Es gibt eine Band in der Band! Schon beim letzten Nick Cave And The Bad Seeds-Album “Abattoir Blues/The Lyre Of Orpheus” fiel auf, dass sich die Machtverhältnisse innerhalb von Caves Truppe zunehmend verschoben hatten: Die Songs für den elektrischen Teil des Werks schrieb Cave vornehmlich mit den Musikern der jüngeren Bad Seeds-Generation, den solchermaßen zur Kernbesetzung avancierten Martin P. Casey (Bass), Jim Sclavunos (Drums), Warren Ellis (Strings). Während sich Gründungs-Mitglieder wie Mick Harvey und Thomas Wydler parallel anderen Projekten widmeten oder gleich – eine Reaktion auf die neue Prioritätenverteilung innerhalb der Band? – ganz das Handtuch schmissen wie Blixa Bargeld.

Offenbar tut Cave das Arbeiten in dieser Konstellation gut: Während der Rest bis zum nächsten Album der Hauptband, das noch für dieses Jahr erwartet wird, Pause hat, gingen Cave, Sclavunos, Ellis und Casey auf Nick Cave-Solotur und machten unter dem Namen Grinderman für deren dieser Tage erscheinendes Debüt ein bisschen Lärm. Wir trafen den potenten Herren-Vierer am Tag nach dem Stuttgarter Konzert zum Interview und sprachen über das Grinderman-Album, Caves Lehrjahre mit Birthday Party und Ellis’ Einsatzbereitschaft für Sting. Hierbei stellten wir fest: Mit der musikalischen Rauflust ist bei Cave offenbar auch die Lust an verbalen Raufereien zurückgekehrt…

Vor ungefähr vier Jahren habe ich euch in dieser Besetzung bei einem Showcase für das damals aktuelle Bad Seeds-Album “Nocturama” in London gesehen. Liegt dort in gewisser Weise der Ursprung von Grinderman?
Martin P. Casey: Ja, da hat es angefangen. Das war unser erster Gig in dieser Besetzung.
Nick Cave: Wo?
Warren Ellis: In der Bush Hall für “Nocturama”
Jim Sclavunos: Ja, der erste Gig.
Nick Cave: Wir haben nicht einmal geprobt, oder? Ich meine, ich erinnere mich noch, “Wounderful Life” gespielt zu haben und es klang fantastisch. Das war glaube ich das erste Mal, dass wir den Song überhaupt gespielt haben. Von den Aufnahmen einmal abgesehen.

Zumindest kanntest du wohl die Texte noch nicht so richtig. Du hattest die ganze Zeit über diese kleinen Zettel mit den Texten am Klavier.
(An dieser Stelle lachen alle außer Cave)
Cave: Klar, das meinte ich ja. Wir hatten die Songs wirklich noch nicht vorher zusammen gespielt.
Waren Ellis: Stimmt, ich glaube wir gingen sie einmal kurz nachmittags durch. Aber so machen wir das oft – einfach drauflos und gucken, was passiert.

Gab es denn damals schon ganz konkret die Idee für Grinderman?

Cave: Das hat sich über die Zeit so ergeben. Wir haben neben unserer Arbeit mit den Bad Seeds immer mal wieder auch für irgendwelche Projekte zusammengearbeitet. Soundtracks, Theater-Projekte, solche Dinge, und dabei festgestellt, dass wir in dieser Besetzung ausgezeichnet miteinander harmonieren. Diese Solo-Geschichte… (gießt sich ein Wasser ein und weist als Zeichen, dass er genug gesagt habe, zu Waren Ellis)

Nick, du bist ja als quasi beamtischer Arbeiter mit eigenem Büro und festen Arbeitszeiten bekannt, der für die Bad Seeds erst alles alleine ausarbeitet, ehe die Songs mit dem Rest der Band eingeprobt werden. Inwiefern hast du deine Arbeitsweise vielleicht für dieses doch etwas spontaner klingende Projekt modifiziert?
Cave: Nicht alle Songs auf diesem Album sind auf die gleiche Weise entstanden. Musikalisch wurde die Grundlage für eigentlich alle Stücke aber tatsächlich in gemeinsamen Jam-Sessions erarbeitet. Eigentlich haben wir alle Songs innerhalb von sechs Tagen gemeinsam skizziert.
Ellis: Wir haben einfach so lange mit den Themen rumgejammt, bis sich konkrete Songs heraus kristallisierten. Ähnlich gingen wir bereits bei einigen Songs von “Abattoir Blues” vor. Aber diesmal haben wir es noch ein bisschen weiter auf die Spitze getrieben. Wenn wir vier zusammen sitzen und einfach nur spielen, kommen die Ideen im Allgemeinen ganz von selbst. So haben sich die Stücke quasi Stück für Stück selbst zusammengefügt und es machte von Tag zu Tag immer mehr Spaß.
Cave: Im Wesentlichen geht es darum, die anderen in der Band zu beeindrucken und für seine Ideen zu begeistern. So in der Art: “Hey Warren, hör’ dir das mal an!” – “Nicht übel, aber was hältst du hiervon?” Auf diese Weise zu arbeiten ist unglaublich befreiend und macht eine Menge Spaß.

Hat euch das vielleicht mitunter auch ein bisschen an eure Anfänge ohne Deadlines und vorgegebenes Korsett erinnert?
(Die anderen stimmen zu)
Cave: Nun, ich erinnere mich des musikalischen Prozesses meiner Anfänge nicht unbedingt als besonders spaßig.

Boys Next Door (Vorläuferband von Caves Birthday Party) klingt so, als könnten die Aufnahmen Spaß gemacht haben…
Cave: Ganz im Gegenteil, insbesondere Boys Next Door war ein verdammter Albtraum!

Dann hört man das nicht, ich mag die Platte jedenfalls sehr.
Cave: Ob du sie magst oder nicht, interessiert mich nicht im Geringsten. Für mich war es wie gesagt ein verdammter Albtraum. In dem Studio, in dem wir die Platte aufnahmen, hatten wir nicht die geringste Ahnung, was überhaupt ablief. Wir waren irgendeinem Idioten von der Produktionsfirma ausgeliefert und hatten keinerlei Erfahrung oder Möglichkeiten, uns irgendwie einzubringen – der ganze Prozess war ein einziger Albtraum. Ungeachtet der Ergebnisse. Und auch viele der Birthday-Sachen waren frustrierend. Wir probierten uns aus, tasteten uns an die Möglichkeiten des Studios heran, hatten aber einfach noch nicht besonders viel Erfahrung. Wir stießen ständig an unsere Grenzen. Ich konnte zum Beispiel damals meine Stimme nie hören und hatte also auch nicht die geringste Möglichkeit, sie wirklich auszuprobieren oder zu lernen, wie sie gut klingt; geschweige denn herauszufinden, was ich kann und was nicht. 30 Jahre später empfinde ich es nun als sehr befreiend, ganz genau zu wissen, was ich tue und alle Freiheiten zu genießen. Ich meine: Ich bin beinahe 50! Ich gebe einen Scheiß auf Erwartungen. Ich muss mich niemandem mehr beweisen, habe alle Freiheiten und kann schlicht und ergreifend machen, wonach auch immer mir der Sinn steht – ein sehr befreiendes Gefühl!

Für mich klingt es tatsächlich ein bisschen wie die Musik, die ihr in euren Anfängen gemacht habt, mit den Fähigkeiten von heute, könnten wir uns darauf einigen?
Cave: Keineswegs. Du hast vermutlich die Biographie gelesen, die irgend so ein beschissener Wichser geschrieben hat. Wir haben nichts mit dieser Bio zu tun und haben sie auch erst gelesen, als es längst zu spät war. Wir stimmen mit nichts aus diesem Text überein. Es ist im Gegenteil vielmehr so, dass wir bewusst versucht haben, unsere musikalische Vergangenheit eben gerade nicht einfließen zu lassen.
Casey: Ihr Jungs von der Presse solltet besser nicht alles glauben, was in solchen Infoschreiben steht. Grinderman klingt nicht im Geringsten wie Dirty Three, geschweige denn wie die Triffids.

(Aufregung macht sich breit) Ehrlich gesagt habe ich diese Bio, auf die ihr ansprecht, erst heute Morgen gelesen, das Album aber bereits vorher ausgiebig gehört. Und mich erinnert das Gehörte eben durchaus an die frühen Birthday Party. Das ist einfach meine Einschätzung.
Sclavunos: Vielleicht hat es ein bisschen was von der Energie dieser alten Aufnahmen. Aber stilistisch stimme ich nicht mit dir überein.
Ellis: Natürlich gibt es Parallelen. Das lässt sich ja schon alleine wegen Nicks Stimme nicht ganz ausschließen. Ich meine: Wir haben nun einmal den verdammten Nick Cave am Mikro!
Cave: Es ist seltsam, dass die meisten Leute dazu neigen, die Vergangenheit und die Gegenwart säuberlich voneinander zu trennen. Dabei sind das doch zwei Punkte auf derselben Linie, die natürlich miteinander verbunden sind. Es ist ja derselbe Mensch, dasselbe Leben. Die Vergangenheit und die Zukunft sind ja miteinander verbunden.

Ihr spielt seit Jahren zusammen bei den Bad Seeds, da werden sich ja gewisse Hierarchien und eine Rollenverteilung eingeschlichen haben. Habt ihr diese interne Chemie so für Grinderman automatisch übernommen oder sind die Rollen hier anders verteilt?

Sclavunos: In der Grinderman-Chemie spielt Speed eine größere Rolle. (lacht)
Ellis: Seit diesem Konzert in der Bush Hall, das du angesprochen hast, ist zwischen uns eine sehr enge Bindung entstanden, die sich über die Jahre immer mehr intensiviert hat.
Cave: Wir arbeiten sehr intuitiv zusammen, kennen einander quasi auswendig. Es gibt also definitiv eine sehr ausgeprägte Chemie zwischen uns. Wir verstehen einander blind, wissen um unsere Bedürfnisse und Eigenheiten.
Sclavunos: Wir brauchen über kaum etwas zu reden.
Ellis: Was mich betrifft, so ermutigt mich die Zusammenarbeit mit diesen Jungs enorm. Alleine ein Anruf von Nick verschafft mir bereits enormen Auftrieb. Das empfinde ich als extrem positiv, diese offene freiheitliche Atmosphäre. Das ist ja keineswegs immer gegeben.
Casey: Eins von Warrens größten Talenten ist es definitiv, immer genau das Gegenteil von dem zu tun, was jeder andere tun würde.
Cave: Stimmt. Was auch einen sehr wichtiger Teil unserer Arbeitsbeziehung ist: Wenn wir miteinander spielen, hat jeder die Freiheit, sich absolut vor den anderen zum Narren zu machen. Es gibt unter uns keine Unsicherheiten oder Schamgefühle, wir vertrauen einander. Dadurch erfährt der musikalische Prozess mitunter eine Intensität, die ich alleine im Büro so natürlich niemals erreichen kann.

Dann war der Plan für Grinderman also keinen Plan zu haben?
Cave: Nein, der Plan war die Welt zu erobern!

Wie wollt ihr das mit nur einer Live-Show schaffen?
Ellis: Das wird die reinste Höllenshow, die alles wegblasen wird, was du bislang gesehen hast! Besorg dir besser schnell eine Karte, die Schlange wird einmal um den ganzen verdammten Block gehen. (Alle lachen)

Bleibt es denn bei diesem einen Deutschland-Konzert?

Cave: Mittlerweile sind es schon zwei. Und in England gehen wir sogar richtig auf Tour. Wir machen es wie die Beatles damals.

Dann müsst ihr aber in Hamburg starten…
Cave: Genau. Wir spielen erst die kleinen Clubs in England, dann gehen wir nach Hamburg, auf die Reeperbahn und von dort ins neue CBGB in Las Vegas. Du wirst es sehen: Von da aus knacken wir die Staaten. Du wirst uns auf der Bühne weder hören noch sehen können wegen all dem Gekreische und den Tonnen von Schlüpfern, die die Mädchen auf die Bühne schmeißen werden. Ich sage dir: Diese Girls werden völlig durchdrehen!
Casey: Und natürlich tragen wir Spandex-Hosen!

Und du bist der Gitarrist – was für eine exponierte Stellung!
Cave: Genau, ich bin der Gitarrist!

Wie ist es denn dazu gekommen, dieses Talent hast du bislang ja erfolgreich vor der Öffentlichkeit verbergen können.
Cave: Ich habe nie in meinem Leben eine Gitarre besessen. Jim und ich zogen in New York los, um eine zu kaufen. Wir landeten in diesem Laden, ich suchte mir eine aus, stöpselte sie ein und stellte fest, dass ich auf Anhieb so klang wie John Lee Hooker! Ein ausgesprochener Glücksfall, ich hätte schließlich genauso gut wie Mark Knopfler klingen können und dann hätten wir ein verdammtes Problem gehabt.

Ich fand eher, du klingst ein bisschen wie Ron Asheton…
Casey: Das ist aber Warren mit seiner Geige!
Cave: Was?
Casey: Er meint, du klingst wie Ron Asheton.

(Zu Ellis:) Ja, aber Martin meinte bereits dass du, Warren, der Ron Asheton-Typ bist.
Ellis: Warum? Weil er so ein Langweiler ist wie ich?
(Alle lachen)
Ellis: Was willst du mir hier unterjubeln, was willst du mir sagen? Ich bin nicht der verdammte Ron Asheton!

Das hat ja auch keiner gesagt. Ich fand, dass dein Spiel hier und da KLINGT wie Ron Asheton. Ich hielt das eher für ein Kompliment.

Ellis: Meine Frau hat mir ein Wah-Wah-Pedal gegeben. In meiner Kindheit spielte ich Violine, Flöte und Akkordeon. Stell dir vor, was das für mich bedeutet hat – ich wollte natürlich auch lieber Rock’n’Roll spielen wie meine Freunde. Bereits damals, ich hörte natürlich wie alle anderen auch AC/DC und solche Sachen, entwickelte ich ein unvorstellbares Verlangen, Rock’n’Roll mit Rock’n’Roll-untypischen Instrumenten zu spielen. Mein Ehrgeiz war und ist, diesen Instrumenten Sounds zu entlocken, die so kein verdammter Gitarrist auf der Welt hinkriegt. Ich habe aber nie in meinem Leben eine Gitarre besessen.
Cave: Ich kann dir Unterricht geben.
Ellis: Auf dieses Angebot warte ich die ganze Zeit. Das ist der einzige Grund, warum ich überhaupt dabei bin. Nein, ich habe eben immer versucht, mein eigenes Ding zu machen, meinen Sound zu finden.

Was dir ja auch ohne Zweifel gelungen ist.
Ellis: (Provokant) Findest du?

Du etwa nicht?

Ellis: Darüber habe ich ehrlich gesagt noch nie nachgedacht. Ich habe aber auf jeden Fall eine Menge Spaß beim Spielen.

Nick, wie unterscheidet sich das Schreiben von Songs auf der Gitarre vom Schreiben auf dem Klavier?
Cave: (Überlegt) Das ist tatsächlich grundverschieden. Wenn du auf der Gitarre schreibst, wird dir auf einmal klar, warum die meisten Songs da draußen so klingen, wie sie nun einmal klingen – alle gleich nämlich. Weil so etwas eben fast zwangsläufig dabei herauskommt, wenn du dich mit einer Gitarre hinsetzt, ein paar Akkorde spielst und dazu singst. Eine wirklich völlig andere Erfahrung als die Arbeit mit dem Klavier. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass die Gitarre mehr zu einem Teil von einem wird, während das Klavier rein körperlich von dir getrennt ist, so dass es leichter fällt, eine gewisse Distanz aufzubauen. Verstehst du was ich meine?

Aber das müsste es doch eigentlich leichter machen?
Cave: Müsste es. Tatsächlich ist es aber viel schwerer, weil es du auf einmal klingst wie all die anderen Arschlöcher. Ein Umstand, den ich mein Leben lang zu vermeiden versucht habe.
Ellis: Es wird einem klar, dass Rock’n’Roll auf diese Art erfunden wurde. Man packt sich diese Gitarre, wringt ihren verdammten Hals aus und am Ende ist es Rock’n’Roll. Die ganze geschichtliche Bedeutung dieses Instruments offenbart sich einem, aber eben auch die Limitierung. Mit der Gitarre kommen ganz andere Phrasierungen zustande.

Die Texte schreibst du aber nach wie vor alleine Nick, oder?
Cave: Ich schreibe die Texte alleine, eine Menge ist aber auch spontan bei diesen Sessions, über die wir vorhin gesprochen haben, entstanden.

Wer sind “the women that we’re leaving?”
Cave: In diesem speziellen Fall?

Yep.
Cave: Ich habe diese Zeile nie so verstanden, dass wir die Frauen generell verlassen, sondern den Satz “Go tell the women that we’re all leaving” vielmehr auf bestimmte Situationen gemünzt, denen wir ausweichen.
Casey: Sie sind in der Küche und wir nicht.
Cave: Zum Beispiel. Oder sie sitzen auf der Waschmaschine oder reinigen den Radiator. (alle lachen)

Wie schafft ihr es eigentlich, eure mannigfaltigen Aktivitäten unter einen Hut zu bringen und trotzdem nicht den Spaß an ihnen zu verlieren?

Ellis: Was mich betrifft, so ergibt sich die Motivation daraus, dass ich es schaffe, all diese Dinge, die mir wichtig sind, tatsächlich zu machen. Wenn ich eine Sache beendet habe, gibt mir das die Power, das nächste Projekt anzugehen. Ich bin absolut glücklich mit meiner Situation und weiß meine Freiheiten sehr zu schätzen. Und dann mache ich auch keine halben Sachen, ich gebe immer 100%, egal, worum es geht. Das würde ich vermutlich sogar für eine beschissene Sting-Platte tun.
Cave: Jetzt wird’s interessant! Wie viel Prozent würdest du für Sting geben?
Casey: Hey Warren, das Telefon klingelt. Sting ist dran!
(Alle lachen)
Ellis: Welches Jahrhundert, was für eine Tonart? Das wäre alles und dann auf Autopilot. Alleine die Vorstellung langweilt mich. Nein, die letzten Jahre waren unglaublich aufregend für mich. All diese Dinge tun zu können… Das einzige Problem ist dabei wirklich, eine Balance zwischen meiner Arbeit als Musiker und dem Leben mit meiner Familie hinzukriegen. Man muss auch Nein sagen können. Und klar: Manche Dinge muss ich absagen, irgendjemand ist immer enttäuscht.
Cave: Ich finde es eigentlich ziemlich einfach zu entscheiden, was man tun will und was nicht. Wenn ich eine E-Mail von meinem Assistenten mit einer Anfrage kriege und nicht unmittelbar antworte, sagt er den Leuten ab. So läuft das bei uns. Für mich eine äußerst simple und effektive Methode.

Neben euren vielen Verpflichtungen wohnt ihr ja auch ziemlich weit auseinander. Nick in Brighton, Warren in Paris, Martin in Perth und Jim in New York. Da ist schon ein gewisses Organisationstalent gefragt, wenn man miteinander arbeiten will.
Warren: Die Entfernung ist kein Problem mehr. Wir sind seit Jahren daran gewöhnt. Das ist natürlich nicht einfach, aber wir haben Wege gefunden. Mit Dirty Three ist es noch viel schlimmer. Natürlich sind Computer eine große Hilfe, wir können Soundfiles hin und herschicken und so eine Menge vorbereiten.

Grinderman ist doch ein anderes Wort für einen besonders ausdauernden Liebhaber, oder?
Cave: Klar. Das Wort kommt von einem alten Blues-Song, in dem es genau um das geht, was du gesagt hast. Ich denke aber, wir haben eine andere Konnotation gefunden. Ich meine, unsere Musik ist grinding, sie knirscht und mahlt, oder?

Klar. Und am Ende ist sie genau das: Blues.
Cave: Auf jeden Fall, das haben wir immer getan – den Blues gespielt. Alles, was wir machen, kommt daher.

Ein modernes Update, eine urbane Version?
Ellis: Ich denke nicht, dass der Blues ein Update braucht. Diese Musik, diese Songs, haben nie aufgehört relevant zu sein. Wahrscheinlich sind sie es heute sogar mehr als je zuvor.

Und im Sommer gibt es dann ja auch schon wieder das nächste Bad Seeds-Album, richtig?

Cave: Yeah. Und es wird großartig werden, verlass dich drauf!

Text: Torsten Groß