Am 24. November 2006 veröffentlicht Damien Rice sein langerwartetes zweites Album „9”. Der irische Songwriter leistete sich den Luxus und ließ sich alle Zeit der Welt. So arbeitete er vier Jahre am Nachfolger seines umjubelten Debütalbums „O“. Das Feintuning an „9“ fand dann während der letzten sechs Monate in einer besonders intensiven und produktiven Phase statt .

„Ursprünglich hatte ich die Absicht, dass dieses Album „heavier“ klingen sollte als das letzte“, verrät der Dubliner Musiker. „Wir wollten wuchtige Tracks aufnehmen, aber dann haben wir „Grey Room“ eingespielt und fanden das beim Anhören alle richtig gut. Als wir später „9 Crimes“ aufnahmen, gefiel uns das Stück sofort. Beim Einspielen der Tracks im Studio war ich von einigen Songs sofort begeistert und ich wusste, dass sie besser als alle andere waren.

Die Aufnahmen waren einfach so stark, und ich wollte sie immer und immer wieder hören. Ich finde manchmal, wenn Sachen zu sehr geplant sind, funktionieren sie nicht.“ Damien Rice hat die Ruhe weg und lebt entspannt im Hier und Jetzt: „Ich lasse vieles einfach auf mich zukommen und wirken. Dieses Album besteht scheinbar aus vielen Zufällen. Aber ich glaube, dabei entstanden eine Reihe von Songs, die sich hören lassen können.“

Rice, der für sein letztes Album „O“ in Irland dreifach Platin kassierte, hat sich wieder mal selbst übertroffen: Seine neuen Songs klingen ungekünstelt, voll ungezähmter Emotionen und Leidenschaft, kraftvoll und doch sanft, sparsam arrangiert und doch opulent zugleich.

„Wir waren nicht wirklich eine Band, als wir „O“ aufnahmen, obwohl jeder bei den Aufnahmen von Anfang an involviert war“, erinnert sich Rice an die Zeit im Studio. „Seit unserer gemeinsamen Tour weiß jeder intuitiv, was wir alle mögen und was zu den Songs am besten passt. Mit ,9’ haben wir eigentlich gar nicht soviel Zeit am Stück im Studio verbracht, denn wir haben die Arbeit ja über einen längeren Zeitraum ausgedehnt. Vieles ergab sich auch per Zufall. Ich bin einer, der immer seinem Instinkt folgt, und so komme ich schließlich dahin, wo ich letzten Endes hin will.“

Derzeit bastelt der introvertierte Superstar schon eifrig am nächsten Album: „Im Moment habe ich wirklich viel Schwung und Energie und habe deshalb sofort mit der nächsten Platte angefangen. Ich bin ganz heiß drauf, weiterzumachen. Deshalb habe ich alle Gedanken an eine Tour oder Interviews fallengelassen.“

Der sympathische irische Dickkopf weiß ganz genau, was er will und macht keine Kompromisse. „Ich habe keinen Bock, irgendwelche Statements abzugeben. Ich habe auch keine Lust jemand anderes zu sein, als der, der ich bin, oder andere Musik zu machen als die, die ich mache. Und ich habe überhaupt keine Lust irgendeinem einem Stil, einem Trend oder anderen Dingen hinterherzulaufen“, stellt Rice klar. „Ich glaube, ich musste diese Songs machen. Ich bin mir durchaus bewusst, dass sie ziemlich ähnlich klingen, wie die, die wir vorher gemacht haben. Aber, warum nicht. Ich mag sie wirklich. Nur das zählt am Ende vom Tag.“

Für Rice war ziemlich schnell klar, wie das Album heißen sollte: „Wenn man die Aufnahmen beendet hat, gibt’s immer einen Titel, der am stärksten ist und sich richtig anfühlt. Und das passierte auch mit ,9’: in dem Moment, als wie den Song fertig hatten, wussten wir sofort, der ist es! Andere Optionen waren ‘A Hen Will Sit On An Unfertilized Egg’ und ‘You Love Her, You Even Love The Shit You Hate About her’. Doch wir haben uns schließlich gemeinsam für ,9’ entschieden.“
Vier Jahre ließ sich Rice mit dem Album Zeit und stellte damit Fans und seine Band auf eine harte Probe: „Der Auslöser, das die Platte dann doch schließlich fertig wurde, war, dass die Band frustriert war, ständig herumzuhängen und auf mich zu warten. „Es ist ja eine Sache, wenn jemand draußen sagt: ,Oh, wann bringen die endlich eine neue Platte raus?’ Aber eine andere Sache ist es, wenn die eigenen Kumpels abhauen, weil sie nicht mehr daran glauben, dass du es irgendwann mal schaffst, die Platte im Kasten zu haben.

Ich denke, das war der entscheidende Moment, der den Stein ins Rollen brachte: Wenn jemand dir sagt, dass du etwas nicht packst, dann ist das eine große Herausforderung und ein Kick. Und ich wollte allen beweisen, dass ich es kann! Danach habe ich mich richtig ins Zeug gelegt. Es klingt vielleicht kindisch, aber dann ist Songwriting eben eine kindische Sache. Wenn man Songs schreibt, drückt man seine Gefühle aus. Aber häufig sind es kindische Gefühle, obwohl du sie in einer durchaus eloquenten Weise beschrieben hast. Ich glaube, jemand, der sehr ausgeglichen ist und sein Leben voll im Griff hat, hat keine Probleme mit dem Rest der Welt. Aber wenn du dir selbst nicht ganz grün bist und du überall Probleme siehst und mit dir kämpfst, um dein inneres Gleichgewicht zu bekommen, dann bist du nur noch genervt. Du schreibst darüber, weil es dich frustriert und kaputt macht“, sagt der ebenso eigenwillige wie geniale Musiker. „Aber eigentlich glaube ich, dass Songschreiben eine tolle Möglichkeit ist, echte Emotionen in Noten zu packen und Herz und Seele zu öffnen. Dennoch denke ich manchmal, dass es kindisch ist. Aber es ist verdammt aufregend, so fuck it! Wer behauptet, dass erwachsen und weise sein das Gelbe vom Ei ist?“

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