Den großen Yippie-Jauchzer mit anschließendem debilen Grinsen konnte ich nicht unterdrücken, als ich in der Post die neue Scheibe von den Dinosaur Jr. entdeckte und natürlich sofort in den Rechner schob. Eigentlich entwickelt man sich ja weiter – das, was einem mit 15 musikalisch umwarf, erntet heute meist von mir nur noch eine hochgezogene Augenbraue, aber manches bleibt halt. Und so fühle ich mich heut und an dieser Stelle genötigt zu verkünden: Schrammel-Indiegrungerock lebt! Die Dinosaurier der Grunge-Rock-Ära sind zurück.

Und das mit einem Album, dass einen sofort 15 Jahre zurückbeamt, als man noch karierte Holzfällerhemden mit zerissenen Jeans kombinierte, und dies für wahnsinnig cool hielt. Richtig cool aber war und ist auch heute wieder (?) das Trio aus Massachusets, die Bands wie Nirvana inspirierten und dann doch den Pokal für die Most-Loved-Grunger an selbige abgeben mussten. Ob Cobain & Co wirklich die bessere Musik ablieferten, das möcht ich hier gar nicht beurteilen, auf jeden Fall sah Kurt schon immer besser aus, als alle drei Dinosaur Jrs. zusammen. Beyond ist das erste Album nach 15 Jahren, doch der Sound ist unverkennbar: Die ewig nörgelnde Stimme von Mastermind J. Mascis, die nicht wirklich jeden Ton trifft und so herrlich schräg klingt, der Proberaum Garage-Sound (leider auch bei der Abmischung der Instrumente), das Es-Gibt-Kein-Morgen-Schlagzeugspiel von Murph und auch Lou Barlow zupft den Bass wie in alten Tagen. Für die älteren unter uns ist diese Scheibe ein „Werthers Echtes“ – ein musikalisches Sahnebonbon, dass man nicht mehr wirklich objektiv beurteilen kann, weil so viele schöne Erinnerungen dran hängen. Die Frage ist, was denkt die Generation über die Musik der Grunge-Opas, die zu dieser Zeit noch mit Legomännchen und/oder Barbies spielte? Das würde mich echt mal interessieren!

Video – Been There All The Time