Mit seinem dritten Album ‘In Between Dreams’ hat es Jack Johnson endlich geschafft. Noch nie zuvor haben so viele Menschen seine Musik gehört, geliebt und gekauft. Es sind tatsächlich so viele, dass fast sämtliche seiner bevorstehenden Konzerte von den kleinen in die großen Hallen verlegt werden mussten – und trotzdem komplett ausverkauft sind. Jack Johnson – der Mann der Stunde.

Zu gönnen ist Jack der Erfolg sehr, schließlich hat er bereits mit ‘Brusfire Fairytales’ und dem Nachfolger ‘On And On’ Prächtiges produziert und trotzdem – so recht weiß man nicht, ob man Jack Johnson dafür gratulieren oder bemitleiden soll. Denn jetzt ist er weltberühmt, steht ob der hohen Erwartungen wahrscheinlich unter gehörigem Druck und auch seine Heimat (und zugleich sein Rückzugsidyll Hawaii) wird bald von schweißtriefenden  Fans belagert… Und weil ihr Idol ja eigentlich Surfer ist, wollen die jetzt bestimmt auch noch surfen lernen…

Zugegeben, dieses düstere Szenario passt so gar nicht zu dem Mann mit Gitarre und vor-Harmonie-zerfließender Stimme. Mit Sicherheit ist auch nicht zu befürchten, dass er – vom Ruhm getrieben – wahnsinnig wird. Schließlich ließ er uns mit der Textzeile “Slow down everyone you are moving to fast!” aus einem seiner ersten Hits ‘Inaudible Melodies’ wissen, wie sein Herz schlägt: Einen Tick entspannter nämlich. Dieser Rhythmus zieht sich wie ein roter Faden durch alle Songs und das Schöne daran: beim Hören überträgt er sich sofort auf das eigene Gemüt. Seine Musik umarmt, kuschelt ein, ist eine Einladung, sich gelegentlich auch mal zurückzulehnen, durchzuatmen und selbst an verregneten Tagen nicht den Kopf hängen zu lassen, denn es gibt ja noch so wundervolle Dinge wie Banana Pancakes. Aber nicht nur leckere Süßspeisen werden von Jack und seinen Kollegen Adam Topol (Drums) und Merlo Podlewski (Bass) besungen. “Give me some truth”, fordert er die Medien auf, weist uns immer wieder auf die vielen kleinen und längst bekannten Schönheitsfehler hin – ohne belehrend den Zeigefinger zu heben. Deshalb verkommt sein Sound auch nicht zur therapeutischen Dudelmusik, vielmehr wünscht man sich eigentlich, dass noch viel mehr Menschen die Musik von Jack Johnson hören und auch verinnerlichen.

Wenn der Ozean und sein Brett tatsächlich die wichtigsten Lehrmeister waren, dann ist es vielleicht nicht verkehrt, selber mal auf den Wellen zu tanzen. Eines ist gewiss – Jack wird es auch dann noch tun, wenn seine Gitarre schon längst in der Ecke verstaubt.

Text: Kamilla Jarzina