Auch wenn Felix Räuber wahrscheinlich rückblickend nicht besonders viel an seinem bisherigen Leben ändern würde, eines bereut er schon ein bisschen: “Ich würde gerne mal reisen, ein Auslandsjahr oder so was. Das ist alles zu kurz gekommen.” Dass der Polarkreis 18-Sänger nicht auf ganz so viel Lebenserfahrung zurückblicken kann wie man angesichts der unfassbar reif klingenden Platte ‘Polarkreis 18’ annehmen könnte, ist kein großes Wunder. Denn außer Polarkreis 18 gab es eben im Leben von Räuber bis jetzt auch noch nicht besonders viel. Allerdings ist dieses “nicht besonders viel” weitaus mehr als viele andere von uns überhaupt je erreichen werden.
Mit dem eben fertig gewordenen, selbstbetitelten Debüt ist Philipp Makolis (Gitarre, Klavier), Christian Grochau (Schlagzeug), Uwe Pasora (Bass), Bernhard Wenzel (Elektronik, Keyboard) und eben Räuber (Gesang, Gitarre, Klavier) nämlich ein nicht nur für gerade mal um die 20-Jährige erstaunliches Stück Musik gelungen. Ein experimentierfreudiges Amalgam aus Radiohead, Sigur Rós, Synthie-Pop und noch ganz vielen anderen schwer zu erfassenden Einflüssen, das trotz aller Schwelgereien doch stets klar im Pop verhaftet bleibt. Mit anmutigen Melodien und der bergkristallklar oszillierenden Stimme Räubers als jederzeit wahrnehmbarem Fixstern.
In jedem Fall hört man dieser Musik die Leidenschaft, aber auch die Zweifel an, unter denen sie entstanden ist. So ist Polarkreis 18 insbesondere für Räuber, aber auch für die damals schon dazugehörenden Bernhard und Uwe eher eine Lebensaufgabe als eine gewöhnliche Band. Zunächst noch als Rock-Band – die Mädchen! – gestartet, entwickelt sich das Projekt um die Jahrtausendwende zunehmend experimentell. Mit Hingabe arbeitet Räuber nächtelang an seiner Vision von grenzüberschreitender Musik, das jetzige Album wird genau wie ein selbst vertriebener Vorgänger in monatelanger Fleißarbeit selbst aufgenommen. Dass da Schule und sonstige Verpflichtungen ein bisschen zu kurz kommen – man kann es sich denken. “Woher meine Überzeugung kommt? Schwer zu beschreiben… Da war immer dieses Gefühl, dass das schon alles richtig ist. Wir machen die Band jetzt bereits unser halbes Leben lang, das hat sich zunehmend automatisiert, wurde irgendwann auch nicht mehr hinterfragt. Natürlich gab’s Bedenken seitens der Eltern. Denen muss ich immer wieder meinen Standpunkt erklären. Aber aus solchen Gesprächen gehe ich meist gestärkt heraus. Weil man das dann natürlich für sich selbst auch noch einmal reflektiert.”
Dass sein Gefühl so falsch nicht wahr, zeigen nicht nur die euphorischen Reaktionen von immer mehr Menschen auf Konzerte und Songs der Band, sondern auch die Tourneen mit The Dears und Kashmir, die Polarkreis 18 jüngst absolvierten. Zum bisherigen Highlight der Live-Karriere der Truppe geriet indes ein kleiner Ausflug in die Hochkultur. So spielte man vor einigen Wochen einen sensationellen und natürlich ausverkauften Gig im Dresdner Staatsschauspielhaus. “Da wollten wir immer schon mal spielen. Wie spielten mit einer anderen Band zusammen, und deren Management kannte die Leute vom Schauspielhaus, so hat sich das ergeben”, erklärt Räuber. Und: “Durch die tollen Tourneen, die wir mittlerweile spielen dürfen, kann ich ja dann auch endlich ein bisschen von der Welt sehen.” Die Erfahrungen kommen dann ganz von selbst!

Text: Torsten Groß