“My orchestra is gigantic/This thing could sink the Titanic/And the string section’s screaming/Like horses in a barn burning up”, so tönt Josh Ritter in “Rumours”, einem Stück auf seinem ohnehin recht unbescheiden getauften neuen Langspieler “The Historical Conquests of Josh Ritter”. Aber okay, ein Funken Wahrheit steckt schon in den Zeilen, hat der Wuschelkopf aus dem Städtchen Moscow in Idaho doch für die Albumproduktion ein ungewöhnlich großes Instrumentalaufgebot, inklusive Bläser und Streicher, im frostigen Januar in ein Farmhaus in Maine verfrachtet und damit seinem folkigen Rocksound eine kleine Auffrischungskur verpasst. Eine durchaus zuträgliche Entscheidung und auch nicht die einzige Neuerung auf dem aktuellen Werk, wie Obersympath Ritter im transatlantischen Telefongespräch zu berichten weiß. “Bei vorherigen Aufnahmen bin ich oft ins Studio gegangen, mit einer klaren Vorstellung, was ich von meinen Songs wollte – musikalisch und textlich. Bei diesem Album war es mein Ziel, mich total überraschen zu lassen. Und ein erster Schritt dabei war, nicht auf der Gitarre, sondern auf dem Klavier zu komponieren.” Ein Instrument übrigens, das der Gute nur mittelmäßig beherrscht. Was wiederum zur allgemeinen “anything goes”-Stimmung im musikalischen Winter-Camp passte, von der Josh Ritter erzählt. “Es herrschte eine Atmosphäre, in der es kein ‘falsch’ gab und in der jeder seine Ideen, seine Kreativität einbringen konnte. Ich habe diesmal meine Hände etwas vom Steuer genommen. Das führte natürlich auch zu dem ein oder anderen beängstigenden Moment.” Letzteres eventuell auch, weil der Amerikaner nach dem Bankrott seiner heimischen Plattenfirma den Spaß aus eigener Tasche finanzieren durfte. Da kann einem schon mal ein bisschen schwummerig werden.

Doch inzwischen sind Platte und neuer Vertrag längst unter Dach und Fach, das Abenteuer ist glücklich ausgegangen. Was bleibt, sind die Abenteuer, von denen Ritters liebevolle kleine Songgeschichten erzählen. Geschichten von romantisch veranlagten Pferdedieben etwa. Oder von rachsüchtigen Revolverhelden. “Ich liebe Western-Filme und -Bücher”, meint der Sänger dazu und nennt Robert Duvall als seinen großen Favoriten unter den Westernhelden. Die Protagonisten in seinen Liedern dagegen seien mehr von der Sorte “große Klappe, nix dahinter”. Apropos “große Klappe”: Was hat es denn eigentlich mit diesem pompösen Albumtitel auf sich? Josh Ritter lacht in sein Handy. Der Titel sei in der Tat nichts als ein Witz. “Er sollte so gewaltig klingen, dass er schon wieder absurd wird.” Denn: “I’m a lover, not a fighter.” Hätte uns anders auch gewundert.

Text: Nina Töllner