Aufgepasst! Hier kommt Deutschlands meiste Band der Welt! Wenn sich eine Combo diesen großspurigen Namen geben darf, dann die knorken Knorkis von Knorkator. Mit der Kombination aus harten Riffs, lyrischen Frontalergüssen und der Energie schweißtreibender Live-Shows haben sie es geschafft. Die Welt ist Knorkator – Knorkator ist die Welt.

Wie und warum sich Sänger Stumpen und das musikalische Multitalent Alf Ator 1994 zur Band Knorkator zusammenschlossen ist ungeklärt. Vielleicht auf Grund eines akuten Zahnwehleidens oder der mangelnden Tomatenernte – ein Mysterium bleibt es bis heute. Zumindest wissen wir, dass Berlin der Geburtsort der Musikakrobaten ist. Befreundet sind die beiden jedoch schon länger, doch musikalisch wird erst Mitte der er 90er. Denn zur Musik kommt Stumpen erst spät, und zwar wie die berühmte Jungfrau zum Kinde. Erst nach dem Sturz von einer Leiter, entdeckt Stumpen sein gesangliches Talent. Trotz diesen glaubwürdigen Aussagen, unterstellen ihm böse Geister eine klassische Gesangsausbildung.

Jetzt benötigen die Beiden noch einen Gitarristen. Buzz Dee, einer der Gitarrengötter der DDR (u.a. Monokel) wird dafür an den Karren gespannt und ohne Widerrede zum Spielen gezwungen. Schnell steht das erklärte Gruppenziel: „Scheiße gesellschaftsfähig machen”.

Die ersten Jahre sind geprägt durch lokale Konzerte, die ihnen schnell den Ruf einer exzellenten, wie auch exzentrischen Live-Band einbringen. Buzz Dee wird endgültig zum festen Mitglied als sie bei einer Rio Reiser Tour als Nachband auftreten sollen. Das Publikum ist fasziniert. Knorkator präsentieren eine ungeahnte Vielfalt an spätpubertären Mist/Schrott/Müll. Als Mikro oder Drumsticks werden schon mal Klobürsten umfunktioniert, mit Schaumstoffhämmern auf die Fans eingeschlagen, Gemüse per Hexelmaschine ins Publikum gefeuert und und und.  Aber auch Sänger Stumpen kann mit seinem steinharten und zur Unkenntlichkeit tätowierten Astralkörper die Massen entzücken.

Ob es am guten Aussehen der Jungs oder doch an der kraftvollen Energie der Songs liegt, keiner weiß es. Jedoch sind Bela B. und Rod von „Die Ärzte“ geplättet. Nach einer Show klopft Bela B. Buzz Dee auf die Schulter und fragt ihn, ob er ein Demo-Tape kaufen könnte. Für viel Geld werden die Knorkis ein Tape los. Wenige Tage später ruft der Ärzte-Manager Axel Schulz an und lädt das Trio ins Ärzte-Büro ein. Schulz rät den Jungs in Berlin einen Club zu mieten und ein Konzert zu veranstalten. Er wolle dafür sorgen, dass die richtigen bzw. wichtigen Leute am Start sind und ein Plattenvertrag herausspringen wird. Das Konzert wird geplant und im Berliner Knaack durchgezogen. Leider verziehen sich alle Plattenmenschen nach spätestens 20 Minuten. Rod ist entgeistert und schlägt vor, die Scheibe einfach auf seinem Label Rodrec aufzunehmen.

Gesagt, getan. Das Debütalbum „The Schlechtst of“ wird Ende 1997 in die Regale der Republik geschleudert. Es folgen Anfang 1998 lokale TV-Auftritte für den Berliner Fernsehsender FAB, die sich durch extremen Beklopptheit bzw. ausufernden Intellektualismus auszeichnen. Sie drehen mit „Böse“ ein düsteres Video, welches sogar bei den großen Musiksendern gezeigt wird. Ebenfalls treten sie mit kurzen Röcken bekleidet bei MTV auf, wo sie sich bis zur Weisglut streiten, beschimpfen und sogar durch das Studio prügeln. Ein Ende alla Tic Tac Toe? Doch dazu kommt es zum Wohle der Menschheit nicht. Festivals werden gespielt, auf denen diverse Instrumente auf der Bühne zerstört werden und ein Fahrrad als Bühnenrequisite dient.

Das zweite Album „Hasenchartbreaker“ erscheint 1999 über Mercury Records, die aber nach Aussagen der Band, nur die übrig gebliebenen Reste aus der Session für das erste Album bekamen. Laut Alf Ator klingt die Platte eher nach einer gehobenen Demo-Produktion. Dennoch können sie zum ersten Mal in den Charts punkten (Platz 31) und beim Deutschen Vorausscheid zum Eurovision Songcontest für einen Skandal sorgen. Mit „Ick wer zun Schwein“ legen sie einen ungewöhnlichen Auftritt ab. Für Knorkator-Verhältnisse eine Show mit drei angezogenen Handbremsen, für die Bild-Zeitung dennoch die Titelstory wert: „TV-Skandal beim Grand Prix!“ – „Wer hat diese Irren ins Fernsehen gelassen?“

Die Sender sind fasziniert und laden die Boyband Knorkator vermehrt in ihre Sendungen ein, unter anderem treten sie bei TV Total auf. Da Knorkator in der Mitte der Republik endgültig angekommen sind, ist es an der Zeit, sich gebührend feiern zu lassen. Und da es sonst niemand tut, feiert man sich eben selbst. „Tribute to uns selbst“ erscheint im September 2000 und kommt mit Klassikern wie „Ich lass mich klonen, „Extrawurst“ und „Ich verachte Jugendliche“ aus der Küche.

Auf Grund einer Einladung eines Freundes kommt Alf Ator auf die Idee, ein Buch herauszubringen. Das Buch wird auf den Namen „Des Wurzels Zweig“ hören und schafft es sogar, in Büchersendungen des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens ein Feature zu erhalten. Lyrische Ergüsse wie „Wir standen da und rochen es – wir standen vor Erbrochenes“ lassen auf den Literaturnobelpreis hoffen. Unverständlicherweise blieb der Anruf aus Stockholm bis heute aus. Inspiriert von diesem Buch, entschließen sich die Jungs eine Platte fernab der Knorkator-Welt einzuspielen. Ohne elektrische Gitarren und nahezu vulgärfrei kommt „High Mud Leader“ (2002) aus. Auf Dauer kann dies aber nicht gut gehen. Es muss wieder Krach unters Volk gebracht werden.

Drei Jahre nach ihrem letzten regulären Album wird im September 2003 „Ich hasse Musik“ veröffentlicht. Ein eindeutiges Statement gegen jegliche Harmonie auf dieser Welt. Ohne Kompromisse wird mit Musikstudenten, Oboen und Komponisten abgerechnet. So geht’s nicht! „Ich Hasse Musik“ zeigt das deutlich. Mit Nick Daniels am Schlagzeug und Tim Beam am Bass werden zwei feste Mitglieder in die Knorkator-Familie integriert, nachdem sie vorher lediglich Live-Mitglieder waren.

Wiederum geht es auf Tour und ein weiteres Buch („Am Anfang war das Am“) herausgebracht. Um den Fans die ewig lange Wartezeit auf eine neues Werk zu verkürzen erscheint im Jahr 2005 die DVD/CD „Zu alt“, mit Live-Aufnahmen und einer ausführlichen Biografie. Diese Veröffentlichung stellt gleichzeitig die Premiere beim neuen Label Nuclear Blast dar. Zur ersten regulären Platte beim Donzdorfer Label kommt es erst im Jahr 2007. „Das nächste Album aller Zeiten“ zeigt dabei neue Aspekte im künstlerischen Schaffen der Band. Neben den bewährten Dampfhammer-Nummern finden sich eine Vielzahl an ruhigeren, experimentellen und poppigen Stücke – sagen wir einfach Otto-Normal-Verträglicher, auch wenn der typische Knorkator-Humor nicht zu kurz kommt. Deutschland und weite Teile Europas werden bespielt und kräftig mit Toastbrot beworfen. 

Mitte März 2008 erscheint mit „Die satanischen Achillesferse“ das dritte Buch von Alf Ator. Im Sommer stehen diverse Lesungen und Konzerte an, unter anderem im Juni auf der Jugendbühne des Leipziger Stadtfest unter dem Motto „Laut gegen Rechts“.

Knorkator sind:
Stumpen – Gesang
Alf Ator – Keyboard
Buzz Dee – Gitarre
Nick Daniels – Schlagzeug
Tim Beam – Bass

Enrico Ahlig