Das gibt es auch nicht alle Tage: gerade einmal zwei neue Filme kommen in dieser Woche in die deutschen Kinos. Ein ganz großer und ein sehr kleiner – und einer von den beiden heißt “Hwal – Der Bogen“.

“Der Bogen” – Dahinter steckt Kim Ki-Duk, einer der fleißigsten und vielseitigsten Regisseure der Welt. Manchmal geht es bei dem Koreaner reichlich brutal zu, doch zuletzt scheint er ein wenig altersmilde zu werden und in der Ruhe die Kraft zu finden. Nach dem Meisterwerk „Frühling, Sommer, Herbst, Winter… und Frühling“ ist nun auch der neue Film eine ziemlich meditativ-fernöstliche Angelegenheit geworden, in dem es um ein junges Mädchen und einen alten Mann auf einem Boot geht, deren Zweisamkeit durch die Ankunft eines Studenten erheblich gestört wird.

Liebe und Gewalt sind die Themen und natürlich auch das Erwachsenwerden, doch eine wirkliche Handlung mag man „Hwal“ kaum unterstellen. In erster Linie geht es um einen surrealen Schwebezustand, um betörende Bilder und darum, möglichst wenig zu sprechen. Spielverderber nennen das Ganze dann vermutlich langweilig – und haben selbstverständlich keine Ahnung. Denn was Kim Ki-Duk hier abliefert, mag zwar kein Popcorn-Kino sein, ist dafür aber große Kunst.

Ach so, einen zweiten Film gibt es ja auch noch, und bei genauem Hinsehen lassen sich tatsächlich ein paar Parallelen finden zwischen dem Kleinod aus Korea und „Pirates of the Carribean: Fluch der Karibik 2“. Hier wie dort spielt ein Großteil auf dem Wasser, auch im Seeräuber-Abenteuer geht es letzten Endes um eine Dreiecksgeschichte und auch Pfeil und Bogen lassen sich in beiden Filmen entdecken.
Nachdem der erste Teil vor drei Jahren zum weltweiten Überraschungserfolg wurde (womit nicht unbedingt zu rechnen war, schließlich galt Johnny Depp jahrelang als Kassengift – und das Ganze basierte auch noch auf einer Achterbahn in Disneyland!), verbreitet der flamboyante Captain Jack Sparrow nun größte Ehrfurcht in der gesamten Filmbranche. Und das zu Recht, wie ein Blick in die USA zeigt: gerade einmal 16 Tage brauchte die Fortsetzung, um mehr als 300 Millionen Dollar einzuspielen. So schnell war kein anderer Film jemals zuvor – und das Gesamtergebnis des ersten Teils ist auch schon übertroffen.
 
Trotzdem, alle Erwartungen wurden leider nicht erfüllt. Die geplante Hochzeit, mit der der Film beginnt, hatten wir uns insgeheim ein wenig anders erhofft: Johnny Depp, natürlich mit viel Mascara im Gesicht und mit reichlich Goldschmuck behangen, und an seiner Seite der schnuckelige Orlando Bloom als Piratenbraut der etwas anderen Art – das wäre doch was gewesen! Aber nun gut, es muss eben ein wenig konventioneller zugehen, wenn man sich ein goldenes Näschen verdienen will.
Stattdessen stehen also Will Turner und seine kecke Elizabeth vor dem Altar und werden prompt in Handschellen abgeführt, so dass das Abenteuer gleich beginnen kann. Trotzdem braucht der Film eine ganze Weile, bis er so richtig in Schwung kommt – wofür er allerdings auch genügend Zeit, schließlich dauert das Spektakel gute drei Stunden. Kurz nach der Hälfte der Zeit läuft das Getriebe dann endlich rund und der Spaßfaktor hat die erwünschte Drehzahl erreicht, nicht zuletzt Dank der großartigen Mühlrad-Szene sowie einiger hübscher Auftritte von Bill Nighy als dämonischem Kraken-Pirat und Naomi Harris als schräger Voodoo-Priesterin.

Dennoch: ganz so gelungen wie der erste Teil ist „ Pirates of the Carribean: Fluch der Karibik 2“ auf keinen Fall. Bei genauem Hinsehen erweist er sich im Gegenteil sogar als Frechheit. Im Gegensatz zu vielen anderen Fortsetzungen versteht man nämlich fast nichts, wenn man das Original nicht kennt; eine Masche, die prompt Erfolg hat: die entsprechende DVD steht momentan überall auf Platz 1 der Home Entertainment-Charts. Und weil auch Teil drei schon fast abgedreht ist, fehlt im aktuellen Film eigentlich jegliche Form von Auflösung. Unbefriedigender und dreister endete selten ein Blockbuster. Dass pünktlich zum dritten Teil, der am 24. Mai 2007 in Deutschland starten wird, schon die DVD vom zweiten Teil im Handel erhältlich ist, kann dabei natürlich kein Zufall sein.