Es ist schon beeindruckend, welche Entwicklung die fünf aus Tampa, Florida, in den nunmehr acht Jahren Bandgeschichte durchlaufen haben. Angefangen bei den ersten Gehversuchen als klassische Death-Metal-Band, über die mit dem Debüt ‘The Changing Of Times’ verbundene Entwicklung hin zum Metal-Core bis zum vorläufigen Höhepunkt ‘They’re Only Chasing Safety’, dem neuen Album.

Nachdem sich Underoath mit dem Vorgänger noch dank intensiver Double-Bass-Gewitter, gewöhnungsbedürftiger Keyboard-Flächen und singendem Schlagzeuger den Ruf als musikalischer Exot erspielten, setzt die Band heute auf die wohlproportionierte Mischung aus Eingängigkeit und Härte. Wir trafen die Band am Rande des ‘Give It A Name’-Festivals in London, um uns von Gitarrist James Smith erklären zu lassen, warum sich der Krawallfünfer trotz der neuen, um einige Nuancen härteren Platte mittlerweile schlicht als Rock-Band bezeichnet, und welche Rolle ihre tiefe Religiosität für die Band spielt.

Denn daran, dass sie tiefgläubig sind, lassen die Bandmitglieder keinen Zweifel, auf und abseits der Bühne. “Ja, weißt du, das ist von Anfang an immer ein Teil von uns gewesen. Die Band hat sich ja damals in einer Art Kirchengruppe gegründet. Wir teilen alle die gleichen christlichen Ideale und beten jeden Tag. Das ist sehr wichtig für uns, und das wollen wir auch mit unserer Musik transportieren”, erklärt James.

Allerdings haben die fünf auch durchaus Verständnis dafür, wenn der Hörer das Ganze eher mit gemischten Gefühlen betrachtet, denn schließlich sei man nicht in erster Linie Missionar, sondern Musiker, wie James betont: “Wenn uns einige Fans nur wegen unserer Musik mögen und mit unserer Einstellung nichts anfangen können, dann ist das völlig in Ordnung. Es geht uns ja hauptsächlich darum, zu repräsentieren, wer wir sind, und nicht darum, jemanden zu bekehren.”

Trotzdem wirkt das ehrliche Glaubenbekenntnis, das man diesen Aussagen entnehmen kann, gerade hinsichtlich der vollen Metal-Breitseite der neuen Platte ‘Define The Great Line’ irgendwie merkwürdig. Schließlich assoziiert man das Schlagwort “christliche Rock-Musik” hierzulande nicht unbedingt mit tiefergestimmten Gitarren und schwarzgekleideten Langhaarigen, die sich die Seele aus dem Leib schreien. Merkwürdig auch, dass James seine Musik am liebsten einfach als Rock definiert sehen würde, obwohl er die neue Platte im selben Atemzug als “das härteste Material, das man wir je geschrieben haben”, bezeichnet. Aber auch dafür hat er eine Erklärung parat: “Ich mag solch spezielle Genre-Bezeichnungen einfach nicht. Ich glaube, das wird unserer Vielseitigkeit einfach nicht gerecht. Zudem können wir mit den Bands, mit denen wir oft in einen Topf geworfen werden, gar nichts anfangen. Ich höre zur Zeit eigentlich nur Country.”

Vielseitigkeit hin, Religion her, unterm Strich bleibt, dass den Jungs mit ‘Define The Great Line’ wieder eine gute Platte gelungen ist, die Underoath endgültig in der obersten Liga des Screamo/Metal-Core-Liga etablieren könnte. Zurzeit scheint überhaupt alles möglich im Hause Underoath. Die Band ist zufrieden mit der neuen Platte und dem ungebrochen hohen Interesse an ihrer Musik, und laut James haben Underoath auch für die Zukunft noch einiges in petto. Sieht also so aus als wäre die Erfolgsgeschichte noch lange nicht vorbei.