Afrob trumpft auf mit seinem dritten Album “Hammer”. Präsent war er immer, weil er wohl einer der gefragtesten Künstler der deutschen HipHop-Szene ist. Nach dem letzten großen Projekt ASD zusammen mit Samy Deluxe ist es jetzt wieder einmal Zeit für ein Solo-Album. Neben ihm selbst werden aber auch wieder eine Menge bekannte Größen zu hören sein, wie unter anderem Dean Dawson, Max Herre und sein Idol Light von den Bush Babees. Musikalisch setzt er dort an, wo ASD aufgehört hat, denn Afrob hat seine damals aufgebauten Kontakte spielen lasen und sich erneut Beats aus dem Mutterland des Rap geholt.

Siehst du dein Album als reine Unterhaltung?
Nein. Aber wenn du dir das Album anhörst, ist es erst mal Unterhaltung. So lange es Musik ist, ist es immer zum Kopfnicken und Zeitvertreib. Es ist halt amüsant. Aber ich mache auch sozialkritische Tracks, selbst auf ‘nen Beat, der echt nach vorne geht und wo der ein oder andere Rapper einen Battletrack machen würde. Bei “Stop Die Party” ist es kritisch, aber ich habe mehr so Bilder wie bei “Falling Down” mit Michael Douglas gehabt. ‘Ich will nur mein Leben leben. Ich bin nicht kritikwürdig? Was? Ihr wollt mich alle ficken, ich ficke Euch!’ Deshalb stoppe ich eure Party. Nicht nur, dass ich aufzähle: “Dies ist scheiße und das”, sondern auch in einer Geschichte verpackt.

Ich finde, das Album hast aber schon eher einen partylastigen Vibe.
Ich finde gut, dass du das sagst, auch wenn es nicht unbedingt richtig ist. Aber ich weiß, was du damit meinst. Das haben die Leute auch schon bei meinem ersten Album gesagt: “Das klingt so partylastig.” Es ist nicht Party, es ist Club!

Du hast ja auch einige amerikanische Produzenten auf deinem Album und dein Sound geht ja auch schon in die US-Richtung. Findest du nicht, dass im Moment vom Sound her in Deutschland sehr stark die Orientierung an den Staaten zu erkennen ist?
Ich orientiere mich schon an Amerika, aber das machen eigentlich alle. Aber was ich für meine Sachen persönlich will, ist, dass es schon europäisch klingt. Das ist mir echt verdammt wichtig. Ich habe auch Beats, wo ich mir sage: “Mann, das klingt richtig europäisch! Das klingt richtig von hier!” Wir hatten schon Beats von hier, als wir mit ASD in Amerika waren und haben den Amis die Beats von Leuten von hier gezeigt. Sie waren richtig geflashed. Die haben das verstanden. Das ist eine Qualität. Das ist der Sound, den ich auch gerne höre und das ist der Sound, der hier gemacht wird, und ich haue das zusammen. Das ist eigentlich echt schon so ein globales Album. Der Kontakt kam zustande, als wir mit ASD dort waren und einige Leute kennen gelernt haben, die uns dann wieder andere Leute vermittelt haben. Bei unseren Soloalben nach ASD haben wir schon die gleichen Kontakte gehabt, aber auch andere Producer gekriegt. Ich und Sam schmeißen uns immer noch CDs hin und her und sagen: “Hier hör mal, da gibt’s bestimmt noch Sachen für dich! Die habe ich von dem und dem gekriegt.”

Du hast auf dem Track “WAS” ja auch über deine Vergangenheit und deine alten Kumpels gerappt, die du hinter dir gelassen hast und die auch ein wenig verloren haben.
Das heißt nicht, dass die verloren haben. Das heißt, dass sie immer noch da sind, wo sie sind. Solche Leute gibt’s halt. Die siehst du mit 20 am Platz, die siehst du immer da und die siehst du zum Teil mit 30 immer noch da. Und da merkst du, dass die Leute nicht die Sprünge gemacht haben, die man eigentlich machen sollte. Das ist halt so eine Alltagsszene. Wenn ich dahin laufe, wo ich aufgewachsen bin, und da all die Typen sehe, denke ich: “Sag mal, die kenne ich doch alle?!”. Dann merke ich: “Das sind doch die gleichen Typen, die da schon früher bei uns rumhingen, als wir noch Kinder waren.” Und so was gibt’s. Viele Leute fragen mich immer nach den Straßenzeug und ob das überhaupt glaubwürdig ist. Ich habe das denen schon damals bei meinem ersten Album versucht zu erklären, weil die mich alle auf “Spektakulär” angesprochen haben und ob es hier überhaupt Straße und Ghetto gibt. Hier gibt es schon ein Straßenleben. Es ist nicht so wie in Amerika oder Frankreich. Es gibt ja Statistiken mit Kinderarmut oder zu Hartz IV. Und das sind nicht bloß Zahlen und Statistiken, sondern das sind Menschen, die es gibt. Und die leben. Bloß weil ihr mit denen zum Teil nicht in Berührung kommt, heißt das noch lange nicht, dass das alles nur erfundene Geschichten sind.

Das Straßen-Gangsta-Ding ist ja auch gerade ein Trend in der deutschen Szene, wobei vieles oft mehr Entertainment als Wirklichkeit ist. Ich finde es problematisch, dass das alles so glorifiziert wird. Findest du das gut, dass da endlich mal drüber gerappt wird, oder findest du es eher schlecht, weil da so viel Scheiße erzählt wird?
Ich erzähle nur das, was ich wirklich erlebt habe und was ich gemacht habe. Und bei mir gibt es genug Leute in Stuttgart, die mich kennen und die wissen würden, wenn ich Scheiße erzählen würde. Ich könnte denen nicht ins Gesicht gucken und denen die Hand geben, wenn die wüssten, dass ich Scheiße erzähle. Ich würde mich schämen. Wenn die anderen halt erzählen, was sie erzählen, und die das wirklich alles gemacht haben, dann scheiß drauf. It’s all good, damit habe ich überhaupt kein Problem. Aber wenn die irgendwelche Geschichten erzählen, ist das nicht gut. Wenn die damit leben und noch gut schlafen können, dann ist es mir egal. Aber mir ist es Line für Line, Spruch für Spruch unmöglich, was zu erfinden. Allein wegen meines Stolzes beim Schreiben. Das geht schon gar nicht, dass ich so was schreibe. Ich würde im Kopf auch gar nicht so auf die Idee kommen. Deshalb habe ich mich immer an das gehalten, was ich gemacht habe und ich brauche mich vor nichts zu verstecken. Ganz im Gegenteil, denn ich glorifiziere diese Straßenscheiße überhaupt nicht, denn ich will da raus. Gangster sein ist ein Scheißleben. Glaub mir. Und Gangster erzählen auch nicht auf Platte, was sie alles machen. Wir sind alles Kleinkriminelle, wenn nicht sogar nur Läufer, die für irgendjemand anderen irgendwo hingegangen sind und was verkauft haben, aber keine G’s!!

Ich fand “Zähl Mein Geld” sehr lustig. Was hat Dich denn bewegt diesen Track zu machen?
Ich liebe diesen Track. Cool, dass du mich danach fragst. Für mich ist das der geilste Song.

Der Inhalt hat für mich so die deutsche Mentalität verkörpert: “Das ist meins, scheiß auf die anderen!”
Genau! Das ist es nämlich. Aber wer kann es denn den Leuten übel nehmen?! Ganz ehrlich, darum geht es auch. Die Leute werden doch alle nur gerippt. Die Leute sagen alle: “Recht hat er!” Ich zähle mein Geld im Keller. Ich gebe einen Scheißdreck. Die Menschen werden dazu getrieben, dass sie so abgehen. Jeder mag den Song.

Dein Anti-Rassismus Engagement über die “Brothers Keepers” ist ja auch recht groß. Ich verstehe es nicht, dass es in der Szene nicht möglich ist, Rivalitäten hinter sich zu lassen und für eine Sache zu kämpfen, denn im Moment wird es ja wieder schlimmer.
Als ich “Made in Germany” damals rausgebracht habe, da sind die Leute massenweise verreckt wegen irgendwelchen Nazis. Und denkst du, irgendwer aus der Rap-Szene hat irgend etwas gesagt?! Nicht einmal in einem Interview! Das ist krass. Das ist eigentlich eine Schande. Und ich habe mir gedacht, wenn ihr dass nicht macht, dann mache ich das. Und das haben sie mir dann auf den Kopf gehauen, dass ich jetzt der Rassist wäre, weil ich pro-black bin. Ich habe gedacht, die Leute verstehen das schon: “Alle zusammen. Wir machen das schon. Wir müssen hier eine Front bilden oder so.” Das war nie gegen irgend jemanden gerichtet. Und wenn einem so was so auf den Kopf geschlagen wird, denkt man sich nur so: “Ihr seid echt Idioten.” Es hat mich ja auch viel gekostet. Ich habe ja auch gar keine Promo dafür gekriegt. Ich habe keine Fernsehsendung für das Album gekriegt. Es hat einfach keinen interessiert. Traurig.

Text: Martin Gegenheimer