Auf “Guero”, ihrem neuen Album, haben Sie mal wieder mit den Dust Brothers zusammengearbeitet. Dementsprechend erinnern die Songs auch deutlich an Ihre früheren gemeinsamen Alben, insbesondere an das Album “Odelay”. Was hat Sie daran gereizt, diesen Stil heute wieder aufzugreifen?
Beck: Eigentlich haben wir andauernd darüber gesprochen, wieder etwas zusammen zu machen. Plötzlich sind acht Jahre seit “Odelay” vergangen, und da wurde uns klar: “Wir müssen es jetzt machen (lacht)”. Außerdem habe ich inzwischen genug Distanz zu diesem Sound und diesem Album gewonnen. Wenn du so etwas zu oft wiederholst, dann definierst du dich durch einen bestimmten Stil. Und plötzlich darfst du dich überhaupt keinen anderen Dingen mehr zuwenden. Hinzu kommt, dass damals zu viel Musik veröffentlicht wurde, die diesen Sound nachzuahmen versuchte. Ich denke zwar, dass dieser Sound heute nicht mehr übermäßig angesagt ist. Aber trotzdem ist es immer noch unser Sound.

Kommt es Ihnen darauf an, aktuelle Trends zu vermeiden?
Beck: Ja, ich denke, dass das gut für mich ist. Dazu kann ich Ihnen eine einfache Analogie nennen: Stellen Sie sich vor, Sie haben einen großartigen Strandabschnitt gefunden, oder eine wundervolle Stelle im Wald. Und plötzlich wird dieser Ort vollkommen überrannt von Gästen. Getränke und Würstchen werden verkauft, und aus irgendwelchen Lautsprechern plärrt Musik, so dass Sie überhaupt keine Lust mehr haben, dort hin zu gehen (lacht). Im Laufe der Zeit gehen diese Leute jedoch an einen anderen Ort, so dass Sie wieder zurückkommen können. So ähnlich fühle ich mich zurzeit in Bezug auf “Odelay”.

Sie sind einer Umgebung von Künstlern aufgewachsen: Ihr Vater, David Campbell, ein Musikarrangeur, die Verbindung Ihrer Mutter Bibbe Hansen zu Andy Warhols Factory, ihr Großvater Al Hansen und Fluxus… War Ihre kreative Laufbahn dadurch gewissermaßen bereits vorgegeben?
Beck: Ich denke, dass es entscheidend für meine Entwicklung war, dass mir gewisse Dinge zur Verfügung standen. Du ziehst zum Beispiel das erste Album von The Velvet Underground aus der Sammlung deiner Eltern, legst die Scheibe auf, ohne zu wissen, was du da in der Hand hältst. Du versuchst zu verstehen, was du hörst und bist in der Lage deine Mutter zu befragen, sie gibt dir Auskunft und du denkst dir: “Aha!”. Als ich ungefähr 13 Jahre alt war, hat sie mich zu einem Fellini-Film mitgenommen, “Julia und die Geister” (Giulietta degli spiriti). Und diese Dinge haben mich umgeworfen, das hat mir gewissermaßen die Türen zu einem völlig neuen Universum eröffnet. Es ist einfach wichtig, dass dir solche Dinge zur Verfügung stehen. Gleichzeitig ist es natürlich erforderlich, dass du neugierig bist.

Inzwischen haben Sie Ihre eigene Familie gegründet. Im Frühjahr 2004 haben Sie Marissa Ribisi geheiratet…
Beck: Bei Santa Barbara. Wir haben die Stadt nicht weit verlassen.

Angeblich auf der San Ysidro Ranch in Montecito, auf der auch Chris Martin und Gwyneth Paltrow geheiratet haben. Ging das auf deren Empfehlung zurück, kennen Sie sich gut?
Beck: Nein, ich habe die beiden zwar kennen gelernt, aber das mit der Ranch war nur Zufall. Außerdem haben wir da nur gefeiert, geheiratet haben wir an einem anderen Ort, draußen in den Wäldern.

Marissas Bruder Giovanni ist ein relativ bekannter Schauspieler. Hat der nicht auch in “Lost In Translation” mitgespielt?
Beck: Stimmt, wir sollten ihn sogar bei den Dreharbeiten in Tokio besuchen. Aber damals habe ich gerade mit den Flaming Lips geprobt, so dass wir den Trip wieder absagen mussten.

Ist Marissa ebenfalls Schauspielerin?
Beck: Ja, das hat sie zumindest früher gemacht. Heute ist sie Schriftstellerin.

Außerdem sind Sie vor kurzem Vater geworden. Stellt die Vaterschaft alles auf den Kopf?
Beck: Na klar, aber das kam nicht gerade überraschend für mich. Ich war darauf vorbereitet (lacht). Wenn du deine Frau in ihrer Schwangerschaft beobachtest und begleitest, geht auch für dich eine ganze Entwicklung damit einher. Und wenn es dann soweit ist, bist du darauf vorbereitet. Trotzdem bedeutet das natürlich eine Veränderung in deinem Leben. Aber ganz klar eine Veränderung zum Besseren. Vielleicht ist Veränderung auch das falsche Wort, Erweiterung ist treffender. Plötzlich bietet sich dir eine neue Perspektive.

Text: Michael Dor