Keine Ahnung, ob es an dieser Stelle schon einmal erwähnt wurde, aber das Kinojahr 2007 ist bisher eine höchst männliche Angelegenheit. Der Führer, Will Smith und andere schwere Jungs dominieren das Bild, und auch in dieser Woche sind die Filmhelden fast ausschließlich dem maskulinen Geschlecht zuzuordnen.

In „Blood Diamond“ ist da zunächst einmal der frisch für den Oscar nominierte Leonardo DiCaprio, der hinter einem großen Diamanten her ist. Eigentlich spielt Leo einen ganz schön verschlagenen Fiesling, der nur an sich selber denkt, aber im Laufe des Films darf er dann, Gott sei Dank, doch seine gute Seite entdecken und eine Läuterung durchmachen. Assisitiert wird ihm dabei vor allem durch Djimon Hounsou, der den Edelstein gefunden und vor kaltblütigen Rebellen versteckt hat. Wie hier das Verhältnis vom weißen zum schwarzen Mann dargestellt wird, sollte man nicht zu genau durchdenken, aber dafür gibt es auch genug unterhaltsame Action, die von jedem Rassismusverdacht ablenkt.

Ganz andere Sorgen hat in „One Way“ ein anderer Mann, Til Schweiger nämlich. Der hat, als Hauptdarsteller und Produzent, in dieser deutsch-kanadischen (und auf Englisch gedrehten) Koproduktion nicht nur mit dem Problem zu kämpfen, dass seine Stimme einfach nach wie vor tierisch nervt, sondern muss auch das Thema Vergewaltigung als Entertainment verkaufen. Das macht man, wie hier zu sehen ist, scheinbar am besten mit einer Prise Selbstjustiz sowie einer anständigen Menge Justiz-Thrill, und schon ist ein banaler Film fertig, von dem man sich fragt, wer ihn eigentlich sehen will.

 

Auch in „Arthur und die Minimoys“ ist der Held männlich, wenn auch wesentlich jünger. Der kleine Arthur, noch nicht ganz in der Pubertät und in den Realszenen von Freddie Highmore gespielt, sucht einen Schatz seines Opas und landet dabei im sagenhaften Land der Minimoys, winziger, computeranimierter Zauberelfen. Im Deutschen wird Arthur, sowohl als Mensch als auch als Minimoy, von Tokio Hotel-Sänger Bill gesprochen, was an der Männlichkeit nichts ändert, da man den Lidschatten von Synchronsprechern ja nicht sehen kann. Dass die Minimoy-Prinzessin, die bald in wilder Liebe zu Arthur entflammt, allerdings von Nena gesprochen wird, ist zumindest altersmäßig dann doch eine interessante Wahl.

 

Ebenfalls einige ungewöhnliche Liebesgeschichten bietet „Paris, je t’aime“, eine Kurzfilmsammlung mit 18 kleinen Geschichten über Paris und die Liebe. Abgesehen von Gurinder Chadha und Isabel Coixet sind die Regisseure durchweg männlich – und recht prominent. Die Coen-Brüder, Gus van Sant, Wes Craven, Gerard Dépardieu, Tom Tykwer, Walter Salles, Alfonso Cuaron oder Alexander Payne haben fast alle höchst sehenswerte Episoden gedreht, die vom Vampir-Grusel bis hin zur Pantomimen-Romanze sämtliche Genres abdecken und auch noch hochkarätig besetzt sind.

Weit weniger sehenswert ist dagegen Luke Wilson in „Idiocracy“, wobei der Film vermutlich ohnehin in kaum einen Kino zu sehen sein wird, so schlimm ist er in den USA gefloppt. Um aber hierzulande wenigstens auf DVD ein kleines Geschäft damit machen zu können, muss der Film hierzulande immerhin kurz in ein paar Kinos gewesen zu sein, und nur deswegen sei er hier erwähnt. Wilson spielt jedenfalls einen Dummkopf, der im Jahre 2505 wieder aufwacht und feststellen muss, dass er plötzlich der intelligenteste Mensch der Welt ist, weil die Menschheit komplett verdummt ist. Den Grund dafür kann man nur erahnen: sie hat zu viele Filme dieser Art gesehen!

 

Kommen wir also wieder zu etwas Erfreulicherem, und einmal mehr zu einer Gruppe Männer. Für die vielleicht größte Firmenpleite der Wirtschaftsgeschichte, die in „Enron: The Smartest Guys in the Room“ rekonstruiert und analysiert wird, waren schließlich auch die Herren der Schöpfung zuständig. Die Oscar-nominierte Dokumentation ist ein erstaunlich packendes Kinostück und ein Beweis mehr, dass das Doku-Genre boomt wie nie.

 

Bleibt zum Schluss noch die Quoten-Frau der Woche zu erwähnen (wobei es sich genau genommen um mehrere handelt. In „Das Fräulein“ von der Schweizerin Andrea Staka geht es um die ungewöhnliche Freundschaft zweier sehr verschiedener Einwanderinnen in Zürich, was vor allem durch die hervorragenden Schauspielerinnen eine sehr sehenswerte Geschichte ergibt. Und Lust auf mehr macht sie außerdem – und wie es der Zufall so will, wird an dieser Stelle in einer Woche über erstaunliche viele starke Kinofrauen zu sprechen sein!

Text: Patrick Heidmann