Keine einfachen Zeiten für Funeral-For-A-Friend-Freunde der ersten Stunde: Was sich auf dem im Vergleich zum Erstwerk ‘Casually Dressed And Deep In Conversation’ eher mageren Nachfolger ‘Hours’ schon angekündigt hatte, findet nun im dritten, ‘Tales Don’t Tell Themselves’ betitelten Werk eine konsequente Fortführung. Funeral For A Friend haben den Schritt vom Screamo-Core zum Emo-Pop vollzogen.

“Das neue Album ist weniger aggressiv – es gibt kein Screaming mehr”, beschreibt Sänger Matt Davies die ohrenscheinliche Realität. “Die Gitarrenarbeit unterstützt jetzt die Songs, anstatt sich in den Vordergrund zu drängen. Das war eine bewusste Entscheidung und hat etwas mit Wachstum und Entwicklung zu tun.” Eine Entwicklung, die – machen wir uns nichts vor – sicher nicht alle Fans goutieren werden. Was – machen wir uns nichts vor – dem walisischen Quintett relativ schnuppe sein dürfte. Man ist erwachsen geworden und schert sich nicht um Trends und Erwartungshaltungen – zumal das Screamo-Ding inzwischen eigentlich fast schon wieder gegessen ist. “Echt cool, dass einige Bands immer noch diese ‘kreisch-die-Strophen, sing-den-Refrain’-Blaupause verwenden, aber wir haben das schon vor fünf Jahren gemacht. Und wie lang kann man kreischen, bis man nicht total gelangweilt davon ist?”, fragt Gitarrist Darren Smith provokativ. Im Fall der Freundesbestatter liegt die Antwort auf der Hand: so ziemlich genau ein Album lang.

Nicht nur musikalisch, auch lyrisch geht man neue Wege und wagte sich mit ‘Tales Don’t Tell Themselves” an das erste Konzeptalbum, das das schöne Thema Wasserangst behandelt. Unter dieser nämlich leidet Sänger Matt und arbeitet seine Phobie nun in Form einer – fast möchte man meinen shakespearesken – Geschichte eines Schiffsbrüchigen, der zu seiner Familie zurückkehren möchte, auf. Ein Insulaner mit Aquaphobie – sieht man auch nicht alle Tage. Welchen Bezug der willkürlich wirkende Albumtitel zum Inhalt hat, können Matt und Darren natürlich ebenfalls herleiten: “Man muss eine Geschichte überleben, um sie erzählen zu können”, erklärt Darren, und Matt ergänzt: “Oder man muss überhaupt erst mal etwas erleben, um daraus eine Geschichte machen zu können, die Bedeutung hat.” Sprich: kein Schiffsbruch – keine Story. Beziehungsweise: Schiffsbrüchiger tot – auch keine Story. Ob die Waliser mit ihrem poppigen Drittwerk, das zweifellos grandiose Melodien enthält, bei ihren Fans Schiffsbruch erleiden werden – das ist eine Geschichte, die erst noch erzählt werden will.

Text: Benjamin Foitzik