Ein kleiner Vorgeschmack auf das diesjährige Haldern-Festival am Niederrhein bot sich am Dienstag im Skala. Dort versammelten sich die nordischen Bands Marching Band, Wildbirds & Peacedrums und Hjaltalín, um sich im Rahmen der Haldern Pop Tour warm zu spielen.

Noch vor Konzertbeginn tummeln sich die jungen Skandinavier in Flip Flops um die Tische der Außenterasse des Skalas. Gelassen sprühen sie sich vor dem Tourbus mit Deo ein und sitzen gemütlich bei Wein und Bier in der lauen Frühlingsluft.

Zum Auftakt des Abends stehen Marching Band auf der Bühne. Fünf schwedisch gekleidete Jungs in Röhrenjeans, Sänger Jacob trägt einen Pullover mit Wölfen drauf.
Zunächst wirken sie wie eine Schülerband bei einem Auftritt in der Aula, auch der Glitzervorhang im Hintergrund passt gut. Vereinzeltes Mitwippen im spärliches Publikum. Wahrlich zu überzeugen weiß die Mimik des Gitarristen, der so in seine Musik vertieft ist, dass auch das Publikum langsam den Zugang findet. Der rhythmische Indiepop und die harmonischen Gesangsduette der Jungs sind nett, doch das Publikum lässt sich nicht richtig fangen, eine Tür steht offen und große musikalische Überraschungen bleiben aus.

Mitreißend wird es, als Wildbirds & Peacedrums die Bühne betreten. Ein Herr namens Andreas Werlin trommelt sich die Seele aus dem Laib während Freundin Mariam Wallentin dazu schreit und tanzt.

Zwischen den Songs gibt es keine großen Ansagen, sie will nicht aus der Ekstase gerissen werden, in die man sich selbst hat fangen lassen. Selten klingen leichte Melodien aus den Lautsprechern, überwiegend ist es jedoch nur Werlins Schlagzeug, das den Takt angibt. Mit Glockenspiel, Trommeln und Schellenring gibt die kleine Frau auf der Bühne dem Publikum den Rest. Ihre Stimme ist überwältigend und dabei alles auf einmal: wuchtig und wild wie Amy Winehouse, zerbrechlich wie Chan Marshall (Cat Power) und hoch und klar wie Regina Spektor. An vielen Stellen tritt sie nicht mal ans Mikrofon. Das Publikum applaudiert heftig und gibt auch nach einer Zugabe keine Ruhe. Bei erneutem Betreten der Bühne dienen Wallentins Absatzschuhe auf dem Bühnenboden gleichermaßen als Instrument wie die Kisten und Lautsprecher im Hintergrund der Bühne. Diese Improvisation ist großartig und wird immer besser. Die Sängerin grölt wilder, holt sich eine Rassel, trommelt mit Sticks, verliert sich selbst – und ganz am Schluss vor lauter Euphorie auch ihre Handtasche.

Etwas ruhiger wird es, als die sieben Damen und Herren der isländischen Band Hjaltalín musizieren. Sie erinnern ein wenig an eine folkige US-Country-Truppe – jedoch mit isländischer Kreativität und mehr Charme. Der Sound ist hervorragend und sie spielen sich mit Instrumenten wie Fagott und Geige durch ihr rhythmisches Songrepertoire. Dazwischen findet sich auch das wunderbare „Thu komst vid hjartad i mer“, dessen isländische Lyrics Sänger Sigga netterweise übersetzt: „Als du in mein Leben tratst, veränderte ich mich. Du berührtest mein Herz.“ Er sagt: „Das ist vielleicht kitschig, aber auf isländisch klingt es sehr schön.“ Recht hat er.