Nächste Woche ist es endlich so weit: das „Popstars“-Finale geht über die Bühne, und natürlich werden wir alle diesem denkwürdigen Fernseherlebnis beiwohnen. Schließlich ist es die letzte Möglichkeit, die kuriose Jury aus einem Pur-Produzenten, der selten anwesenden Nina Hagen und Tanzbär D! zu erleben. Und natürlich wollen wir auch wissen, ob es die Frankfurter Wortakrobatin Senna, die norddeutsche HipHop-Meisterin Leo oder gar die ewig plärrende Mandy in die Band schaffen. Danach allerdings ist auch erstmal gut mit all den Casting-Shows. Nachdem mittlerweile die schönsten Ferienhäuser, die besten Bauersfrauen, die cleversten Hunde und die peinlichsten kochenden Promis gesucht und gefunden wurde, darf in der Glotze erst einmal Ruhe einkehren.

Auch das Kinoangebot lässt sich allerdings als große Casting-Show verstehen, in der alle suchen und manche finden. Um die Wahl zum Super-Behinderten etwa geht es in „Wo ist Fred?“. Eine deutsche Komödie, die platten Klamauk in pseudo-schickem Design bietet und damit wirkt wie eine Erinnerung an die 90er Jahre, als Katja Riemann noch ein Superstar und Hera Lind nicht pleite, sondern eine Bestseller-Autorin war. Kein Wunder, dass Til Schweiger die Hauptrolle spielt, der im Casting allerdings irgendwie durchfliegt, da er nur jemanden spielt, der sich als behindert ausgibt. Auch Jürgen Vogel, dieses Mal vollständig bekleidet, geht leer aus, und so schneidet in dieser Verwechslungsgeschichte, die viel turbulenter tut als sie ist, der immer großartige Christoph Maria Herbst am besten ab.

Die schrecklichste Ex-Freundin ist auch schnell gefunden, denn nicht umsonst heißt ein Film in dieser Woche „Die Super-Ex“. Doch warum trennt sich überhaupt jemand freiwillig von Uma Thurman? Nun, vielleicht weil sie hier zwei Identitäten hat, heimlich als Superheldin die Menschheit rettet und darüber reichlich neurotisch geworden ist. Eine andere Erklärung wäre allerdings, dass Luke Wilson einfach ein viel zu langweiliger Softie ist, um überhaupt was mit einer so coolen Frau anfangen zu können. Doch so oder so: es hat leider seinen Grund, dass der Kinostart der Komödie seit Wochen immer wieder verschoben wird.

Woody Allen, auch ein Mann fürs Humorige, sucht sich – wie eigentlich in allen seinen Filmen – mal wieder selbst. Fündig wird er in „Scoop“ sogar doppelt. Denn erstens spielt Allen dieses Mal selbst wieder eine Rolle (und gibt natürlich einen neurotischen Nerd) und zweitens hat er sich mit Scarlett Johansson auch noch ein Alter ego an die Seite gestellt. Sie imitiert ihren Mentor ganz prächtig, mit Nickelbrille und jeder Menge nervöser Ticks, wenn auch erheblich mehr Dekolletee. Letzteres erweist sich bei der harmlos-amüsanten Jagd auf einen vermeintlichen und sehr begehrenswerten Killer (Hugh Jackman) als durchaus hilfreich.

Das Casting für den besten Soundtrack gewinnt in dieser Woche allerdings „Der letzte Kuss“. Zach Braff, den spätestens seit „Garden State“ jeder liebt, hat ein Händchen für feine Musik, von Snow Patrol, Fiona Apple, Turin Brakes, Athlete, Aimee Mann u.a. Der Film selbst kann dagegen kaum mithalten, denn Braff wiederholt nur, was er immer macht: Spleenige Sprüche klopfen und ziemlich hilflos dem Erwachsenwerden gegenüberstehen. Das war beim letzten Mal sehr authentisch, dieses Mal aber nervt es nur – auch wenn dazu gute Musik läuft.

Tatsächlich gecastet wird übrigens in „Alien Autopsy“, in dem zwei tollpatschige Briten einen angeblich echten Film über die Autopsie eines Außerirdischen nachdrehen und als authentisch verkaufen wollen. Die Hauptdarsteller Ant und Dec kennt übrigens nur, wer sich mit britischen Fernsehmoderatoren auskennt – oder in den 90ern ihr Pop-Duo PJ & Duncan wahrgenommen hat. Als fieser Drogenboss ist außerdem Götz Otto mit von der Partie, und man fragt sich wirklich, wie der Dietzenbacher immer in diesen merkwürdigen internationalen Produktionen landet.

Wo wir aber gerade bei deutschen Filmschaffenden sind: der spannendste Wettstreit dieser Woche ist der um den besten kleinen deutschen Film. Die Kandidaten könnten unterschiedlicher nicht sein: „The House Is Burning“ von Holger Ernst wurde in den USA gedreht, von Wim Wenders produziert und handelt von orientierungslosen Jugendlichen; „Pingpong“ von Matthias Luthardt ist ein beklemmendes Familiendrama, das in Frankreich schon gefeiert wird und mit Sebastian Urzendowsky einen großartigen Hauptdarsteller hat. Mit knappem Vorsprung gewinnt „Pingpong“, was aber für „The House Is Burning“ keine Schande ist, schließlich sind beide Filme spannender als alle anderen Neustarts dieser Woche zusammen. Sie sollten sich nur beeilen, ins Gespräch zu kommen, denn nächste Woche wird wohl von beiden keine Rede mehr sein. Denn dann suchen wir ja alle die neuen Engel – und natürlich den Super-Bond.

Patrick Heidmann