Da haben die fünf Amerikaner aus Los Angeles, genauer: Hollywood, eine wirklich gute Geschichte zu ihrem Namen zu erzählen und dann gelten Orson im Internet und im Sprachgebrauch doch vor allem als eines: als Robbie W.-Begleitband.

Denn Robbie Williams, der gefühlte Elvis unserer Zeit, vor dem es (leider) kein Entrinnen gibt, holte sich Orson nach deren Charterfolge in Großbritannien kurzerhand als Vorband für seine ‘Close Encounters’-Tour in die Stadien. Der Aufstieg von der kleinen kalifornischen Pop/Rock-Band zum Vorgaukler von Europas größtem Pop-Koloss ging in kürzester Zeit über die Bühne – fast schon will man die Phrase vom ‘American Dream’ dreschen. Aber Halt! Da war doch was…

Denn Orson haben nicht nur die Stadien mit Robbie gebucht, sondern auch den “Scissor-Sisters-Faktor” mit dabei – das altbekannte Phänomen, im Ausland eine ganz heiße Nummer zu sein, in der eigenen Heimat hingegen, wenn überhaupt, nur als Randfigur in Erscheinung zu treten. Man denke an Adam Green, ein Großverdiener hierzulande, im Heimatland USA nicht wirklich präsent. Oder David Hasselhoff, der von einigen Nicht-Deutschen (vielleicht sogar auch von einigen Deutschen?) als Deutscher wahrgenommen wurde, weil er eben hierzulande so berühmt war (und wie er selbst ja auch glaubt, mit ‘Looking For Freedom’ die deutsche Wiedervereinigung herbeisang). Wie dem auch sei, auch Orson fallen in diese Kategorie.

Während es also in Großbritannien für die fünf Amerikaner verdammt gut läuft, die erste Single ‘No Tomorrow’ auf Platz Eins der Top75 kletterte und Orsons Musik mit ihrer eigentlich so urtypisch amerikanisch anmutenden Mischung aus Achtzigerjahre-Power-Rock, Neunzigerjahre-Gitarren-Pop und zeitgenössisch angesagter Größenwahn-Ironie für viel Spaß bei Englands Kids sorgen, zeigt sich das Mutterland erschreckend uninteressiert. “Wir sind ja vor kurzem von Hollywood nach London gezogen, weil wir eben in Großbritannien einen Plattendeal bekommen haben und sich hier für uns alles ziemlich schnell entwickelt hat. In den USA haben wir es ja lange mit einem Plattendeal versucht, aber bis heute ist daraus nichts geworden”, erklärt Gitarrist George Astasio.

Lange haben sie es in der Tat versucht. Orson wurden schon vor sechs Jahren gegründet, als Sänger Jason Pebworth und Gitarrist George Astasio in einem Café in Hollywood auf der Speisekarte zwischen einem Clark Gable- und einem Greta Garbo-Sandwich ein nach Orson Welles benanntes Sandwich erblickten. Verspeist haben sie dieses zwar nicht, aber der Name für die neue Band war gefunden.

Ob nun Robbie Williams ausgerechnet mit Orson in den USA den Durchbruch schafft, bleibt natürlich abzuwarten, aber wie heißt’s doch so schön: “Gleich und gleich gesellt sich gern.”