Tschland! Tschland! Juhu, es ist wieder WM! Also, ein bisschen zumindest. Im Kino jedenfalls darf jetzt noch einmal hemmungslos der Fußballrausch des Sommers wieder aufleben, denn endlich startet Sönke Wortmanns „Deutschland. Ein Sommermärchen“. Der Regisseur, der früher alberne Klamotten wie „Ein bewegter Mann“ und „Das Superweib“ inszeniert hat, durfte wochenlang Klinsmann und die Nationalmannschaft begleiten, ins Trainingslager, ins Schlosshotel Grunewald und natürlich auch in die Kabine. Das ist dann ein sehenswertes Kammerspiel aus der Schlüssellochperspektive: ein bisschen lang, aber sehr amüsant und erfreulich unheroisch. Zu den Höhepunkten gehört, neben Klose bei der Frisöse, der Besuch von Angie Merkel samt Fototermin. „Cheese!“ Trotzdem noch eine Bitte an alle euphorisierten Wohnzimmer-Patrioten: nach dem Film muss dann mal endgültig Schluss sein mit den Fahnen an Autos und Balkons!

Auch aus deutschen Landen und ebenfalls undum gelungen ist „Wholetrain“, der Debütfilm von Florian Gaag (der uns auch im Interview Rede und Antwort stand). Der junge Mann war früher mal Graffiti-Sprayer und hat nun einen Film über seine alte Szene gedreht. Die Geschichte handelt natürlich von Ärger mit der Polizei, Stress mit rivalisierenden Gangs und manchmal ist sie auch ein wenig dick aufgetragen, etwa wenn auch noch ein kleines Baby mit ins Spiel kommt. Aber das Entscheidende sind ohnehin die Graffiti-Szenen, und die haben es – in Musik, Ton und Schnitt – einfach in sich. So versiert und lässig umgesetzt sind deutsche Debütfilme selten.

Von Coolness und Lässigkeit ist in „Step Up“ leider wenig zu spüren, denn hier geht alles sehr bemüht zu. Wer „Save the Last Dance“ gesehen hat, weiß genau, was zu erwarten ist. Gegensätze prallen aufeinander: arm und reich, HipHop und Ballett, nur mit dem Unterschied, dass der talentierte Draufgänger Tyler zwar denkt und fühlt wie ein Schwarzer, aber weiß ist. So behauptet es zumindest der Film, in dem er vom Hilfshausmeister einer Kunstschule schnell zum Trainingspartner der hochnäsigen Nora wird. Neben ungewohnten Strumpfhosen kommen bald auch Hormone ins Spiel und nach einigen Krisen gibt’s natürlich ein Happy End. Doof nur, dass bis dahin die Tanzszenen für einen Tanzfilm erschreckend lahm sind…

Etwas ernsthafter wird das Thema „amerikanische Jugend“ in gleich zwei anderen Filmen behandelt. In „Thumbsucker“ lutscht Justin auch mit 17 Jahren noch am Daumen, was Zahnarzt Keanu Reeves gerne mit Hypnose heilen würde. Doch irgendwann helfen nur noch Medikamente, und mit einmal wird aus dem schüchternen, blassen Bürschchen ein ganz anderer Mensch, der auf Sex, Hasch und Buchstabierwettbewerbe steht. Höchst skurril ist das also alles und auch reichlich böse, aber scheinbar müssen kleine Filme über Schüler in der US-Provinz so sein.

Glück in kleinen Dosen“ verbreitet jedenfalls eine ähnliche Stimmung, und auch hier stehen einige junge Leute unter dem Einfluss von bewusstseinsverändernden Mitteln – unter anderem übrigens auch Lou Taylor Pucci, der sympathische „Thumbsucker“-Hauptdarsteller. Eigentlich steht hier aber der fantastische Jamie Bell (der als kleiner Junge mal durch „Billy Elliott“ tanzte) im Mittelpunkt, der nach dem Tod seines Kumpels Drogen ranschaffen soll, was dann aber eine missglückte Entführung, stressige Hochzeitsvorbereitung und jede Menge Stress mit den durchgeknallten Erwachsenen nach sich zieht. Das Fazit ist also das gleiche: skurril, böse und nicht zuletzt dank der Schauspieler wirklich gelungen.

Derweil können jene in „The Black Dahlia“ nur bedingt etwas ausrichten. Der Noir-Krimi von Brian de Palma ist zwar hübsch anzusehen wegen der 40er Jahre-Kostüme, Oscar-Preisträgerin Hilary Swank in einer ungewohnten Femme fatale-Rolle ist erfreulich und selbst Babygesicht Josh Hartnett schlägt sich als Polizist wacker. Seine Lebensgefährtin Scarlett Johansson sollte sich allerdings mal ein Päuschen gönnen, denn an der haben wir uns langsam satt gesehen. Und überhaupt sind weder Drama noch Spannung packend genug, weswegen diese etwas bemühte Romanverfilmung leider nie mit „L.A. Confidential“ mithalten kann.

Dennoch ist de Palmas Krimi immer noch sehenswerter als der Murks, den die deutsche Regisseurin Margarethe von Trotta abliefert. „Ich bin die Andere“ soll wohl ein mysteriöses Psychodrama um eine Frau mit zwei Persönlichkeiten und ihre völlig verkorkste Familie sein. Um zu zeigen, wie ernst das allen Beteiligten ist, geht Hauptdarstellerin Katja Riemann sehr weit in ihrer Nacktheit (sie darf das, schließlich ist sie mittlerweile eine ernstzunehmende Schauspielerin!). Doch alle Dialoge und Figuren sind dermaßen unglaubwürdig, künstlich und aufgesetzt, dass am Ende alles wirkt wie eine unfreiwillig komische Edgar Wallace-Geschichte mit Kunstanspruch.

Da ist selbst „Der tierisch verrückte Bauernhof“ glaubwürdiger – und das will was heißen, schließlich haben in dieser unnötigen Zeichentrickgeschichte über rockende Kühe selbst die Stiere Euter! Bleibt nur die Frage, ob soviel biologische Fahrlässigkeit überhaupt jemandem auffällt. Schließlich ist ja wieder WM!