“In meiner Familie denken alle nur ans Geldverdienen und Fußball”, berichtet Maze trocken. “Ich wollte immer nur Musik machen. Wenn ich Geld brauchte, habe ich Autos gewaschen.” Der Frontmann von Union Youth mag das schwarze Schaf seiner Sippe sein, dafür hat er immerhin einen Traum in die Tat umgesetzt. Sein Quartett ist weit mehr als eine Eintagsfliege, in diesen Tagen veröffentlichen Union Youth ihr zweites Album “The Boring Years”. Als sie vor drei Jahren ihren Debütdreher “The Royal Gene” präsentierten, ernteten sie freilich nicht nur positive Kritiken. “Schieß dir doch ´ne Kugel in den Kopf”, schrieb irgendeiner ins Gästebuch ihrer Website, nur weil Maze Nirvana so liebt. Die konstruktive Kritik einiger Medien nahmen sich die vier zu Herzen. Für den nun vorliegenden Nachfolger “The Boring Years” haben sie versucht, sich “vom Nirvana-Sound zu distanzieren. Was nach Nirvana klang, wurde weggelassen”, so Maze. Das ist den Niedersachsen zwar nicht hundertprozentig gelungen, aber warum auch? Nirvana waren schließlich eine coole Band!

Seinen Traum zu verwirklichen ist eine Supersache, die leider einen Nachteil hat: Die praktische Realität mit ihren zahlreichen Ecken und Kanten sieht anders aus als die theoretische Vorstellung im Kopf. “Lange Zeit hab ich geglaubt, dass ein Musikmagazin eine Band auf sein Titelblatt nimmt, weil es die Combo richtig cool findet”, rauft sich Maze sein zerzaustes Haar. “In Wahrheit liegt es an den Kontakten der Plattenfirma oder einer großen Anzeige, die sie schaltet.” Ebenfalls unerwartet kam für Union Youth, dass deutsche Veranstalter amerikanischen Bands regelrecht hörig sind. “Als einheimische Band hast du kaum Chancen, auf den Festivals zu spielen. So eine Ami-Agentur sagt klipp und klar: ‘Ihr kriegt meine Nine Inch Nails nur, wenn ihr auch meine anderen zehn Bands nehmt. So ist für deutsche Bands auf deutschen Festivals kein Platz mehr”, klagt der Sänger/Gitarrist. “Unter der Woche spielen diese Ami-Bands auch noch in den Clubs, so dass für uns gar nichts mehr geht. Da fragt man sich, müssen wir eigentlich alles von den Amis übernehmen? Können wir nichts Eigenes auf die Beine stellen?”

Bei so viel rauhem Wind, der dem Quartett um die Ohren pfeift, ist es angenehm, ein geschütztes Nest zu haben. Im Fall von Union Youth ist das ihr Heimatort Bad Bentheim, nahe der niederländischen Grenze. “Für uns ist das unser Rückzugsgebiet, nach einer Tour können wir in dem Kaff, das nur zwei Kneipen hat, ganz gut relaxen”, beschreibt Maze die Beziehung seiner Band zum 15.000-Seelen-Städtchen. “Da oben kostet der Doppelkorn 80 Cent. In den Kurzen schütten sich die Leute ´ne Tüte Brausepulver“, berichtet Gitarrist Jon Orion. “Und zur Happy Hour zwischen 18.00 und 19.00 Uhr verkaufen die Kneipen einen ganzen Kasten Bier für 24 Euro. Vor dem sitzen die Leute dann und saufen ihn Flasche für Flasche aus. Merkwürdigerweise werden sie davon nicht mal besoffen.” Man sieht, die Rocker zählen zu einem Menschenschlag mit Stehvermögen. So kann man davon ausgehen, dass weder Maze noch die anderen Bandmitglieder in nächster Zeit ins Bankwesen oder Fußballgeschäft wechseln werden.

Text: Henning Richter