Diablo Cody, die Drehbuchautorin von “Juno”, im Interview

Vor ein paar Jahren stand sie noch als Stripperin auf der Bühne, heute sitzt Diablo Cody in den Talkshows von Letterman und Leno, schreibt Kolumnen für US-Zeitschriften und ist seit kurzem sogar stolze Besitzerin eines Oscars. Zu verdanken hat sie das dem wunderbaren Überraschungserfolg “Juno”, zu dem die 29-jährige Amerikanerin das Drehbuch schrieb (es war ihr erstes). Die charmant-skurrile Geschichte eines ungewollt schwangeren Teenagers, der ein geeignetes Adoptivelternpaar für sein Baby sucht, läuft am 20. März in den deutschen Kinos an. Und der ebenso empfehlenswerte Soundtrack, auf dem in erster Linie die einmalige Kimya Dawson und ihre Moldy Peaches zu hören sind, ist natürlich auch bereits erschienen.

Trailer Juno

Diablo Cody, sind Sie eigentlich die erste Ex-Stripperin, die einen Oscar gewonnen hat?
Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen! Ich denke mal eher, dass all die anderen vor mir sich nicht dazu bekannt haben. Rein logisch und prozentual betrachtet muss in all den Jahren, in denen sie den Oscar nun schon vergeben, noch ein paar andere Leute gegeben haben, die sich mal in irgendwelchen Clubs ausgezogen haben, oder? Joan Crawford soll sogar Pornos gemacht haben, wie ich hörte. Das ist doch noch viel spannender als meine Vergangenheit!

Haben Sie eigentlich irgendwo gelernt, wie man so ein tolles, witziges Drehbuch schreibt?
Dankeschön, das ist lieb von Ihnen. Das Coole an “Juno” war eigentlich, dass das für mich eigentlich nur ein Spiel war. Ich habe das letztlich nur als Schreibübung betrachtet und habe überhaupt nicht an ein Publikum oder an irgendwelche Schauspieler gedacht. Genau genommen ging ich noch nicht einmal davon aus, dass daraus überhaupt jemals ein Film werden würde, schließlich hatte ich keinerlei professionelles Wissen über die Sprache des Kinos. Also habe ich letztlich einfach eine Geschichte gefunden, die ich selbst lustig fand. Wahrscheinlich ist das gar nicht der verkehrteste Ansatz, einfach einen Film zu schreiben, den man sich selbst im Kino ansehen würde.

Es ist also einfach nur Talent?
Ja, denn ich war immer schon gut im Schreiben. Damals in der Schule war es das einzige, worin ich wirklich gut war. Mir fällt das einfach leicht, ich muss mich gar nicht anstrengen. Aber fragen Sie mich nicht, wie ich das mache. Und vor allem nicht, wie mir ein Drehbuch gelingen konnte, ohne dass mir jemand wirklich gezeigt hat, wie man das macht. Vermutlich war ich einfach oft genug im Kino.

Wie stark waren Sie denn letztlich in die eigentliche Entstehung von “Juno” eingebunden?
Ich hatte großes Glück, denn normalerweise ist für den Autor die Arbeit ja beendet, wenn er das Drehbuch an einen Regisseur weitergeben hat. Aber Jason Reitman war der großzügigste Kollaborateur, den ich mir hätte wünschen können. Er hat mich wirklich an praktisch jeder Arbeitsphase teilhaben lassen. Nur für die tolle Musik im Film kann ich keine Lorbeeren einheimsen, denn die haben Jason und vor allem unsere fantastische Hauptdarstellerin Ellen Page ausgesucht. Aber so gut wie sie hätte ich das wohl ohnehin nicht hinbekommen, denn ich liebe die Songs auf dem Soundtrack und könnte mir keine besseren vorstellen.

Ihnen stehen jetzt alle Türen offen. Wissen Sie schon, welchen Weg Sie gehen wollen? Sie hätten sicherlich keine Probleme, sogar Jobs als Schauspielerin zu bekommen…
Oh, ich habe großes Interesse daran, selber Filme zu produzieren und mache das auch schon bei meinem nächsten Film “Jennifer’s Body”. Auch bei einer von Steven Spielberg geplanten Fernsehserie, für die ich die Skripts schreibe, werde ich mitproduzieren und bin sehr gespannt, wie sich das entwickelt. Außerdem habe ich wirklich Lust darauf, selbst mal Regie zu führen. Aber als Schauspielerin wird man mich sicher nicht erleben!

Auf Ihrer MySpace-Seite war zu lesen, dass Sie Ringo Starr kennen gelernt haben. War das, vom Oscar abgesehen, das Aufregendste, was Ihnen der “Juno”-Ruhm beschert hat?

Absolut! Meine Güte, ich habe einen Beatle getroffen! Überhaupt ist es einfach unbeschreiblich, wenn man seine Idole trifft. Bei den Coen-Brüdern war ich auch sehr aufgeregt, und selbst Christopher Lee hat mich total nervös gemacht. Der ist wirklich groß, zumindest verglichen mit Ringo Starr. Aber dafür ist Ringo wirklich süß! Und er war bei einer Party, die zu Ehren von “Juno” gegeben wurde. Wow! Ringo Starr war bei einer Party zu meinem Film! Schon seltsam, wie mein Leben sich verändert hat.

Interview: Patrick Heidmann