Zwar hat man manchmal das Gefühl, das Kino habe nichts Neues mehr zu bieten und man habe alles schon einmal gesehen, doch hin und wieder gibt es zum Glück auch noch filmische Aha-Erlebnisse. In dieser Woche zumindest sind die neuen Kinostarts tatsächlich für die eine oder andere Überraschung gut.

Wer zum Beispiel bisher noch glaubte, Spike Lee würde nur wütende Anklagen über die Rassendiskriminierung drehen und Jodie Foster hätte nur noch verzweifelte Mütterrollen drauf, sollte sich dringend „Inside Man“ ansehen. Regisseur und Schauspielerin machen in dem unterhaltsamen Banküberfall-Krimi manches anders als früher: Lee kann mit einmal spannendes Genre-Kino drehen und Foster trippelt glamourös auf Extrem-Stilettos durch New York. Nur Denzel Washington macht alles wie immer und spielt man wieder einen Cop.

Auch „Das Leben der Anderen“ ist ganz anderes als wir erwartet hätten, denn eigentlich war die DDR bisher im Kino immer nur heiter, bunt und skurril. Ein junger deutscher Regisseur mit dem faszinierenden Namen Florian Henckel von Donnersmarck verzichtet nun für diesen ebenso packenden wie melodramatischen Stasi-Thriller auf solch possierliche Peinlichkeiten und hat kurzerhand mit konsequenter Ernsthaftigkeit und tollen Schauspielern (Ulrich Mühe, Sebastian Koch, Martina Gedeck) einen der besten deutschen Filme seit langer Zeit gedreht.

Und um noch für einen Moment beim Unerwarteten und Überraschenden zu bleiben: wer hätte gedacht, dass noch mal ein Regisseur Rupert Everett eine heterosexuelle Rolle zutraut? Julian Fellowes hat es getan, Gott sei Dank. Denn in „Geliebte Lügen“ sieht Everett zwar wieder schwer nach Botox aus, spielt aber trotzdem überzeugend und macht das angenehm erwachsene und sehr britische Ehebruch-Krimi-Drama zusammen mit Emily Watson und Tom Wilkinson zu einem echten Geheimtipp.

Gänzlich sprachlos macht sogar „Der Räuber Hotzenplotz“. Nichts gegen deutsche Kinderfilme, mit denen scheint sich ja in letzter Zeit Unmengen von Geld machen zu lassen. Aber wie viel Geld hat wohl Armin Rohde bekommen, um sich für die Titelrolle so dilettantisch zu verkleiden? Wie kann man Rufus Beck mit dem Namen Petrosilius Zwackelmann ansprechen, ohne hysterisch zu kichern? Und warum fühlt sich Barbara Schöneberger zur Schauspielerin berufen, wenn sie dann doch nur die Fee Amaryllis spielt?

Wie beruhigend, dass es auch noch Filme gibt, die genau das bieten, was man erwartet. „The Hills Have Eyes“ ist ein stupid-blutiges Horror-Remake, in dem sich zwei Familien bekriegen, die eine besteht aus mutierten Freaks, die andere aus konservativen Rednecks – und man weiß nicht, wen man mehr anfeuern möchte. „Dreamer – Ein Traum wird wahr“ erzählt von einem kleinen Mädchen (die immer wieder beängstigend unkindliche Dakota Fanning) und einem Pferd, und sollte daher am besten auch nur von kleinen Mädchen – und Pferden – gesehen werden. Und der sehr attraktive und sehr untalentierte Paul Walker („The Fast and the Furious“) macht im vorhersehbaren Familienfilm „Antarctica“ den erwartbaren Fehler und stellt sich neben acht putzige Schlittenhunde auf die Leinwand, die ihn natürlich mit Leichtigkeit an die Wand spielen.

Text: Patrick Heidmann