Eine Sängerin mit einmaliger Stimme ist sie und noch dazu eine gesunde Mischung zwischen Diva und sanfter Geschichtenerzählerin. Emiliana Torrini ist eine fesselnde Mischung aus Charme, Unschuld und Reife.

Emiliana wurde 1978 als Tochter eines umherreisenden italienischen Gastwirtes und einer isländischen Mutter geboren – ihr Vater arbeitete überall in Europa. Und aus eben dieser Herkunft resultiert Emilianas oben erwähnter Gemüts-Mix, außerdem überdurchschnittliche Sprachkenntnisse in Deutsch, Dänisch, Englisch, Italienisch und Isländisch.

Da sie immer in Bewegung war, um ihre weit verstreute Familie zu besuchen oder ihren Vater auf einer 2-Jahre-Mission zu begleiten, auf der er etwa den Deutschen die Wunder der italienischen Küche offenbaren wollte, absorbierte Emiliana Einflüsse, die anderen Kindern meist unerreichbar bleiben, weil sie nur an einem einzigen Ort unter den selben Menschen aufwachsen. „Es gab bei uns mal im 13. Jahrhundert eine arge Familienfehde“, erzählt Emiliana, „und eine Großmutter stürzte sich aus wütender Eifersucht ins Wasser zu den Haien.“ Dieses Ereignis hat bei allen Nachkommen der Familie eine sehr lebhafte Fantasie begünstigt.

Mit einem schelmischen Grinsen gibt Emiliana einen kleinen Einblick, wie ihre italienisch-isländische Jugend ihre Musik beeinflusst hat: „Mein Vater hörte am liebsten freche italienische Pop-Musik. Und meine Mutter, na ja, sie war zufrieden mit allem, was klanglich gut zu unserem lauten Staubsauger passte. Aber natürlich gab es auch ´echte´ Musik bei uns: Mein Großvater mütterlicherseits machte mich mit dem Dixieland vertraut, und meine Familie drüben in Italien liebt Oper genauso wie ihre Nachbarn. Aber mich hat auch das Düstere der klassischen nordeuropäischen Einschlaflieder beeinflusst und das Dramatische der neapolitanischen Musik. Und dann war ich auch ein ganz normaler Teenager und habe das gehört, was man in dem Alter eben so hört.“

Emiliana lebte dann zwei Jahre in England, in Bath nahm sie ihr Debütalbum „Love in the Time of Science“ auf, das auf dem Label One Little Indian erscheint – Björks Heimatlabel. Bath schien ihr eine gute Alternative zu London: „Zu laut, zu viele Leute, zu anonym. Je mehr Leute um mich herum sind, umso schlechter geht es mir.“

Nach dem 1999er Debüt „Love In The Time Of Science” dauerte es 6 Jahre, bis 2005 ihr erstes Album für Rough Trade Records, „Fisherman’s Woman”, erschien. Im September 2008 erscheint ihr Album “Me and Armini”. Erneut an den Aufnahmen beteiligt war ihr bevorzugter Mitstreiter Dan Carey, auch bekannt als Produzent von Hot Chip und Franz Ferdinand. Gemeinsam schrieben sie bereits für Kylie Minogue den Hit „Slow” und für den Herr der Ringe Soundtrack den „Gollum’s Song”, den Emiliana auch sang.

Laura Anderson