Mit ihrem Debütalbum ‘Well Well Well’ sieht sich die aus Sheffield stammende Band Milburn zunehmend Vorwürfen ausgesetzt: Man wolle, so geiert die Britische Presse, sich wohl ein Stück vom Erfolgskuchen der Arctic Monkeys abschneiden, würde diese gar hemmungslos kopieren. Im Gespräch mit Milburn-Sänger Joe Carnall erfuhren wir hingegen, dass es ganz so einfach wohl doch nicht ist…

Zunächst: Es ist tatsächlich völlig unmöglich, über Milburn zu schreiben, ohne die Arctic Monekys zu erwähnen. Die Gründe hierfür sind jedoch, wie so oft in solchen Fällen, ein wenig vielschichtiger als zunächst angenommen: “Die Leute können sagen, was sie wollen. Das tun sie ja sowieso die ganze Zeit. Ich kann es nur immer wieder wiederholen: Wir haben die Band bereits lange vor ihnen (den Arctic Monkeys) gegründet. Die Songs, die jetzt auf unserem Album sind, haben bereits vier oder fünf Jahre auf dem Buckel. Die Arctic Monkeys waren damals immer auf unseren ersten Konzerten und wenn überhaupt, haben sie uns kopiert und nicht umgekehrt. Ich will da jetzt keine große Sache draus machen, da ich die Jungs mag, aber wie gesagt: Wir waren zuerst da.”

Das zumindest lässt sich anhand von Zahlen belegen: Die Arctic Monkeys gaben erst vor zwei Jahren die ersten Töne von sich, Milburn gibt es immerhin seit 2002. Um die Situation noch zusätzlich zu verwirren, spielten Teile beider Bands bereits damals zusammen Fußball und verbrachten auch sonst viel Zeit miteinander – Freunde eben. Es muss ungefähr zu dieser Zeit gewesen sein, als die damals erst 13- bis 14-jährigen Joe (Gesang, Bass), sein Bruder Louis (Gitarre), Schlagzeuger Joe Green und Bassist Tim Rowley im Haus von Greens Kindermädchen bei Limonade und Keksen die ersten Proben abhielten.

Irgendwann gab es dann auch Konzerte, und im Publikum traf man tatsächlich regelmäßig auf Mitglieder der späteren Arctic Monkeys. Was aus denen wurde, ist bekannt. Und die ursprünglichen Lokal-Matadore Milburn rücken eben erst jetzt ins Zentrum einer breiteren Öffentlichkeit. Zwar kann die Band bereits auf diverse Indie-Veröffentlichungen zurückblicken – immerhin 12.000 EPs wurden so bereits abgesetzt! – aber einen großen Plattenvertrag und das erste richtige Album gibt’s mit ‘Wll Well Well’ erst jetzt. Wenn man die Platte so hört fällt auf: Gitarren, Rhythmen und Melodieführung sind tatsächlich denselben Einflüssen, einem ähnlichen Gestus geschuldet wie man das von den AM kennt.

Wer was von wem wie übernommen hat – darüber nachzudenken ist indes müßig. Die gute Nachricht ist nämlich, dass Milburn fast genau so gut sind wie die Fußballfreunde von damals. Auch Carnall und Kollegen haben den britischen Pop-Kanon der vergangenen 40 Jahre verinnerlicht, bewundern zudem Oasis und die Strokes. “Im Prinzip spielt das also alles keine Rolle”, findet Joe zu Recht. “Beide Bands machen gute Musik und man kann ja auch beide gut finden.” Konsequenterweise gaben Milburn ja neulich auch schon die Vorband für die Arctic Monkeys.
Und auch für Milburn fällt schließlich noch der ein oder andere Brocken ab: Neulich nahm die Band einen Song mit Billy Bragg auf, die Tourneen laufen gut und in Japan ist gar eine wahre Milburn-Hysterie entbrannt. Das ist zwar erfreulich, wird sich aber hoffentlich auch in anderen Ländern fortsetzen – Einfach nur ‘Big In Japan’, dafür wäre die Band schlicht zu schade.