Die musikalische Partnerschaft bestehend aus Alexis Taylor, Joe Goddard, Owen Clarke, Al Doyle und Felix Martin formierte sich ganz allmählich und findet nun ihren bisherigen Höhepunkt im dritten Hot Chip-Album ‘Made In The Dark’, dem Nachfolger zu ihrem Goldseller und Mercury Music Prize-nominierten Album ‘The Warning’.

Den Kern der Combo bilden Taylor und Goddard, zwei Schulfreunde, die früh gewisse Gemeinsamkeiten entdeckten und sich mit einer Sammlung billiger Synthesizer, Gitarren und Percussioninstrumente zu Hause an ersten Aufnahmen versuchten. Clarke, ein weiterer Mitschüler, stieß kurze Zeit später zu dem Duo und beeindruckte mit seinem konzentrierten Stil sowie hinterhältigen musikalischen Experimenten. Das Endprodukt dieser Ära war der erste komplette Hot Chip-Longplayer ?Coming on Strong’, erschienen bei Moshi Moshi Records (in USA über Astralwerks).
?The Warning’ war ein bedeutender Schritt in Sachen Songwriting und Produktion, obwohl auch dieser Zweitling immer noch daheim und ohne Ausflüge in professionelle Studios entstanden war (DFAs freundliches Angebot wurde dankend abgelehnt).

Al Doyle und Felix Martin, sowohl bereits Mitglieder der Band wie auch in eigene musikalische Projekte involviert, engagierten sich nun als Vollzeitmitglieder, da Hot Chip als Liveact zunehmend populärer wurden und bereits in den Vereinigten Staaten, dem UK und Europa gefragt war. Der Sound der Band entwickelte sich in Richtung wilderer, schwererer Elektronik, allerdings immer noch gepaart mit der für Hot Chip typischen Popästhetik.
‘The Warning’ hob sich wohltuend von der Konkurrenz ab, als es im letzten Jahr für den Mercury Music Prize nominiert wurde, und seine Kombination aus zukunftsweisenden Popproduktionen, Liebe zum 2-Step-Garage und unverfälschtem Eklektizismus erfasste die Essenz des Rave, ohne dabei auch nur entfernt wie dieses Genre zu klingen. Von der empfindsamen Wehmut von ‘Colours’ über die schwindelerregenden, beinahe schon lässigen Melodien von ‘Boy From School’ bis hin zum exquisiten Herzschmerz von ‘Look After Me’ bewiesen Hot Chip, dass sie genauso überzeugend intime, melancholische Songs wie Tanzflächenfüller kreieren können.

Der herausragendste Track auf ‘The Warning’ war die Single ‘Over and Over’, ein Ruf zu den Waffen und Seitenhieb gegen all jene, die Hot Chip beim ersten Mal zu entspannt fanden. Entspannt? Wir zeigen euch entspannt!’ Von den magischen Glocken, Bimmeln und Glockenspielen des Openers zu den darauf folgenden Schichten aus pumpenden Beats, kam der Song offenbar bei den meisten von uns an, denn Over and Over’ wurde nicht nur für den Ivor Novello Award nominiert, sondern auch vom NME zur Nr. 1-Single des Jahres 2006 gewählt.

Remixversionen für Acts wie die Rolling Stones, Scissor Sisters, The Go! Team und Gorillaz entstanden, bevor Hot Chip sich die Verantwortlichkeiten auf ihrer 2-Track-12″-Überarbeitung von ‘Aerodynamik’ und ‘La Forme’ von Kraftwerks Tour De France-Soundtracks-LP teilten, die beim Klang Klang Product-Label der deutschen Pioniere in limitierter Stückzahl erschien. Im Mai 2007 Jahres stellten Hot Chip dann ihr gefeiertes DJ Kicks-Album zusammen.

Zwei Jahre lang waren Hot Chip auf der ganzen Welt unterwegs, besuchten Australien und Japan und Südamerik. Livemusik war schon immer das Herzstück dieser Band. Es scheint also unvermeidlich, dass das neue Album ‘Made In The Dark’ einige ihrer Performances in einem traditionelleren Rockmusikstil einfängt, denn inzwischen haben sich mächtige Verstärker, Keyboards und Verzerrungen in das Hot Chip-Arsenal eingeschlichen.
Dieser härter gewordene Sound wird nirgendwo offenkundiger als in der Todd Rungden-Sampling-Hymne ‘Shake A Fist’, die für großes Aufsehen sorgte, als sie zu Beginn des Jahres als limitierte 12″ erschien. ‘Made In The Dark’ überrascht mit mehr Hot Chip-Balladen als jede andere ihrer Veröffentlichungen und beweist gleichzeitig ihre große Liebe zum tief empfundenen Soul. Alexis’ Stimme klingt so sanft und schön wie eh und je und beschwört die engelsgleiche Sinnlichkeit von Folk-Acts wie Bonnie Prince Billy und Richard und Linda Thompson; wofür der Titeltrack ‘Made In The Dark’ sowie ‘We’re Looking For A Lot Of Love’ übrigens perfekte Beispiele sind. Seelenvolle Introspektiven neben Songs wie ?Bendable Poseable’ sorgen für zusätzliches rhythmisches Chaos, und ‘Ready For The Floor’ und ‘One Pure Thought’ ergänzen die Mischung durch reinen, unverfälschten Headrush-Pop. Keiner der Songs ähnelt dem anderen, und doch hat jeder seinen Platz, was nicht verwundern sollte bei Songwritern, die mit “Sign ‘O’ The Times” und “The White Album” aufgewachsen sind.

‘Made In The Dark’ ist eine Platte, die weitgehend zu Hause aufgenommen und ausschließlich von der Band selbst produziert wurde (mit der wertvollen Unterstützung von Soundengineer Jonathan Digby). Obendrein wurden Stücke wie ?Hold On’ und ?Out At The Pictures’ von der gesamten Band live und in einem Durchgang eingespielt. Durch das gesamte Album hindurch ziehen sich Reminiszenzen an früherer Songs und Stilrichtungen, Schritte nach vorn, nach hinten und zur Seite. Clarkes typische Gitarren- und Keyboard-Riffs, Doyles hochkalibriges musikalisches Können und Martins Programmierfähigkeiten haben sich mit dem erstaunlichen Talent von Goddard und Taylor auf eine Art zusammengetan, die die neuen Songs sogar noch treibender, repetitiver, rhythmischer, methodischer, schiefer, intimer und schöner als je zuvor gelingen ließ.
“Made In The Dark” erscheint im Februar 2008 bei EMI Music Germany. Zwei Jahre später, im Februar 2010, erreicht der Viertling “One Life Stand” die Plattenläden.

Hot Chip sind:
Alexis Taylor – Gesang, Synthesizer, Gitarre, Percussion, Klavier
Joe Goddard – Gesang, Synthesizer, Percussion
Owen Clarke – Gitarre, Bass, Synthesizer
Al Doyle – Gitarre, Synthesizer, Percussion
Felix Martin – Drums, Synthesizer