Der Samstag läutet Runde Zwei des Highfield-Festivals ein. Während alle anderen Festivals in Regen und Matsch versunken sind, war uns Petrus dieses Wochenende gut gesonnen und versorgte Festivalbesucher und Bands mit Hitze satt. Den Tag begonnen haben wir mit BLUMENTOPF, eine Formation, die nächstes Jahr schon ganze zwei Jahrzehnte Musik geschrieben hat – HipHop-Urgesteine wie sie im Buche stehen. 

Bernhard Wunderlich aka Wunder aka Holunder von Blumentopf (Foto: Elli Eberhardt).  

Blumentopf sind alltagstauglich, nehmen sich selbst auf den Arm und improvisieren hier und da situationsbezogen. Der Fakt, dass es noch nicht mal 15 Uhr ist, scheint die wenigsten zu stören und kostet Blumentopf kein Publikum. Im Gegenteil: Rap und Sitzparade am Morgen, vertreiben Kater und Sorgen. Oder so ähnlich. 

Blumentopf im Sitzen (Foto: Elli Eberhardt). 

Schon unter der Nachmittagssonne ist das Festivalgelände brechend voll, was bei dem qualitativ hochwertigen und Pop- und Post-Punk orientierten Line-Up des Samstags niemanden verwundern sollte. Neben DENDEMANN, den wir leider aufgrund eines Interviews mit THE NATIONAL-Sänger Matt Berninger verpassten, waren hochkarätige Headliner am Start (die nicht mal wirklich alle als Headliner deklariert wurden), darunter eben genannte The National, INTERPOL, WHITE LIES und THE KOOKS (und natürlich 30 SECONDS TO MARS).

Das Baritonstimmen-Trio, unter welches nun die drei erstgenannten Bands fallen, war in jedem Einzelfall überzeugend. Hier wird Show noch klein geschrieben, im Vordergrund steht die Musik. Umhüllt von dunklen Stimmen und weiten Gitarren war das Publikum für mehrere Stunden in eine Art nachdenklichen, sphärischen Zustand versetzt. Obwohl die Sonne im Nacken brutzelte, der Gänsehaut-Faktor fehlte bei keiner der Bands.

Harry McVeigh von White Lies (Foto: Elli Eberhardt). 

Während die britischen White Lies sich noch größtenteils der eher pop-lastigen Schiene widmen, wurde die Luft bei den beiden darauf folgenden Bands schwerer. Vor allem The Nationals Matt Berninger sprühte vor Temperament und Sensibilität, schrie heiser seine von Persönlichkeit getränkten Worte ins Mikrophon, die vermutlich wie ein Film in seinem inneren Auge aufkochten.

Matt Berninger von The National (Foto: Elli Eberhardt). 

The National und Interpol erweckten eine emotionale Ergriffenheit und absolute Ansteckungsgefahr, die auch bis zum letzten Song anhalten sollte. 

Paul Banks von Interpol (Foto: Elli Eberhardt). 

Im Anschluss beehrten The Kooks die Bühne. Eine Band, die irgendwie auch Everybodys Darling ist; Musik, die nach Sommer klingt und alle tiefen Gedanken mit einem Wisch beiseite schiebt. Lockenkopf Luke Pritchard versteht es, sein nicht nur aus kleinen Indie-Mädchen bestehendes Publikum in den Bann zu ziehen. Trotz Genrewechsel ist die Stimmung mit einem Schwung leichtfüßig und somit das komplette Gegenteil von den Künstlern zuvor.

The Kooks (Foto: Elli Eberhardt). 

Frohlockend grinst Luke Pritchard mit seinen Kollegen um die Wette, brabbelt hin und wieder ein paar genuschelte, englische Brocken ins Mikrophon und läuft wirklich jeden Meter der Bühne ab. Ein paar viel versprechende Songs vom bald erscheinenden Album “Junk Of The Heart” hatte das Quartett auch im Gepäck.

Luke Pritchard von The Kooks (Foto: Elli Eberhardt). 

Großer Tiefpunkt des Abends, wenn nicht gleich des gesamten Festivals, waren 30 Seconds To Mars. Nach großem Tamtam um ein Fotoverbot im Pressegraben und auch sonstigen Auflagen schwingt sich Sänger Jared Leto verheißungsvoll mit Sonnenbrille und schwarzem Mantel auf die Bühne. Die One-Man-Show wirkt wie ein Hollywood-Film, bei dem die Musik als einfacher Soundtrack dient. Man ist gespannt, wie die Handlung weiter verläuft, gebannt auf den Sänger, der während des Konzerts auf einem imaginären Podest steht und, das muss man dieser Band wirklich lassen, es versteht, eine riesige Show abzuziehen. 

Panorama-Blick für 30 Seconds To Mars (Foto: Elli Eberhardt).  

Eine Brise Arroganz steht vielen Musikern hervorragend, Leto schien allerdings wie von einem anderem Planeten, lebend in einer Seifenblase von Glanz und Glamour. Großzügig holte er Fans auf die Bühne, wies sie aber scharf von sich, wenn sie zu nahe traten, und das nicht nur in Worten (“Get the fuck off the stage now!”). Schade war vor allem, dass dabei der Gesang nicht mit der Musik harmonierte. Viel Show um nichts und mehr Schein als Sein. Der ganze Gig litt unter einem selbstverliebten Sänger, der es zwar versteht, seine Fans mitzureißen, alle anderen Zuschauer aber zu verschrecken und ein Unverständnis zu hinterlassen, warum diese Band als ein Headliner durchspazierte.

»Hier gehts zum Highfield-Freitag.
»Hier gehts zum Highfield-Sonntag.

Vom Highfield-Festival berichtete für euch Elli Eberhardt.