Rasmus Kellerman ist ein umtriebiges Kerlchen. Seit seiner frühen Jugend wildert der Stockholmer  in sämtlichen musikalischen Randgebieten von Hardcore bis Elektro und hat im letzten Jahr unter dem Namen Tiger Lou ein flauschiges Indie-Pop-Album abgeliefert. Für sein neues Werk musste eine thematischer Überbau her – Auftritt ‘The Loyal’.

Las Puertas, Araki, Yun Bao, und Asfalt sind nur einige Alter Egos, die sich Rasmus im Laufe der Jahre zugelegt hat, um Musik zu machen. Am erfolgreichsten und bekanntesten ist er jedoch als Tiger Lou. “Die Leute würden es sicherlich anstrengend finden, wenn eine einzige Band all diese Facetten in sich tragen würde”, erklärt einer der sympathischsten Vertreter der schwedischen Musik seine diversen Persönlichkeiten. Als Schmusekätzchen mit wenig Ecken und Kanten kann er vergangenes Jahr mit ‚Is My Head Still On’ beigeistern, einziger Kritikpunkt sind “zu viel Glätte und Politur. Ich glaube, der größte Fehler beim ersten Album war wohl, dass ich nie darüber nachgedacht habe, das wir ja ein Album machen, sondern darauf geachtet habe, genug Songs zusammenzubekommen”, sinniert der Mitzwanziger.

Der Qualität hat das nicht geschadet, seine Konsequenz hat er trotzdem daraus gezogen. Der Neuling soll nicht mehr nur eine “lose Sammlung von Liedern” werden, ein Thema muss also her und ist schnell gefunden: Loyalität. “Das erste was mir einfiel, war der Albumtitel, nämlich ‘The Loyalist’. Am Anfang war es einfach nur ein schönes Wort, wohl klingend und gut aussehend. Zudem ist eine grundlegende Emotion, ich fühle mit loyal in Bezug auf meine Bandkollegen, meine Frau und meine Familie , nicht in der Reihenfolge natürlich. Dann fanden wir heraus, dass es oft in Verbindung mit der Anti-IRA Bewegung auftaucht und die haben einige fürchterliche Dinge angestellt, so dass ich mit meiner Arbeit keinesfalls daran erinnern möchte.”

Treue und Verbundenheit bilden den rote Faden, aus dem dreizehn Geschichten gesponnen werden, die Melancholie versprühen. ‚The Loyal’ gibt keinen Grund zu feiern, wohl aber um sich zu freuen, denn oft fühlt man sich bei dem verspielten Gitarren-Pop mit Elektrospielereien an The Cure erinnert, selten an The Police. Erste entdeckte Rasmus einst durch seine Geschwister Mårten und Jenny, mit denen er und seine Frau Andrea Anfang des Jahres ein Konzert im Stockholmer ‚Klubben’ spielten. “Wir könnten nie in einer Band spielen, denn unsere vier Egos würden die Welt explodieren lassen” lacht er. “Aber der Abend war wunderbar. Es klang sicherlich nicht gut, aber es hat sehr viel Spaß gemacht. Vielleicht gründen wir eine Coverband wenn wir älter sind, ‚Die Kellermans’ oder so.”

Bis dahin dürften noch einige Jahre ins Land ziehen. Für die nahe Zukunft hat Ramus eigentlich nur noch einen musikalischen Wunsch offen. “Ich würde gern instrumentale Musik für Filme machen. Erst kürzlich haben ich kürzlich mit  dem Typen der Donny Darko gemacht hat darüber gesprochen. Richard E. Kelly heißt er wenn ich mich richtig erinnere. Ich liebe die Spannung des Films und die Atmosphäre.” Auch auf seinem eigenen Album ist beides reichlich vorhanden, so dass ‚The Loyal’ nicht nur ein wunderschönes, sondern auch ein unterhaltsames Werk geworden ist.

Text: Ina Göritz