Seit ihm 1994 mit dem Überraschungshit “Vier Hochzeiten und ein Todesfall” der große Durchbruch als Schauspieler gelang, wird Hugh Grant immer wieder als typisch britischer Charmeur und Herzensbrecher besetzt. In “Notting Hill” spielte er neben Julia Roberts, in “Ein Chef zum Verlieben” neben Sandra Bullock und in den “Bridget Jones”-Filmen war er an der Seite von Renée Zellweger zu sehen. Auch als britischer Premierminister in “Tatsächlich… Liebe” oder in der Romanverfilmung “About a Boy” feierte er große Erfolge. In seinem neuen Film “Mitten ins Herz”, der ab dem 8. März in den deutschen Kinos läuft, spielt er einen ehemaligen Pop-Star, der händeringend an einem Comeback arbeitet – und sich natürlich auch verliebt. Grants Partnerin in der romantischen Komödie ist dieses Mal Drew Barrymore.

Hugh Grant, mal wieder spielen Sie in “Mitten ins Herz” die Hauptrolle in einer romantischen Komödie. Sehnen Sie sich eigentlich nie nach anderen Rollen?
Es ist ja nicht so, dass ich nicht auch schon mal etwas anderes gespielt hätte. Denken Sie an “American Dreamz”, da war ich ein ziemlicher Unsympath. Aber kein Mensch guckt diese Filme, das ist das Problem. Jedes Mal, wenn ich von meinem Schema abweiche und etwas Neues versuche, trifft den Film dieser Fluch und er wird ein Flop. Trotzdem sollten Sie nicht glauben, ich würde diese Komödien drehen, weil das leicht ist. Solche Filme sind wie ein gutes Soufflé: herrlich locker, wenn man sie konsumiert, aber ein Albtraum in der Entstehung. Diesen leichtgewichtigen Humor hinzubekommen, ist verdammt schwer.

Werden Ihnen ernste, düstere Stoffe gar nicht mehr angeboten?
Doch, und ich könnte so viele solcher Filme drehen, wie ich wollte. Ich würde natürlich viel weniger Gage bekommen als sonst, aber das ist gar nicht der springende Punkt. Es geht mir viel mehr darum, dass ich am liebsten auf einem Gebiet schauspiele, in dem ich etwas Einzigartiges und Besonderes leisten kann. In bitterernsten Dramen halte ich mich aber nur für okay, während andere dort ihr Spezialgebiet haben und viel besser sind. Ich verspüre also keinen großen Drang, mich dort beweisen zu müssen, denn ich fühle mich ziemlich wohl mit dem, was ich mache.

Halb im Spaß, halb im Ernst beschweren Sie sich ja immer mal wieder über Ihren Beruf. Warum haben Sie ihn dann noch nicht an den Nagel gehängt?
Meinen Job gut zu machen, ist immer noch sehr befriedigend. Der Versuch, es vielleicht sogar noch besser zu machen als beim letzten Mal, übt dabei eine magische Anziehung auf mich aus. Vermutlich ist es die Mischung, die mich immer weiter machen lässt: halb Enthusiasmus, halb Masochismus.

In Ihrem neuen Film singen Sie auch. War das Ihr Ding?
Nun, meine Gesangskarriere verläuft bestens. Das Album zum Film ist in den USA gerade das am häufigsten runtergeladene Album im Internet. Ich bin also ein größerer Pop-Star als Justin Timberlake! Aber im Ernst: Ich hatte nie Gesangsunterricht, wenn man mal von ein paar Stunden zu Beginn meiner Schauspielkarriere absieht. Damals litt mein Selbstbewusstsein ein wenig, weil ich im Gegensatz zu meinen Freunden nie eine Sprechausbildung oder Stimmtraining hatte. Also ging für kurze Zeit zu einem dicken Mann im Poncho, der am Klavier saß und immerzu rief: “Hugh, du kannst singen. Singe einfach laut!”  Bleibende Wirkung hatte das allerdings nicht.

Wie schon vorher mit Julia Roberts oder Sandra Bullock haben Sie auch mit Drew Barrymore eine bemerkenswerte Chemie. Haben Sie ein gutes Händchen bei der Wahl Ihrer Partnerinnen oder macht das Arbeiten mit Ihnen einfach so viel Spaß?
Ich bin einfach ein liebenswürdiger Mann! Doch um ehrlich zu sein: so etwas liegt wirklich nur am Drehbuch. Wenn man dort eine schöne Geschichte liest mit zwei Charakteren, denen man wirklich ein Happy End wünscht, dann kann man als halbwegs fähiger Schauspieler kaum etwas falsch machen. Dann entsteht die Chemie vor der Kamera von ganz alleine.

Sie gelten als zurückgezogener Einzelgänger. Trifft das zu?
Nein, nicht so ganz. Es ist bei mir, wie wahrscheinlich bei den meisten Menschen, eine gesunde Mischung. Tatsächlich ist es meine Idealvorstellung, ungestört und alleine in meiner eigenen kleinen Lebensblase zu sein, aber dennoch viele Einladungen zu bekommen. Wenn ich nicht genug Einladungen bekomme, werde ich richtig grantig, denn ich möchte überall erwünscht und gewollt sein, selbst wenn ich letztlich doch zu Hause bleibe. Was allerdings nicht heißen soll, dass ich nicht auch hin und wieder gerne auf Partys gehe. Die Lust auf so etwas kommt bei mir immer in Phasen.

Sehen Sie Ihren Ruhm denn dann eher als Segen oder als Fluch?

Ich würde sagen, das hält sich sehr die Waage. Es klingt immer so entsetzlich, wenn man sich darüber beschwert, denn natürlich ist es wunderbar, viel Geld zu verdienen und Aufmerksamkeit zu bekommen. Dieser Egotrip hat schon etwas für sich. Andererseits weiß man erst, wie wertvoll die Privatsphäre ist, wenn man sie verloren hat.

Spielen Sie damit auf die Situation bei einer Filmpremiere in Holland an, wo sich kürzlich eine Reporterin mit Handschellen an Sie kettete?

Nein, gar nicht, denn die Sache mit den Handschellen war nichts verglichen mit den komplett erfundenen Geschichten über mein Privatleben, die in der britischen Presse geschrieben werden. Das ist schon schwer zu ertragen, gerade in der Situation, in der ich aktuell bin [Grant trennte sich vor einigen Wochen von seiner Lebensgefährtin Jemima Khan, Anm. d. Redaktion]. Weil ich mit den Boulevardblättern nicht spreche, denken sie sich seitenweise Storys aus, in denen nicht ein Körnchen Wahrheit steckt. “Ein Freund sagt,” “ein Insider berichtet” – keiner dieser Menschen existiert, aber wer das liest, glaubt es wahrscheinlich. Es ist wirklich verachtenswert, wie diese Medien sich ein goldenes Näschen mit dem Privatleben anderer Leute verdienen.

Die Handschellenaktion hat Sie dagegen gar nicht gestört?

Ach, irgendwie konnte ich das ja nachvollziehen. Die wollten Aufmerksamkeit für ihren Radiosender und hielten das für eine witzige Idee. Und tatsächlich war es in der ersten Minute ja sogar witzig. Es wurde dann nur etwas befremdlich, weil sie keinen Schlüssel hatte und ich noch all die Fernsehinterviews am roten Teppich geben musste, während diese Frau an mich gekettet war.

Um noch einmal kurz bei der Presse zu bleiben: Ist keine Reaktion auf diese erfundenen Geschichten die beste Reaktion?
Früher habe ich es mal mit Verklagen versucht. Gleich nach “Vier Hochzeiten und ein Todesfall” wollte ich allen zeigen, wer hier der Boss ist. Ich habe jeden verklagt, der über mich die Unwahrheit geschrieben hat, und natürlich habe ich jeden Fall gewonnen, denn sie hatten sich die Geschichten ja wirklich ausgedacht. Aber die Rache für so etwas ist fürchterlich. Seit damals werde ich in der britischen Presse wirklich gehasst. Es ist also viel besser, solche Sachen gar nicht erst zu lesen und deswegen auch nicht zu reagieren.

Es klingt nicht so, als würden Sie mit aller Macht an einem Comeback arbeiten, sollte die Karriere irgendwann nicht mehr so gut laufen…
Ich verspreche Ihnen: Anders als meine Rolle in “Mitten ins Herz” wäre ich durchaus damit glücklich, wenn mir jemand sagen würde, dass meine Karriere vorüber ist. Der Druck wäre einfach weg und ich könnte mich anderen Sachen widmen, bevor es zu spät ist. Es würde mir gar nicht ausmachen, in der “Was macht eigentlich…”-Kategorie zu landen.

Womit würden Sie denn Ihre Zeit verbringen wollen?
Beispielsweise mit meinem Roman. Von dem rede ich ja schon eine Weile, und langsam muss ich ihn wirklich mal zu Ende bringen! Nicht zuletzt, damit ich endlich aufhören kann, darüber zu sprechen, denn allmählich wird das peinlich. Aber natürlich werde ich Ihnen nicht verraten, wovon es handelt. Je mehr ich Leuten davon erzähle, desto unmotivierter bin ich, wirklich weiter daran zu arbeiten. Seit einem Jahr schreibe ich allerdings wirklich intensiv daran, und diese kreative Arbeit ist wesentlich befriedigender als jeden Tag, den ich je vor einer Filmkamera erlebt habe.

Interview: Patrick Heidmann