Wenn Four Tet eins ist, dann eigen. Kein langweiliger Ringeltanz um die eigene musikalische Achse, kein Klingt-Wie-Getue, nur Musik, die man trotz ständiger Veränderung, immer wieder erkennt. Attribute, die nicht jeder Künstler sein Eigen nenn darf. Kieran Hebden schon! Bereits in der Penne entdeckt er seine Leidenschaft zur Musik. Das besuchte College hilft ihm dabei auf die Sprünge und lässt ihn Jimi Hendrix und Led Zeppelin nachspielen. Alles für den guten Zweck, versteht sich.

Im Alter von fünfzehn Jahren gründet Hebden seine erste Band Fridge. Stark vom Riot Grrl und amerikanischen Lo-Fi-Sound bzw. Drum’n’Bass und Jungle beeindruckt, nimmt er seine ersten Demos auf. Über einen Londoner Plattenladen entsteht der Kontakt zu Produzent Trevor Nelson. Dieser zeigt sich an der Arbeit von Fridge interessiert und bietet an, Aufnahmen zu veröffentlichen. So entstehen in der folge Zeit zwei instrumental Platten mit einer Reihe von Singles.

Das eigentliche Projekt Four Tet hingegen entsteht erst als Kieran Hebden die Universität besucht. Zwischen Mathematik- und Computerwissenschaftsstunden werkelt er am Rechner an Solostücken. So findet zu seinem recht eigenwilligen und eigenständigen Sound, eine Mischung aus Elektronik und Akustik, Folk und Jazz und sogar Hip Hop, der auf „Free- bzw. psychedelischer Jazz der späten 60er- und frühen 70er-Jahren“ Fundamenten gestützt ist. 1998 erscheint schließlich unter dem Pseudonym Four Tet das Debütalbum „Dialogue“. Zwei Jahre später erscheint die zweiten Four Tet-Platte “Pause”, auf der vor allem R’n’B-, Garage- und 2Step-Zitate, aber auch Ansätze englischen Folks und Krautrock zum Tragen kommen. Gleichzeitig gründet er sein eigenes Label Text Records auf dem er auch Fridge veröffentlicht.

2003 wird das Jahr des Kieran Hebden. Sein drittes Werk „Rounds“ wird weltweit schultergeklopft, Radiohead adeln es als eine ihrer Lieblingsplatten, selbst für den Mercury Prize wird er nominiert, schrammt jedoch knapp am Gewinn vorbei. Er eröffnet die Kunst-Biennale von Venedig, stellt die Compilation der Mixserie “Another Late Night” zusammen und spielt im Vorprogramm von Radiohead. Zusätzlich ist er auch selbst auf kleiner Club-Tour. Zusammen mit seiner Schwester samt Renault Clio und Equipment reist er durchs Vereinigte Königreich. Schließlich erhält er eine Audienz beim legendären Dj John Peel.

Trotz der Unmengen an Lobpreisungen, entschließt sich Kieran Hebden beim Nachfolger „Everything Ecstatic“ zur 180 Grad Wendung. Eine Platte, die beeinflusst von Oldschool Techno und Hip Hop-Acts wie Madlib oder MF Doom lässt das Herz schneller schlagen. Kein einhüllender Elektroteppich, kein entspanntes Dahinschweben. Stein des Anstoßes für das aggressivstes seiner Werk, war das ständig begleitende Etikette für seine eher entspannte Musik, spätestens seit “Pause” Folktronica genannt. So ist „Everything Ecstatic“ letztlich auch eine Platte gegen die von außen aufgezwängte Kategorisierung.

2006 wird das Jahr der Arbeit. Bereits in der ersten Jahreshälfte veröffentlicht der Brite drei Scheiben. Zwei „Exchange Sessions“ mit Steve Reid sowie ein Mix-Album für die beliebte “DJ Kicks”-Reihe von !K7 Records zählt.

2007 erscheint “Tongues”.

Hans Erdmann