterfolg. Die Single „Downfall“ erklimmt erneut Platz 1 in Finnland und stellt seitdem bei jedem Konzert den obligatorischen Rausschmeißer. Vor allem die Japaner sind völlig von den Socken und so wird die erste Japantour unternommen, bei der die erste Live-Scheibe „Tokyo Warhearts“ aufgenommen wird. Doch auch Europa und erstmals die USA werden zum Ziel der finnischen Chartstürmer.

Zurück in Finnland stürzen sich Children Of Bodom direkt wieder in die Arbeiten zum dritten Werk. „Follow The Reaper“ taucht im Oktober 2000 aus den Untiefen des Bodominjärvi und bringt einige Neuerungen zum Vorschein. Fans und Kritiker bekommen eine deutlichere Hinwendung zu klareren Melodien und einen verstärkten Einsatz des Keyboards um die Ohren geschossen. Das gefällt weiß Gott nicht allen, sodass es teils heftige Schelte von der Presse gibt, die sogar die Bezeichnung Power Metal in den Mund nimmt. Die Fans stört es weniger und machen „Follow The Reaper“ zum bis dato erfolgreichsten Album. Die eingängigen und ultraschnellen Gitarren-Keyboard-Duelle werden von nun an zu ihrem Markenzeichen. Erneut gehen die Bodom-Kinder auf ausgedehnte Tour, zusammen mit den Kollegen von In Flames und Primal Fear werden die Bühnen in Schutt und Asche gespielt.

Nachdem diverse Beziehungsprobleme gelöst wurden, stehen im Jahr 2002 die Aufnahmen zur nächsten Scheibe an. Im März 2003 findet man „Hate Crew Deathroll“ in den Läden. Aber nicht allzu lange, denn die Fans stürmen die Shops und verhelfen den Jungs auf Platz 1 der finnischen Albumcharts. Die Tour folgt, zuvor jedoch steigt Alexander Kuoppala aus, wird aber schnell durch Roope Latvala ersetzt, mit dem es auch gleich um den Globus geht. Neben umjubelten Auftritten in Japan und den USA, bevölkern sie auch das 2004er Wacken Open Air, bei dem sie einen neuen Rekord in punkto Crowdsurfen aufstellen. Ca. 80 Surfer pro Minute werden gezählt, am Ende kommen die Organisatoren auf einen Wert von 5.000 Fans, die sich zu den Klängen der Finnen über die Crowd haben tragen lassen.

Kurz nach den Sommerfestivals erscheint die EP „ Trashed, Lost And Stungout”, die neben zwei neuen Song, auch Coverversionen von Alice Cooper und Andrew W.K. enthält. Müßig zu erwähnen, dass das Werk das oberste Treppchen der finnischen Charts erklimmt. Weitere Tourneen folgen, welche die Band auch nach Brasilien führt und ihren weltweiten Siegeszug fortsetzt. 2005 folgt die Rückkehr ins Studio. Während der Sessions wird auch das Britney Spears Cover „Oops I Did It Again“ aufgenommen, welches jedoch nur auf der Single „In Your Face“ sowie der Japan-Edition des im September erscheinenden fünften Albums „Are You Dead Yet?“ zu hören ist. Neben dem zu erwartenden ersten Platz in Finnland, kann auf einen 16. Platz in Deutschland angestoßen werden. Weltweite Tourneen, die ihnen die Möglichkeit geben, sich mit Größen wie Slayer die Bühnen zu teilen, schließen sich an. 2006 wird mit „Chaos Ridden Years – Stockholm Knockout Live“ die erste Live-DVD produziert.

Nachdem es für einige Jahre nur auf den Bühnen hoch her geht, folgt im April 2008 das sechste Album mit dem Namen „Blooddrunk“, welches wieder etwas Back To The Roots geht und vermehrte Thrash-Metal-Elemente aufweist.

Children Of Bodom sind:
Alexi „Wildchild“ Laiho – Gesang, Gitarre
Jaska Raatikainen – Schlagzeug
Henkka Seppälä – Bass
Janne Wirman – Keyboard
Roope Latvala – Gitarre

Enrico Ahlig