Jugendliche Naivität, adolescente Wut, Sturheit, Veränderungswille, Lärm. Die Quintessenz von Killed By 9V Batteries. Musik mit unendlicher Dringlichkeit, die gegen alles und jeden tobt und erst im Totenbett anfängt zu ruhen. Kein Ringeltanz, nur Noise-Melancholie. Toll, vital, einzigartig. Denn: Wie oft scheiterten Bands an der Vertonung des pubertären Gefühlschaos? Wie oft gingen sie im Sog der nicht zügelbaren Kraft unter? Nur wenige Bands schafften, Gefühl und Musik in Homogenität lärmen zu lassen. Dinosaur jr. und Sonic Youth waren eine dieser, die jungen Tocotronics auch. Killed By 9V Batteries sind es.

Parolenhafte Phrasendreschungen gibt es nicht, kein an weißen Häuserwänden gesprühter Protest. Dazu sind allein ihre Songtitel viel zu lang („Cherish Some Spoken Words But Record Our Laughing“). Drogen wer weiß, Seilschaften wenige. Die Zuordnung zu einem Genre, vielleicht trifft es Noise-Indie-Rock-Pop-Punk ganz gut. Oder wie es Wolfgang Moestl, Mario Loder und Stefan Christandl auf der Band eigenen MySpace-Seite schreiben: „Wir sind eine Noise Post Rock Band, mit “Pop” Ansätzen a la My Bloody Valentine, aus Graz in Österreich, und wir lärmen und schrammeln seit dem Magischen Sommer 2002. Wir malochen mit dem Wiener Indie Label “siluh records”.

Malochen ist das richtige Wort, wenn man ihre Plattenaktivität verfolgt. Allein 4 Alben in Alleinproduktion sind bereits veröffentlicht worden. Verzerrtes, lautes „Powerchord Desaster“ (Juli 2005). 2006 erscheint das Major Debüt „Killed By 9V Batteries“. Das selbstbetitelte Album konfrontiert den unvorbereiteten Hörer mit der Wucht von Lo-Fi Krach, Orgelballaden, Krawall-Pop und Punk-Noise. Achterbahn fahren in Lichtgeschwindigkeit. Zumindest bei der ersten Begegnung. Wer jedoch hinter die dezent übersteuerten, reichlich lärmigen ersten Eindrücke blickt, entdeckt bald großartigen, wunderbar poppigen Noise-Rock mit wunderschönen, endloslang erscheinenden Intrumental-Passagen. Und über allem thront das Geschrei von Sänger Wolfgang Möstle, der mit seiner Stimmfarbe den Songs Tiefe und Verzweiflung gibt. Aufrichtig!

Am Ende bleibt jedoch die Angst vor der Zukunft. Kann man Wut, Verzweiflung, Jugendlichkeit für ewig aufsaugen? Was bringt die Reife? Was bringt der Erfolg? Adolescente Ungewissheit. Jugendliches Bangen.

Hans Erdmann