Johnossi begaben sich bei ihrem neuen Album auf eine Selbstfindungsreise und stellen klar, dass sie keine Lust mehr haben mit anderen Bands verglichen zu werden.

Das schwedische Rockduo Johnossi besteht aus John Engelbert und Oskar Bonde und gründete sich 1996. Der Grund für das späte Erscheinen ihres gleichnamigen Debütalbums, ist nach eigenen Angaben ihrer Faulheit zuzuschreiben. 2008 veröffentlichten die zwei Schweden den Nachfolger “All They Ever Wanted”. Sie zeichnen sich besonders durch ihre zahlreichen Live-Shows aus. Mittlerweile waren sie mit Musiker-Kollegen wie Mando Diao, Razorlight und den Shout Out Louds unterwegs. Am 30. April wird der dritte Streich des Indierock-Duos namens “Mavericks” erscheinen. Im Interview mit motor.de verraten Johnossi, was es mit der Selbsfindung der Band auf sich hat, wie eingängige Melodien entstehen und warum der Vergleich mit den The White Stripes hinkt.

motor.de: Auf eurem letzten Album ging es reichlich düster zu: Flugzeugabstürze, gebrochene Herzen… Was hat euch zu solchen Songs bewegt?
Johnossi:
Die Inspiration für die Texte kommt immer von den Gedanken und Ideen, die man in einer bestimmten Zeit seines Lebens hat. Außerdem versuchen wir vor allem uns selbst jeden Tag besser kennenzulernen. Wir wollen uns selbst in uns finden. Wir probieren Fragen und auch Antworten in unsere Texte einzuarbeiten.

motor.de: Also spiegeln die Texte persönliche Erfahrungen wider?
Johnossi:
Naja ich würde eher sagen, unsere Gedanken anstatt persönliche Erfahrungen.


motor.de: Findet ihr, dass ihr euch auf dem neuen Album mit denselben Themen auseinandergesetzt habt oder gibt es Unterschiede?
Johnossi: Es gibt Unterschiede! Auf dem neuen Album geht es in den Songs oft um die eigene Entwicklung. Wir hatten das Gefühl, wir müssten uns beide selbst besser kennenlernen. Im letzten Jahr waren wir in einer Phase, in der wir damit und den Problemen, die in diesem Prozess auftraten, sehr intensiv beschäftigt waren. Daher kann man diese Ideen in unseren Songs wiederfinden.

motor.de: Seht ihr das als einen der wichtigsten Aspekte im Leben – herauszufinden, wer man selbst ist?
Johnossi: Auf jeden Fall. Man muss immer bei sich selbst anfangen. Vor allem, wenn man sich verbessern will. Man kann nicht immer nur Output geben – vorher braucht man für sich selbst einen gewissen Input, um wieder etwas Relevantes hervorzubringen.

motor.de: Der Name eures neuen Albums ist „Mavericks“, hat er eine spezielle Bedeutung?
Johnossi: Der Name verdeutlicht worum es inhaltlich auf dem Album geht. Ein Maverick ist jemand, der keine Angst hat, gegen den Strom zu schwimmen und der den Mut aufbringt, gegen die konventionellen Denkweisen zu handeln, wie die Dinge sein sollten und sich der Angst und der Herausforderung zu stellen.

motor.de: Eure neue Single “What’s The Point” ist sehr melodisch. Ist das auch etwas Neues – hat sich also außer den Texten auch musikalisch etwas geändert?
Johnossi:
Wir haben schon immer versucht, Songs mit wirklich starken Melodien zu schreiben und ich denke, das haben wir dieses Mal noch besser geschafft als sonst. Bei diesem Album haben wir auch versucht, wirklich um die Texte herumzuarbeiten und die Lieder darauf aufzubauen. Wir wollten vor allem keine Songs überstürzen und damit riskieren, dass die Melodien darunter leiden. Aber ich finde, die Melodien waren schon immer ein entscheidender Bestandteil unserer Musik und beim neuen Album hauen sie dich echt einfach um.

motor.de: Habt ihr im Nachhinein das Gefühl, ihr hättet auf den früheren Alben Songs überstürzt?
Johnossi
: Nein, überhaupt nicht. Aber wir haben auf verschiedenste Art und Weisen gearbeitet und bei diesem Album eben die Zeit genommen, die wir wollten. Wir haben zwei Monate im Studio gearbeitet, während wir das Album dvor in nur acht Tagen aufnahmen. Wir wollten die Sache einfach anders angehen, um auch ein anderes Ergebnis zu erzielen.

motor.de: Wie liefen denn die Aufnahmen diesmal ab?
Johnossi:
Wir waren einige Wochen im Proberaum, haben die Songs live gespielt und dabei experimentiert. Langsam, schnell – wir wollten uns sicher sein, das beste Ergebnis zu erzielen. So wussten wir am Ende, dass es kein Zufallsprodukt geworden ist, da wir im Prinzip alles ausprobiert hatten.

motor.de: Wolltet ihr also Songs machen, die auch live funktionieren?
Johnossi: Wenn wir ein Album aufnehmen, denken wir nicht an die Liveauftritte. Wie wir unsere Musik live spielen, studieren wir bei den Proben vor den Konzerten ein und wenn wir dann für die Konzerte etwas abändern wollen, dann machen wir das – aber nicht schon für das Album. Konzerte zu spielen, ist einfach etwas komplett Anderes.

motor.de: Vermisst ihr manchmal die Möglichkeiten einer kompletten Band?
Johnossi:
Naja, manchmal sehen wir andere Bands, bei denen dann jeder etwas anderes auf der Bühne macht und rumrennen kann oder so. Und wir stehen im Prinzip nur da und spielen unser Set. Aber nein, John und ich machen das halt einfach anders. Wenn wir eine komplette Band wollten, könnten wir einfach in einer größeren Band mit ein paar Freunden spielen. Wir nehmen unsere Auftritte sehr ernst und da wir nur zwei Leute sind, müssen wir immer 100% geben und können uns nicht auf andere verlassen. Uns gibt das mehr, als mit einer großen Band zu spielen.

motor.de: Oft werdet ihr mit anderen Bands verglichen wie Mando Diao oder The Sounds. Nerven euch diese Vergleiche?
Johnossi:
Es ist uns egal. Wenn die Leute uns mit anderen Bands vergleichen wollen, dann können sie das gerne tun. Wir machen Musik in erster Linie für uns selbst und wenn andere sie mögen, ist das natürlich umso besser. Es macht uns stolz, dass wir Fans haben, aber Vergleiche interessieren uns nicht wirklich. Es gibt so viel gute und einzigartige Musik, da muss man nicht immer Vergleiche ziehen.

motor.de: Was ist mit den White Stripes? Fühlt ihr euch bei diesem Vergleich nicht sogar ein bißchen geehrt?
Johnossi:
Ja, natürlich ist dieser Vergleich in gewisser Weise eine Ehrung. Wir lieben die White Stripes, aber uns ist es trotzdem irgendwie egal. Zumal es auch sehr einfach ist uns mit den White Stripes zu vergleichen, nur weil wir jeweils zu zweit Musik machen. Mittlerweile finden wir es eher langweilig und engstirnig, uns aus diesem Grund als ähnlich zu bezeichnen. Das ist das, was uns an diesem Vergleich wirklich stört: Einfach auf den Fakt reduziert werden, dass unsere Bands aus zwei Personen bestehen.

motor.de: Fällt es euch manchmal schwer Entscheidungen zu treffen, da zu zweit ja nur schwerlich demokratisch abgestimmt werden kann?
Johnossi:
Eigentlich nicht. Wir finden es eher einfacher. Zwei Leute auf den gleichen Nenner zu bringen, ist einfacher als fünf. Generell haben wir dieses Problem eigentlich nie, da wir eine sehr ähnliche Vorstellung davon haben, was wir mit unserer Musik ausdrücken wollen. Für uns gibt es da wirklich kein Problem.

motor.de: Nervt es euch manchmal auf Tour immer miteinander rumzuhängen?
Johnossi: Nein, meistens sind andere Freunde von uns mit auf Tour und wir treffen jeden Tag so viele unterschiedliche Menschen, dass wir uns nicht auf die Nerven gehen. Wir sehen das eigentlich eher so, dass wir all diese fantastischen Sachen erleben und dann kommt dazu, dass wir sie mit dem besten Freund erleben dürfen – also ist es eigentlich eher ein Vorteil.

motor.de: Ist Touren für euch der beste Teil des Musiker-Lebens oder doch die Arbeit im Studio, wo ihr kreativ sein könnt?
Johnossi:
Auf Tour zu sein ist der Hauptaspekt. Vor Menschen auf der Bühne zu stehen, ist unser Job und um dazu in der Lage zu sein, müssen wir logischerweise vorher die Alben aufnehmen. Außerdem ist der kreative Prozess im Studio auch komplett anders als der auf Tour. Aufnahmen finden ja auch viel seltener statt. Alle zwei bis drei Jahre sind wir für ein paar Wochen oder Monaten im Studio, wohingegen wir quasi ständig auf Tour sind.

motor.de: Seht ihr ihr euch selbst als nicht unbedeutenden Teil der schwedischen Musiker-Szene?
Johnossi: Auf jeden Fall, auch wenn es eine Weile gedauert hat, bis wir uns in dieser Rolle wohlgefühlt haben. Wir waren da eher ein wenig schüchtern und haben uns nicht so wie die anderen großen Bands aus Schweden eingeschätzt. Aber mittlerweile sind wir eine etablierte Band und das ist schon ein schönes Gefühl.

motor.de: Habt ihr mal über eine Zusammenarbeit mit anderen Schwedischen Künstlern nachgedacht?
Johnossi:
Ja, warum nicht? Wir haben es bis jetzt noch nicht gemacht, obwohl wir eine Menge Freunde in anderen Bands haben, mit denen diese Möglichkeit besteht. Wir würden es aber definitiv nicht machen, nur um es getan zu haben, oder weil es zurzeit “cool” ist. Wenn sich mal eine besondere Situation beziwhungsweise Idee für einen Song ergibt, dann ist das sicherlich eine Möglichkeit. Bis jetzt war das aber nicht der Fall.

motor.de: Dieses Jahr ist mal wieder Fußball-Weltmeisterschaft: Seid ihr eigentlich interessiert an Fußball?
Johnossi:
Ja, leider haben wir [schwedische Nationalmannschaft] es ja nicht zur WM geschafft, sonst würden wir natürlich auch dort die Daumen für sie drücken. Jetzt werden wir wohl zu Argentinien halten. Ich denke, es ist ihre Zeit, mal wieder etwas zu erreichen.

motor.de: Naja, wenigstens habt ihr die bestaussehendsten Fans und Spieler.
Johnossi:
[Lacht] Ja, das stimmt wohl. Unser Land besteht aus sehr hübschen Menschen.

Interview: David Jacob
Text: Geli Megyesi